Die Kühlgeräte-Recyclinganlage der UFH RE-cycling und eine von der Heliovis AG und der Technischen Universität Wien entwickelte Technologie zur Gewinnung von Strom aus Solarenergie überzeugten die Jury. Die „Daphne“ in Bronze ging an die Salzburg AG für ihre Netzausbau-Roadmap. Weitere sieben Projekte wurden als „Daphne Excellent Projects" ausgezeichnet.
Gold für UFH: Umweltminister Berlakovich, Geschäftsführer Helmut Kolba und UMWELTSCHUTZ-Herausgeber KR Bohmann (v.l.n.r.) Foto: Anna Rauchenberger
(Wien, 03.06.2009) Bereits zum 25. Mal verlieh die Verlagsgruppe Bohmann gestern ihren Umweltpreis, die „Daphne – Spirit of Environment“ (vormals „Umwelt-Oscar“). Umweltminister Nikolaus („Niki“) Berlakovich, UMWELTSCHUTZ-Herausgeber KR Rudolf Bohmann sowie die Geschäftsführer der Verlagsgruppe Bohmann, Gabriele Ambros und Gerhard Milletich, hatten gleich zwei Mal Gold zu vergeben: Die UFH-RE-cycling, eine Tochter des Umweltforums Haushalte (UFH) und des deutschen Entsorgungskonzerns Remondis, überzeugte die Jury, bestehend aus dem ehemaligen UMWELTSCHUTZ-Chefredakteur Leopold Lukschanderl und David Reinberger von der Wiener Umweltanwaltschaft, mit ihrer neuartigen Kühlgeräte-Recyclinganlage. Es handelt sich um die erste und einzige österreichische Anlage dieser Art, die mit Kryokondensation arbeitet. Kryokondensation ist eine Technologie, die sich im Gegensatz zum bisher üblichen Aktivkohle-Verfahren optimal für die gleichzeitige Verarbeitung von FCKW- und Nicht-FCKW-Geräten, so genannten Pentangeräten, eignet. Bei Kryokondensationsverfahren wird ein zu reinigendes Gas in einem Wärmetauscher in indirekten Kontakt mit einem tiefkalten Kühlmittel gebracht, wie etwa flüssigem Stickstoff. Dabei werden die Verunreinigungen aus dem Gas ausgefroren bzw. auskondensiert und das Gas auf diese Weise gereinigt. Hintergrund des Einsatzes der Kryokondensation ist folgendes: In den 1990er-Jahren wurden FCKW-Geräte zwar verboten und somit der Umstieg auf Pentangeräte besiegelt, doch die Rücklaufquote von FCKW-Produkten ist immer noch sehr hoch. Daher ist eine Technologie erforderlich, die beide Gerätetypen qualitativ hochwertig verarbeitet. Pro Tag werden über 40 Kilogramm FCKW und andere Kühl- bzw. Treibmittel rückgewonnen und einer fachgerechten Entsorgung zugeführt. Die Anlage kann knapp 300.000 Kühlgeräte pro Jahr – etwa 1.000 Geräte täglich – verarbeiten. Durch den Einsatz der modernen Technologie könnten in Österreich bis zu 900.000 Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Für die Kunden des UFH bedeutet die Anlage Ersparnisse von rund einer Million Euro pro Jahr. Die UFH RE-cycling GmbH ist ein Joint Venture des UFH mit der deutschen REMONDIS Electrorecycling GmbH, dem viertgrößten Recyclingkonzern der Welt. Die UFH Holding hält mit 51 Prozent die Mehrheit.
Konzentrierte Sonne
Beim zweiten mit der „Daphne“ in Gold ausgezeichneten Projekt geht es um eine neuartige Technologie für Solarkraftwerke, die von der Wiener Heliovis AG und dem Institut für Thermodynamik und Energieumwandlung der Technischen Universität (TU) Wien entwickelt wird. Solarthermische Kraftwerke (CSP-Kraftwerke; CSP steht für „concentrated solar power“) funktionieren folgendermaßen: In einer hyperbelartig gebogenen Rinne (Hyperbolrinne), die mit einem spiegelnden Material beschichtet ist, werden Sonnenstrahlen konzentriert. Sie erwärmen ein Thermoöl in einem Rohr im Brennpunkt der Rinne auf rund 400 Grad. Das Rohr führt durch einen Wärmetauscher, mit Hilfe dessen Wasser verdampft wird. Der Dampf wiederum erzeugt wie in einem normalen thermischen Kraftwerk über eine Turbine und einen Generator Strom. Derzeit entfallen rund 60 bis 70 Prozent der Kosten solcher CSP-Kraftwerke auf die Hyperbolrinne und das Stahlgerüst, das diese trägt.
Bei der von der TU Wien und der Heliovis entwickelten neuen Technologie sind die Rinne und das Stützgerüst überflüssig. Die Konzentration der Solarstrahlen erfolgt mit einer spiegelnden Folie, die in einem durchsichtigen Kunststoffschlauch angebracht ist. Die Projektbetreiber gehen davon aus, die Investitionskosten für CSP-Kraftwerke damit um rund 40 bis 50 Prozent senken zu können. Solche Kraftwerke sind am besten für die sonnenreichen Gebiete der Erde geeignet. Allerdings haben sie dort Leistungen von mehreren hundert Megawatt.
Für Länder wie Österreich ist eine abgewandelte Version der neuen Technologie für den Bereich „Concentrated Photovoltaics“ (CPV) in Entwicklung. Auch dabei wird Solarstrahlung konzentriert. Allerdings erfolgt die Stromerzeugung nicht indirekt über einen Wärmeträger, sondern direkt mittels Photovoltaikzellen. CPV eignet sich auch für wesentlich kleinere Leistungsgrößen als CSP. Ein funktionsfähiges Komplettsystem, das ans Stromnetz angeschlossen werden kann, will die Heliovis nach Möglichkeit schon im nächsten Jahr auf den österreichischen Markt bringen.
Bronze für Salzburg
Die „Daphne“ in Bronze ging an die Salzburg AG für ihre Netzausbau-Roadmap, die sie mit der Stadt Salzburg und der deutschen IT-Firma Fichtner entwickelte und die den optimierten Ausbau ihrer Strom-, Gas-, und Fernwärmeleitungen bis 2025 ermöglicht. Verständlicherweise soll der Infrastrukturausbau in Einklang mit der zu erwartenden Stadtentwicklung erfolgen. Unter anderem geht es darum, die Gebiete festzulegen, die mit Erdgas bzw. Fernwärme versorgt werden sollten und die Netze entsprechend zu entflechten. Mittels einer Kombination dreier Computerprogramme für die Erfassung der Infrastruktur und des Gebäudebestandes wird ein Stadtplan im Raster 250 mal 250 Meter erarbeitet. Für jedes der Quadrate lässt sich die künftige Bedarfsentwicklung und damit der erforderliche Infrastrukturausbau modellieren. Das Modell für den Wärmebedarf ist schon fertig gestellt, der komplette Stadtplan wird im Feber 2010 vorliegen. Die Netzausbau-Roadmap ist ein wichtiger Beitrag zur Einbindung erneuerbarer Energien in die Strom- und Wärmeversorgung einer größeren Stadt.
Exzellente Projekte
Als „Daphne Excellent Projects“ ausgezeichnet wurden:
„HyLOG – CO2-freie Logistikanwendung mit Brennstoffzelle“ der Fronius International GmbH (www.fronius.com). Sie entwickelte ein Lastenschleppfahrzeug, das in Industriehallen zum Einsatz kommt und mit Hilfe einer Brennstoffzelle angetrieben wird. Den Wasserstoff für die Brennstoffzelle erzeugt Fronius mit Strom aus Solarzellen. Der Tankvorgang dauert jeweils rund drei bis vier Minuten, etwas länger als eine normale PKW-Betankung. Wird der übliche Strommix zugrunde gelegt, hat der Fronius-HyLOG laut Unternehmensangaben auch seine Vorteile fürs Klima: Er spart gegenüber einem batteriebetriebenen Schlepper um die 16 Tonnen CO2 pro Jahr, im Vergleich mit einem dieselbetriebenen Schlepper sogar fast 31 Tonnen.
Strom aus Abwasser. Im Rahmen des Projekts „Erneuerbare Energie aus gereinigtem Wiener Abwasser“ nutzen die Entsorgungsbetriebe Simmering (EbS, www.ebs.co.at) das zwischen Kläranlagenablauf der Hauptkläranlage Wien (HKA) und dem Vorfluter „Donaukanal“ bestehende Gefälle, über das im Durchschnitt täglich etwa 560.000 Kubikmeter gereinigtes Abwasser in die Donau gelangen. Eigens dafür entwickelte die Voith Hydro eine doppelt regulierte, vertikalachsige Kaplanturbine. Bei der Materialwahl war der im Vergleich zu Bach- bzw. Flusswasser unterschiedlichen Chemismus des gereinigten Abwassers zu berücksichtigen. Wesentliche Bauteile werden daher aus rostfreiem Stahl gefertigt. Mit 92 Prozent hat die Turbine einen ausgezeichneten Wirkungsgrad. Die Amortisationszeit des Kleinwasserkraftwerks wird mit nur rund 6 1/2 Jahren angegeben.
„Green Dynamics“. Hierbei handelt es sich um ein Projekt der T-Systems (www.t-systems.at) einer Tochter der Deutschen Telekom. Mit insgesamt über 800 Mitarbeitern sowie 173,8 Millionen Euro Jahresumsatz gehört sie zu den größten einschlägigen Unternehmen in Österreich. Für große Firmen sowie öffentliche Institutionen betreibt T-Systems die Informations- und Kommunikationstechniksysteme, kurz IKT-Systeme. Immer wieder unterschätzt wird deren beträchtlicher Bedarf an elektrischer Energie. Deshalb entwickelte T-Systems Austria das computergestützte „Green Dynamics“-Modell. Dieses zeigt unter anderem Veränderungen der „Power Usage Effectiveness“ (PUE), einer Maßzahl für die Energieeffizenz von Rechenzentren. Ausgehend davon können Unternehmen ihre Energiekennzahlen und –kosten rasch vergleichen und so fundierte Entscheidungen treffen.
„VLOTTE“ (www.vlotte.at), ein Pilotprojekt der Vorarlberger Kraftwerke AG (VKW) zur Einführung von Elektrofahrzeugen. In seinem Rahmen werden 100 Elektroautos verschiedener Bauarten sowie zwei Elektrobusse zum Leasing angeboten. Großteils handelt es sich um umgebaute normale Fahrzeuge. Von den Fahrzeugen werden je 40 von Unternehmen sowie von öffentlichen Körperschaften sowie sozialen Organisationen betrieben, die übrigen 20 von Privatpersonen. Wer am VLOTTE-Versuch teilnimmt, löst eine „Mobilitätskarte“. Sie ermöglicht das kostenlose „Betanken“ respektive Aufladen der Elektrofahrzeuge, die Fahrzeugwartung sowie eine Netzkarte für den Verkehrsverbund Vorarlberg. Bei entsprechendem Interesse der Kunden sowie der Verfügbarkeit größerer Stückzahlen von Elektrofahrzeugen könne das Leasing ab Anfang kommenden Jahres „in größerem Stil angeboten“ werden. Unterstützt wird der VLOTTE-Versuch vom Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung, der dafür heuer 4,2 Millionen Euro bereitstellt.
Rauchgasreinigung Schwechat. Diese Anlage der OMV in der Raffinerie Schwechat ging im Herbst 2007 in Betrieb und hat sich mittlerweile bestens bewährt. Konzipiert wurde sie von der damaligen Envirgy, die jetzt Teil des Strabag-Konzerns ist. Ein Beispiel zeigt die Leistungsfähigkeit der Anlage: In der Europäschen Union gelten derzeit für Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxiden (NOx) in Kraftwerks- und Raffinerieabgasen Grenzwerte von 400 Milligramm pro Kubikmeter. Mit ihrer Rauchgasreinigungsanlage unterschreitet die OMV diese Werte um rund die Hälfte. Das entspricht einer Verringerung der SO2-Emissionen um 2.400 Tonnen pro Jahr und der NOx-Emissionen um 1.400 Tonnen. Auch die Feinstaubbelastung im Großraum Wien kann mit der Anlage maßgeblich vermindert werden. Die OMV wendete für die Rauchgasreinigungsanlage rund 150 Millionen Euro auf.
Charta für den Klimaschutz der Saubermacher AG (www.saubermacher.at). Den Kern der Charta bilden sechs Leitlinien, die in Handlungs- und Entscheidungssituationen als Orientierunghilfe dienen. Sie befassen sich unter anderem mit Investitionen in neue Technologien und Verfahren, um Emissionen zu senken, sowie mit Ressourcenschonung um Energieeinsparung in allen Bereichen. Besondere Bedeutung hat bei der Beachtung aller Leitlinien das Einbinden der Mitarbeitenden sowie der Stakeholder, die sowohl bei der Ideenfindung von Maßnahmen als auch bei der Umsetzung integriert sind.
Umweltschutz mit Durchblick (www.alufusion.at). Bei AluFusion handelt es sich um ein neuartiges Fenster, das die Vorteile herkömmlicher Kunststoff- und Aluminiumfenster vereint. Produziert und vertrieben wird AluFusion von fünf regionalen österreichischen Fensterherstellern Die Herstellung der Fenster erfolgt in Österreich, der europaweite Vertrieb ist im Aufbau begriffen. Bei einem AluFusion Fenster sind das außen liegende Aluminiumprofil und das innen liegende Kunststoffprofil auf eine neue Art miteinander verbunden. Das sorgt für gute Wärme- und Schalldämmung. Weil Glas und Profil nicht mit einander verklebt sind, ist das Recyceln der Profile einfach.
Die festliche Verleihung der Urkunden sowie der „Daphnen“ fand im Haus der Musik in Wien statt. Durch den Abend führte die bekannte Moderatorin und Schauspielerin Anita Zieher.
Zweites Gold: Umweltminister Berlakovich mit Prof. Markus Haider, Heliovis-Chef Felix Tiefenbacher und der Geschäftsführerin des Bohmann-Verlags, Gabriele Ambros (v.r.n.l.) Foto: Anna Rauchenberger