Vienna Energy Conference: Entwicklungs- und Energiepolitik noch stärker verbinden Foto: Archiv
Vienna Energy Conference: Aufruf zu mehr Kooperation
UNIDO-Generaldirektor Yumkella fordert verstärkte internationale Zusammenarbeit im Energiebereich – Empfehlung: Energie- und Entwicklungspolitik noch stärker verbinden – Warnung der „Small Islands Developing States“ (SIDS): verstärkte klimapolitische Anstrengungen überlebenswichtig
(Wien, 24.06.2009) Mit einem Aufruf UNIDO-Generaldirektor Kandeh Yumkellas zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit im Energiebereich endete heute die Vienna Energy Conference, die die UNIDO gemeinsam mit mit dem Global Forum on Sustainable Energy (GFSE, www.gfse.at), dem IIASA sowie der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit veranstaltet hatte. Yumkella erläuterte, in Zeiten der Wirtschaftskrise ertöne in manchen Staaten der Ruf nach „Energieautonomie“. Dieser Wunsch sei indessen illusorisch: „Es gibt keine Unabhängigkeit. Wir müssen zusammenarbeiten, um allen Menschen den Zugang zu modernen und sauberen Energiedienstleistungen zu ermöglich.“ Die Technologien stünden längst bereit. Nun gehe es darum, sie allen zur Verfügung zur stellen, die sie benötigten. Der UNIDO-Generaldirektor berichtete, er stamme aus einem kleinen Küstendorf in Sierra Leone, einem der ärmsten Staaten der Welt. Dort bilde in den Wäldern gesammeltes Hackgut („traditional biomass“) nach wie vor die einzige nennenswerte Energiequelle – mit allen Konsequenzen. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich rund zwei Millionen Kinder an Atemwegserkrankungen, die „traditional biomass“ zurückzuführen sind. „Wenn ich von diesen Dingen spreche, weiß ich nur zu gut, worum es geht. Für mich ist das kein abstraktes Problem, sondern gelebte Realität“, sagte Yumkella.
Mehrere Empfehlungen
Yumkellas Wunsch floss auch in eine der Empfehlungen an die internationale Staatengemeinschaft ein, die seitens der Konferenzteilnehmer ausgesprochen wurden. Sie schlugen vor, die Energie- und Entwicklungspolitik noch stärker als bisher zu verbinden und über die bestehenden entwicklungspolitischen Ziele der UNO (Millennium Development Goals, MDGs) hinaus weitere Ziele festzulegen, die bis 2030 zu erreichen sind. Auch solle ein konkreter Zeit- sowie Maßnahmenplan zum Erreichen dieser Ziele entwickelt werden, sagte die Generaldirektion der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, Botschafterin Irene Freudenschuss-Reichl. Weitere Empfehlungen betrafen den verstärkten und beschleunigten Einsatz von Energieeffizienztechnologien insbesondere auch in Entwicklungs- und Schwellenländern, den Ausbau der einschlägigen Forschung und Entwicklung, die Verbreitung („diffusion“) solcher Technologien sowie die weitere Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit im Rahmen von UN Energy, jener Insitution, die die Kooperation der mit Energiefragen befassten UNO-Organisationen koordiniert.
Ausdrücklich würdigte der Beigeordnete UNO-Generalsekretär Thomas Stelzer die Arbeit Yumkellas in diesem Zusammenhang: Dieser sei selbst eine „nachhaltige Energiequelle.“ Stelzer verwies auch auf den immer wichtiger werdenden Zusammenhang zwischen Energie- und Sicherheitspolitik. Gerade deshalb wachse die Bedeutung der UNO-Institutionen in diesem Bereich ständig an.
Dem Wunsch nach verstärkter internationaler Zusammenarbeit schloss sich auch Umweltminister Nikolaus („Niki“) Berlakovich in seiner Rede vor der Konferenz an. Österreich erstrebe beim Weltklimagipfel in Kopenhagen im Dezember ein „umfassendes Klimaschutzabkommen“. Die Industriestaaten sollten ihre Treibhausgasemissionen um etwa 30 Prozent reduzieren. Notwendig sei dabei insbesondere auch die Unterstützung der USA.
Kleine Inseln, große Sorgen
Zuvor hatten Vertreter der Entwicklungsländer, die sich auf kleinen Inseln befinden (Small Island Developing States, SIDS) über ihre Probleme im Zusammenhang mit dem Klimawandel berichtet. Einer der international führenden Experten auf diesem Gebiet, Albert Binger, sagte, die SIDS benötigten mehr Energie für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig dürften die Auswirkungen des Energieeinsatzes ihr Überleben nicht gefährden. Derzeit decken die SIDS ihren Energiebedarf fast ausschließlich mit Erdöl, das auf Tankern geliefert wird – was neben den Umweltauswirkungen mit erheblichen Kosten verbunden ist. „Wenn der Tanker hereinkommt, geht das Geld hinaus“, sagte Binger.
Und: Eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um zwei Grad Celsius, die weitgehend als unbedenklich betrachtet wird, habe für die SIDS fatale Folgen. Binger: „Es wird damit gerechnet, dass bei 1,9 Grad das grönländische Inlandeis schmilzt. Die Folge wäre ein Anstieg des Meeresspiegels um bis zu sieben Meter. Manche SIDS liegen aber nur drei Meter über dem heutigen Meeresspiegel.“ Küstenschutzmaßnahmen ließen sich schon derzeit kaum finanzieren. Auf dem Malediven beispielsweise koste ein einziger Meter Küstenbefestigung rund 4.000 US-Dollar. Bei einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 740 Millionen US-Dollar (2004) stelle das ein kaum bewältigbares Problem dar. Seitens der Industriestaaten werde argumentiert, es komme zu teuer, die Treibhausgasemissionen auf ein auch für die SIDS akzeptables Ausmaß zu begrenzen. „Für die SIDS geht es aber ums Überleben“, betonte Binger.
Technologie und Geld
An Möglichkeiten zu einer klimaverträglicheren Energiebereitstellung ist ihm zufolge kein Mangel. So könne beispielsweise Bioethanol aus Zuckerrohr erzeugt und zur Stromproduktion verwendet werden. Auch die Energiebereitstellung aus Abfällen („Waste-ot-energy“) empfehle sich. Auch gelte es, die in den tropischen Meeren gespeicherte Wärmeenergie zu nutzen. Es gebe nur ein Problem: Den SIDS mangle es an Geld, um entsprechende Technologien zu finanzieren.
In diesem Zusammenhang schlug die US-amerikanische UNO-Diplomatin Susan McDade einen neuen internationalen Fonds vor. Dieser solle für eine bestimmte Zeit die Erdölimporte der SIDS bezahlen. Letztere sparten sich damit Geld, das sie in den Ausbau erneuerbarer Energieträger investieren könnten.