Klima & Energie

Klimaschutz braucht Lifestyle-Änderung

Erwin Schuh
Theresia Vogel ist Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds.
Erwin Schuh

Technologieentwicklung und Digitalisierung tragen zur Lösung von Klimaproblemen bei. Warum das aber nicht reicht und es einen grundlegenden Wandel des „Lifestyles“ braucht: Im Gespräch mit Klima- und Energiefonds-Geschäftsführerin Theresia Vogel.

Wird die Arbeit des Klima- und Energiefonds allgemein geschätzt?
Ich habe den Eindruck ja. Wir haben schließlich seit 2007 mehr als 130.000 Projekte entstehen lassen. Ich glaube, der Klimafonds steht für Kontinuität und Verlässlichkeit. Wir sind ein anerkannter Partner für die Wirtschaft. Die sagt mit Recht: Okay, ich lass mich auf das Thema Klimaschutz ein, aber ich will eine verlässliche Perspektive. Klimaschutz ist ja nicht eine Sache von heute auf morgen, wir müssen auf Jahrzehnte rechnen und nicht mit Tagen.
Österreich hat dabei eine super Basis. Wir haben hochkompetente Unternehmen, echte Frontrunner, viele davon Weltmarktführer. Und – das darf man nicht vergessen – wir haben immer noch den Status eines Umweltmusterlandes. Das ist ein Wert an sich.

Liegt die Lösung der Klimaprobleme in der Technologie?
Technologie ist ein Teil der Lösung, aber nicht das Einzige. Wenn man sich ansieht, wo die Herausforderungen bis 2050 liegen, dann geht es um einen tiefgreifenden Prozess der Veränderung, auch gesellschaftlich. Dieser Wandel wird alle Branchen betreffen, unsere Lebensweisen und unsere Art, wie wir wirtschaften. Es muss eine Lifestyleänderung geben hin zu einem „weniger ist mehr“.

Dann müssen sich aber die Parameter ändern: Wenn es immer um Wachstum geht, wird es nicht funktionieren …
Auf einem Planeten, der limitiert ist, ist immerwährendes Wachstum illusorisch. Das wissen wohl auch die Wirtschaftswissenschafter. Die Frage wird sein: Wohin geht dieses Wachstum? Geht es in Richtung mehr Lebensqualität oder geht’s in mehr Umsatz? Die einfachen Fragen: Brauche ich jedes Jahr neue Möbel, ein zweites Auto? Oder hält das doch 20 Jahre?
Kreislaufwirtschaft und Circular Design sind Themen, die jetzt in der Forschung ganz intensiv in den Vordergrund rücken. Zum Beispiel die Miniaturisierung führt dazu, dass man nichts mehr zerlegen und recyclen kann. Da wird es ein Umdenken geben müssen. Dazu kommen die ganz banalen Weisheiten: regional, saisonal, möglichst lokal produzieren und konsumieren. Das gilt nicht nur für die Ernährung, auch in anderen Dingen. Fossile Stoffe sind ja nicht nur Energieträger, sondern Basis für viele Produkte: Fünf Prozent der erdölbasierten Rohstoffe landen in der chemischen Industrie, der Kosmetik und dergleichen.

Also geht es auch hier um Alternativen aus der Natur?
Wir haben immer spannende Projekte. Vor allem zeigt sich immer wieder, dass die Produkte aus nachwachsenden Ressourcen regional günstiger herzustellen sind als jene aus fossilen Rohstoffen.
Es geht ja auch um Versorgungssicherheit. Bei zwei Drittel Abhängigkeit von Energie-Importen ist es doch vernünftig, drüber nachzudenken, wie man diesen Anteil reduzieren kann. Da geht es nicht nur um den Preis, sondern darum, wie ich meine Wirtschaft in Schwung halten kann.
In der grundlagennahen Energieforschung ist ein Ziel, alternative Materialien für Speicher zu finden, die möglichst hier vor Ort verfügbar und auch wirtschaftlich günstig sind. Da schauen sich die Forscher Matritzen mit tausenden Stoffkombinationen an und testen die. Das dauert zehn oder 15 Jahre bis zum marktreifen Produkt.

Welche Technologieprojekte laufen im Mobilitätsbereich?
Die „Leuchttürme der Elektromobilität“ haben wir im Vorjahr unter dem Titel „Zero Emission Mobility“ einem Update unterzogen. Es geht in Richtung emissionsfreie Mobilität. Dabei bleibt nach wie vor der elektrische Antrieb im Fokus. Wir gehen auch ganz stark in das Thema Logistik, in Richtung Güterverkehr. Weiteres Thema ist die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Insgesamt wollen wir das Dreieck Fahrzeug, Infrastruktur und Nutzer nicht aus den Augen verlieren – es würde keinen Sinn machen, nur eine dieser drei Säulen zu optimieren.

Die Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle ...
Digitalisierung ist das, was ich als Enabler bezeichnen würde. Das ist eine Querschnittsmaterie. Nur als Beispiel: Ohne Digitalisierung hätten wir nicht die Daten und das Wissen über den globalen Klimawandel. Die Digitalisierung ermöglicht ganz neue Geschäftsmodelle. Sharing Economy wäre ohne die digitale Basis in größerem Ausmaß nicht möglich.
In der Energiewirtschaft ist das im Bereich der Smart Grids schon länger ein großes Thema. Der viel besprochene Prosumer wäre ohne Digitalisierung nicht denkbar. Umgesetzt wird das heute in Blockchains, einer Peer-to-Peer-Nutzerbeziehung, die nur als digitale Plattform denkbar ist.
Aber wie überall kommt es halt drauf an, wie man den Enabler einsetzt. Man kann sinnvolles tun und Energie sparen, Dinge sharen. Oder Sinnlosigkeiten betreiben, dann habe ich Rebound-Effekte, fünf Flachbildschirme in der Wohnung und damit den Energieverbrauch noch erhöht. Genau darum habe ich eingangs gesagt: Technologie alleine rettet uns nicht. Es geht um Verhaltensänderung, es geht darum, die Menschen zu motivieren. Es ist das Bewusstsein für das Energiesparen noch nicht ausreichend da. Es ist eine immerwährende Aufgabe, dieses Bewusstsein zu fördern und aufrecht zu erhalten.

Wie sehen Sie die Perspektive des Klima- und Energiefonds?
In der Klima- und Energiestrategie Mission 2030 sehe ich viele Potenziale und Aufgaben für den Klimafonds. In der Strategie sind zwölf Leuchttürme formuliert und praktisch alle passen ausgezeichnet zum Klima- und Energiefonds. Unsere Stärke ist, dass wir den gesamten Innovationsprozess von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung abdecken können.
Für mich persönlich ist noch das Thema Transformation der Industrie wichtig. Das ist eine langfristige Aufgabe, weil technologisch noch nicht alle Lösungen auf dem Tisch liegen. Diesen Weg wollen wir unterstützen, indem wir die Unternehmen motivieren, in die neuen Technologien hineinzugehen, sich neue Lösungen einfallen zu lassen.

Wo hat Österreich als Klimamusterland Aufholbedarf?
Wir müssen generell bei der Umsetzung schneller werden. Und wir müssen es verstärkt schaffen, großvolumige Vorzeige-Projekte aufzusetzen, die nach außen ausstrahlen. Die Meilensteine heißen ja nicht zufällig Leuchttürme. Ab 2021 wird es einen neuen EU-Förderrahmen geben. Da kann es durchaus eine Chance für Österreich sein, dass man sich auf große Themen wie Dekarbonisierung der Industrie und Sektorkopplung konzentriert, um dann hier auch aus den europäischen Töpfen Förderungen zu bekommen. Mit Projekten wie unseren Vorzeigeregionen habe wir eine gute Basis für solche Großprojekte.

Wie ist Ihr persönlicher Umgang mit Umweltschutz?
Es gibt wohl nicht DIE spektakuläre Maßnahme, sondern es geht um viele kleine Schritte. Also zum Beispiel beim Essen regionale und saisonale Produkte zu kaufen. Meistens sind die auch besser, weil frischer. Wenn man viel selbst kocht, kann man die Lebensmittel auch sehr gut verwerten und drauf achten, so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Alltagsmobilität erledige ich praktisch ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß. Eine kleine Schwäche ist meine Liebe zum Reisen. Aber bei den Flugreisen bezahle ich immerhin den Aufpreis für den CO2-Ausgleich.


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