Klima & Energie

Energie für den Klimawandel – sauber und erneuerbar

E-Control/Anna Rauchenberger
Wolfgang Urbantschitsch und Andreas Eigenbauer, die Vorstandsmitglieder der E-Control, präsentierten den Ökostrom-Bericht 2016.
E-Control/Anna Rauchenberger

Klimaschutz ist ein globales Problem – auch wenn manche es nicht glauben wollen. Umso wichtiger ist (oder wäre) ein überregional koordiniertes Vorgehen. Der Versuch, einen roten Faden aufzunehmen: Von den Pariser Klimazielen über die Energiestrategie der EU bis zum österreichischen „Grünbuch“.

Ein Mangel an Stretegiepapieren und -plänen besteht wohl nicht. Die Vorgaben des weltweiten Pariser Abkommens von 2015, orientieren sich vor allem an der magischen Grenze von zwei Grad Celsius, bei der mit der Erderwärmung Schluss sein soll. Mittel zum Zweck ist vor allem die Reduzierung bzw. Vermeidung des CO2-Ausstoßes. Das betrifft alle Lebensbelange, ob Wirtschaft, Mobilität oder privaten Energiekonsum. Auch das EU-Klima- und Energiepaket bis 2030 und ihre Fortschreibung etwa im europäischen Energiefahrplan 2050 zeigen den Weg in eine saubere Zukunft.
Die Ziele der europäischen Energiestrategie bis 2030 sind hoch gesteckt: Die Treibhausgasemissionen sollen um mindestens 40 Prozent reduziert werden. Der Anteil der erneuerbaren Energiequllen an der Energieaufbringung soll auf 27 Prozent gesteigert werden, um den selben Anteil soll die Energieeffizienz angehoben werden.
Erreichbare Ziele? Österreich hat sich zu den gemeinsamen Zielen bekannt und (unter anderem) in einem „Grünbuch“ 2016 eine entsprechende Energiestrategie bis 2030 zur Diskussion gestellt. Das Grünbuch analysiert die bestehende Situation in Bezug auf CO2-Emissionen, Energieverbrauch und Energieaufbringung in Österreich und vergleicht Szenarien für die künftige Entwicklung.
Startvorteil. Die Autoren attestieren Österreich dabei einen Vorteil: Das „Land am Strome“ erzeugt schon heute 70 Prozent der elektrischen Energie aus erneuerbaren Energiequellen. Als weiterer Pluspunkt wird das weltweiten anerkannte Know-how österreichischer Umwelt- und Energietechnikunternehmen angeführt. Österreich ist damit eines der CO2-effizientesten EU-Länder – und das ohne Atomenergie. Außerdem sei es Mitte der 2000er-Jahre gelungen, das Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln. Die Herausforderungen werden dadurch nicht weniger. Denn, und auch das sei erwähnt, es kann Klimaschutzpolitik nicht von sozialen und gesellschaftlichen Zielen losgelöst betrachtet werden.
Ökostrom-Bericht. Kohlendioxid-Ausstoß vermeiden heißt grob gesagt, das Verheizen von fossilen Brennstoffen zu beenden. Die Zukunft ist elektrisch, und dazu sollte der Strom aus erneuerbaren Quellen kommen. Also ziehen wir eine Zwischenbilanz, wie es mit dem grünen Strom ausschaut.
Der Ökostrom-Bericht der E-Control weist aus, dass der Anteil des mit staatlichen Mitteln geförderten Ökostroms (erneuerbare Energie ohne Großwasserkraft) am Stromverbrauch in Österreich 2016 im Vergleich zu 2015 erneut gestiegen ist. Der Anteil des geförderten Ökostroms hat sich im vergangenen Jahr von 16 Prozent auf 16,7 Prozent erhöht und stieg um sieben Prozent von 9.168 Gigawattstunden (GWh) auf 9.770 GWh. Die gesamte Stromabgabe an Endverbraucher betrug 2015 57.417 GWh, 2016 waren es 58.335 GWh. „Der Ökostromanteil ist neuerlich gestiegen. Der Ausbau geht weiter stark voran“, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch.
Gefördert werden bestimmte Ökostromtechnologien mittels staatlich garantierter Einspeisetarife, also fixen Abnahmepreisen für den Strom, finanziert durch die Endverbraucher über Ökoabgaben.
Mehr Wasser und Sonne, weniger Biomasse. Ziel ist der rasche Ausbau von Ökostrom-Anlagen. Die größten Steigerungen gab es 2016 bei Strom aus Kleinwasserkraft und Sonne. Die Stromerzeugung aus Kleinwasserkraft erhöhte sich aufgrund der im Vergleich zu 2015 besseren Wasserführung um 17 Prozent auf 1.772 GWh (+253 GWh), die Stromproduktion aus Photovoltaik stieg um 15 Prozent auf 500 GWh (+64 GWh), Windkraftanlagen erzeugten um sieben Prozent mehr Strom (4.932 GWh, +340 GWh). Die Stromproduktion aus fester Biomasse etwa in mit Holz betriebenen Biomasseanlagen sank um drei Prozent auf 1.982 GWh (-62 GWh), jene aus Biogas stieg leicht um ein Prozent auf 565 GWh (+6 GWh).
Die sicht der Dinge. Die Interpretation dieser Entwicklung hängt freilich stark vom eigenen Interessensumfeld ab. So vermisst IG Windkraft-Geschäftsführer Stefan Moidl ein grundsätzliches Statement zu den positiven ökologischen Auswirkungen der erneuerbaren Energie und zu den wirtschaftlichen Aspekten wie die Schaffung von Arbeitsplätzen. Laut Moidl sei die Entwicklung keineswegs nur positiv: „Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist in den letzten Jahren drastisch gesunken. So ist allein der Ausbau der Windkraft von 2014 auf 2016 um 57 Prozent eingebrochen.“
Ähnlich kritisch sieht das eine Studie des bmvit zur Marktentwicklung 2016 (Veröffentlichung nach Redaktionsschluss). Die Marktentwicklung der erneuerbaren Energie sei im Jahr 2016 von hemmenden Faktoren wie niedrigen Heizöl- und Erdgaspreisen, den geringen Neubau- und Sanierungsraten, rückläufigen Anreizen aus Förderprogrammen und nicht zuletzt durch den Wettbewerb unter den Technologien selbst beeinflusst.
Neue Hoffnung. Die „Kleine Ökostromnovelle“, macht Hoffnung und lässt auch viele Betreiber von Biogas- und Biomasseanlagen aufatmen. Die Novelle bringt mehr Fördergeld und bürokratische Erleichterungen für Wind- und Photovoltaik-Anlagen sowie frische Millionen für Biomasse. Das Ziel ist eine Erhöhung der Steigerungsrate beim Ökoenergieausbau um ein zusätzliches Prozent.
Alle erneuerbaren Quellen. Auf den Ausbau der sauberen Stromproduktion setzt auch die Interessensvertretung der großen Energieerzeuger, Oesterreichs Energie. „Mit der Ökostromnovelle können rund zwei TWh Ökostrom erzeugt werden. Der Anteil von erneuerbaren Energien im Stromsektor, inklusive Großwasserkraft, könnte damit bei gleichbleibendem Stromverbrauch von derzeit 70 auf rund 72 Prozent ansteigen“, rechnet Geschäftsführer Peter Molnar vor.
Drei Terrawattstunden pro Jahr. Um 100 Prozent Ökostrom bis 2030 zu erreichen sei eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Ausbauraten bei Ökostrom auf rund drei TWh pro Jahr notwendig. Und, auch das betont Oesterreichs Energie: „Der Ökostromausbau muss weiterhin aus allen erneuerbaren Energiequellen kommen.“ Nur ein beschleunigter Ausbau von Wasser-, Wind- und Sonnenenergie sowie ein maßvoller Ausbau von Biomasse- und Biogas-Ökostromanlagen gewährt demnach auch in Zukunft eine hohe, ganzjährige Versorgungssicherheit in Österreich.  l


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