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ENERGIE DETAILS
Weg zur Sonne: Die
Roadmap Solarwärme
soll ihn weisen.
Foto: Creative Collection
Solarthermie: Neues Förderprogramm geplant


Mit Förderungen von rund 1,5 Milliarden Euro bis 2020 Investitionen von 15 Milliarden Euro auslösen - schon derzeit öffentliche Förderungen für Solarthermie von rund 51 Millionen Euro pro Jahr - Umweltminister Berlakovich: wichtiger Teil der österreichischen Energiestrategie

(Wien, 07.05.2009) In Sachen Solarwärme ist Österreich nicht eben schlecht unterwegs. Pro 1.000 Einwohner ist eine Kollektorfläche mit einer thermischen Leistung von rund 230,54 Kilowatt installiert, was Österreich weltweit zur Nummer 3 macht. Besser unterwegs sind nur Zypern mit 680 Kilowatt und Israel mit 506 Kilowatt. Direkt auf Österreich folgen übrigens die Karibikinsel Barbados mit 207,57 und Griechenland mit 206,93 Kilowatt pro 1.000 Einwohner. Am europäischen Solarkollektorenmarkt hält Österreich einen Anteil von etwa 32 Prozent. Den zu halten, werde sehr herausfordernd, sei aber möglich, sagte der Präsident des österreichischen Solarthermie-Industrieverbands Austria Solar, Robert Kanduth, bei einer Pressekonferenz mit Umweltminister Nikolaus ("Niki") Berlakovich, bei der die diesbezügliche "Roadmap Solarwärme" vorgestellt wurde. Kanduth sagte, bis 2020 sollten rund 15 Milliarden Euro in die Errichtung solarthermischer Anlagen investiert werden.
Auf die Frage, wie er diese Summe aufbringen wolle, reagierte Kanduth, seines Zeichens Chef des Solarkollektoren-Herstellers Greenonetech, verblüfft: "Bin ich der Finanzminister?" Berlakovich wollte sich zur Finanzierungsfrage ebenfalls nicht äußern. Er stellte aber klar, dass "jeder Sonnenstrahl ein Schritt zur Energieautonomie Österreichs" sei. Und die halte er für eine "faszinierende Vision".

Implusprogramm für Solarwärme

Dabei zeigt die Roadmap, deren vollständiger Text bis dato unter Verschluss gehalten wird und die dem UMWELTSCHUTZ vorliegt, einen zumindest nicht von Vorneherein utopischen Ansatz in Sachen Finanzierung sowie Kosten und Nutzen. Verständlich ist die Geheimniskrämerei übrigens umso weniger, als die Roadmap bereits im Herbst vergangenen Jahres im Verband Austria Solar vorgestellt wurde und ihr Inhalt Brancheninsidern somit ohnedies seit längerem bekannt ist.
Konkret schlagen die Autoren Christian Fink, Werner Weiss und Thomas Müller ein Förderprogramm mit der Bezeichnung "Impulsprogramm Solarwärme 2020" vor. In dessen Rahmen sollen die schon derzeit von Bund und Ländern gemeinsam aufgebrachten Fördermittel von rund 50,8 Millionen Euro pro Jahr im Zeitraum 2008 bis 2020 hinetwa verdoppelt werden. Das ergäbe eine Fördersumme von insgesamt 1,15 Milliarden Euro. Zu diesen kämen weitere insgesamt 280 Millionen Euro für Forschung und Technologieentwicklung sowie etwa 40 Millionen Euro für Begleitprogramme, unter anderem zur medialen Propagierung der Solarwärme. Insgesamt müssten Bund von 2008 bis 2020 somit etwa 1,474 Milliarden Euro an Förderungen ausgeben.
Allerdings ließen sich damit Investitionen in der Höhe der von Kanduth genannten 15 Milliarden Euro auslösen. Allein die dafür fällige Umsatzsteuer brächte der öffentlichen Hand rund drei Milliarden Euro, also mehr als das Doppelte der Fördersumme.

Mehr ist weniger

Installiert werden könnte mit den 15 Milliarden Euro eine Kollektorfläche von etwa 23,8 Millionen Quadratmetern. Das brächte im Jahr 2020 im Vergleich zu Öl- und Gasheizungen eine CO2-Reduktion um rund 2,8 Millionen Tonnen. Wird die Betriebsdauer der Anlagen mit 25 Jahren veranschlagt, wäre eine Vermeidung von insgesamt 70 Millionen Tonnen CO2 möglich. Die CO2-Vermeidungskosten pro Tonne geben die Studienautoren mit rund 21,2 Euro an. Zum Vergleich: Derzeit werden CO2-Zertifikate, die eine Tonne CO2 repräsentieren, an Energiebörsen um rund 15 Euro pro Stück gehandelt. Der in der Roadmap angenommene Preis ist daher keineswegs völlig aus der Luft gegriffen.
Wie Austria-Solar-Geschäftsführer Roger Hackstock dem UMWELTSCHUTZ erläuterte, sind Begleitmaßnahmen notwendig, um die Ziele der Roadmap zu erreichen. Beispielsweise solle es für Neubauten nur dann öffentliche Förderungen geben, wenn diese mit einer solarthermischen Anlage ausgerüstet werden. "In Wien ist das bereits so. Man könnte also darüber nachdenken, wie sich das Wiener Modell auf Österreich umlegen lässt."

Strategische Fragen

Ob das Programm tatsächlich beschlossen wird, ist alles andere als gewiss. Immerhin betonte Berlakovich, er sehe dieses als einen wichtigen Beitrag zu den Verhandlungen über die österreichische Energiestrategie, die demnächst beginnen und die bis Ende des Jahres abgeschlossen werden sollen. Die Strategie dient dazu, Österreichs Verpflichtungen aus dem Klima- und Energiepaket der EU zu erfüllen. Unter anderem sieht dieses vor, dass Österreich den Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Deckung des Endenergiebedarfs von derzeit rund 23 Prozent bis 2020 auf 34 Prozent steigern muss. Laut Kanduth ist das übrigens kein Problem: Er hält rund 46 Prozent für "durchaus möglich."

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