Klima & Energie

Energiewende – oder was?

Europäische Vorgaben & Ziele für ÖsterreichAus einem Vortrag bei der Handelsblatt-Jahrestagung „Energiewirtschaft Österreich“
Wien Energie/Ehm
Einer der Leuchttürme der „Mission 2030“: PV-Anlagen auf 100.000 Dächer bringen.
Wien Energie/Ehm

Viele Menschen – auch Expertinnen und Experten – sehen den letzten Sommer als erlebbaren Beweis für die globale Erwärmung und die dadurch ausgelöste Klimakrise. Die Welt, Europa, Österreich steuern auf einen Punkt zu, an dem der klimatische Turnaround nicht mehr gelingen kann. Was bleibt, ist, jetzt die Energiewende anzugehen. Und zwar energisch.

Zwölf Jahre geben und die Wissenschafterinnen und Wissenschafter des IPCC, des Weltklimarats der UNO, um die globale Erwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten. Jedes weitere halbe Grad mehr würde eine signifikante Erhöhung der Risiken für Dürren, Überflutungen durch die Erhöhung des Meeresspiegels und extreme Hitze bringen. Umweltbedingungen, die hunderte Millionen von Menschen bedrohen würden. Gefordert werden sofortige und bisher beispiellose Maßnahmen, um das Klimaziel unter zwei Grad Erwärmung zu halten. Kernpunkt: Treibhausgas-Emissionen müssen auf null gebracht werden.

Wo stehen wir in Österreich? Trotz durchaus vorhandener – auch legislativer – Bemühungen ist der CO2-Ausstoß gestiegen. Laut Berechnungen des „Wegener Center für Klima und Globalen Wandel“ sinken die Treibhausgas-Emissionen Österreichs seit 2015 nicht mehr, sondern nehmen stark zu. Konkret wird für 2016 ein Zuwachs von 1,2 Prozent und für 2017 sogar ein Plus von 4,4 Prozent prognostiziert (Modellrechnung). Für 2017 wird eine Zahl von mehr als 82 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent angenommen. Die gute Nachricht, wenn auch zynisch: Jetzt lässt sich leichter sparen ...
Verkehr als Hauptproblem. Als die wichtigsten Verursacher von Treibhausgas-Emissionen nennt das BMNT die Sektoren Verkehr (44,7 %), Landwirtschaft (16,3 %), Gebäude (16,1 %) sowie Energie und Industrie (12,6 %). Nach Berechnungen des Umweltbundesamts verfehlt Österreich – ohne weitere Maßnahmen – das Reduktionsziel von Treibhausgas-Emissionen (THG) bis 2030 um 8,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Rund 12 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent waren 2015 dem Personenverkehr auf der Straße zuzuschreiben, 10 Mio. Tonnen entfielen auf den Straßengüterverkehr.
Österreich braucht also auch im Energiebereich die Mission „Zero Emission“. An strategischen Vorgaben gäbe es keine Mangel. Die „Mission 2030“ definiert das Ziel, das Stromaufkommen bis zu diesem markanten Jahr zu hundert Prozent auf erneuerbare Energie umzustellen. Doch ist das machbar?

EEÖ. „Erneuerbare Energie Österreich" sagt ja – und definiert auch gleich die Rahmenbedingungen, unter denen das möglich sein soll. Kern sind die Eckpunkte für ein „Erneuerbaren Ausbau Gesetz", das die Regierung demnächst vorlegen wird. „Um den österreichischen Strombedarf bis 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus Erneuerbaren decken zu können, sind – wie alle vorliegenden Studien zeigen – ausreichend Potentiale vorhanden," so Peter Püspök, Präsident Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ). Der Umbau des Energiesystems sei aber nicht nur für den Klimaschutz dringend notwendig, sondern muss als Chance für enorme wirtschaftliche Impulse auf dem Weg zu einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft von morgen gesehen werden.
Der EEÖ veröffentlicht dazu ein erstes Maßnahmenpaket zur Erreichung dieser Ziele. Bis 2030 hat Österreich demnach das Potential rund 95 Terawattstunden elektrische Energie aus Erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Damit könnten Herausforderungen wie die Sektorenkopplung (Elektromobilität, Wärmepumpen), als auch die Digitalisierung bewältigt werden. Gleichzeitig ist aufgrund massiver Umstellungen im Industriebereich mit einem steigenden Strombedarf zu rechnen.
Wo kommt der Strom her? Der EEÖ hat berechnet, dass neben der Wasserkraft 22,5 TWh aus der Windkraft kommen könnten, eine Verdreifachung zum Stand 2017. Dazu 15 TWh aus Photovoltaik, was gar einer Verzwölffachung des heutigen Standes bedeuten würde (siehe dazu auch das Interview mit PV-Experten Hubert Fechner auf Seite 12). Die restliche Stromerzeugung wäre mit Biomasse, Biogas und Geothermie abzudecken. fast 17 GWh Stromproduktion als kalorischen Kraftwerken (und Stromimporten) wären damit obsolet.

Challenges für Energieversorger.
Doch das Thema erneuerbare Energie ist nicht nur eines der Erzeugung. Lokal und regional erzeugter Ökostrom muss sinnvoll in die Netze integriert werden, Speicherlösungen spielen eine immer größere Rolle, wie auch Wolfgang Anzengruber, CEO der VERBUND AG, kürzlich bei der Handelsblatt-Tagung „Energiewirtschaft Österreich 2018" feststellte.

Die 100-prozentig CO2-freie Stromerzeugung bringe für Österreich einen Zubau von rund 35 TWh an erneuerbarem Strom, der erst in das Gesamtsystem integriert werden muss. Energiespeicher wären zum Ausgleich der volatilen Erzeugung aus Sonnen- und Windkraft ein wesentlicher Bestandteil der Dekarbonisierung im Strombereich. Dazu würde man Wasserkraft-Pumpspeicher ebenso brauchen wie dezentrale Großbatterien, so Anzengruber.
Neue Geschäftsmodelle brauchen auch die klassischen Energieversorger, wie Wien Energie Geschäftsführer Michael Strebl bei der Handelsblatt-Tagung vorzeigte.
Digitalisierung als Megatrend. Strebl sieht vier starke Trends für die Energiewirtschaft. Die sinkenden Preise bei der Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie ermöglichen heute einen wettbewerbsfähigen dezentralen Einsatz. Damit einher gehe ein Rollenwechsel, denn immer mehr werden die Consumer zu Prosumern, die – zumindest teilweise – ihren Strombedarf auch selbst produzieren.
Dezentralisierung, neue Technologien wie Block-Chain und die alles verknüpfende Digitalisierung bestimmen heute und in Zukunft das Energiegeschäft weit mehr, als das klassische Kraftwerk: Neue Produkte und Geschäftsmodelle, Plattformen der Selbstorganisation und der Durchmarsch des Smart Homes etwa. Der dadurch zu erwartende Anstieg des Stromverbrauchs sollte umso mehr aus einer dekarbonisierten Erzeugung kommen, so Strebl.


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