Drei Mann für die ARA: Vorstandssprecher Scharff, Aufsichtsratschef Schreiber, Vorstand Knausz (v.r.n.l.) Foto: ARA
ARA meldet „sehr gutes Jahr“ 2008
Menge der lizensierten Verpackungsabfälle um 3,1 Prozent gestiegen – wegen zusammengebrochener Sekundärrohstoffmärkte Erhöhung der Lizenztarife per 1. Juli um bis zu 35 Prozent – Novelle zur Verpackungsverordnung: „funktionierendes System“ nicht zerstören
(Wien, 21.04.2009) Ihre Jahresbilanz 2008 legte die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) heute vor. Sie ist das dominierende Unternehmen im Bereich der Sammlung von Verpackungsabfällen in Österreich. Im vergangenen Jahr konnte die ARA die Zahl ihrer Kunden (Lizenzpartner) im Bereich Gewerbe um 864 auf 14.893 steigern, die Menge der lizensierten Verpackungsabfälle stieg um 3,1 Prozent auf 910.000 Tonnen. Tatsächlich gesammelt wurden 823.000 Tonnen. Davon waren 774.000 Tonnen verwertbare Verpackungsabfälle, von denen 84 Prozent oder rund 673.000 Tonnen stofflich und rund 101.000 thermisch verwertet, also in Abfallverbrennungsanlagen verbrannt wurden. Beim Rest handelte es sich um andere,zum Teil nicht verwertbare, Abfälle sowie Getränkeverbundkartons. ARA-Vorstandssprecher Christoph Scharff sprach von einem „sehr guten Jahr“ 2008. Österreich liege bei der stofflichen Verwertung im EU-weiten Spitzenfeld. Noch besser sei nur Belgien.
Die ARA-Lizenzeinnahmen stiegen von 2007 auf 2008 um 3,2 Prozent auf 141,2 Millionen Euro, berichtete Scharff. Für heuer wird mit Lizenzeinnahmen von rund 156 Millionen Euro gerechnet. In der zweiten Jahreshälfte 2008 völlig zusammengebrochen ist der Markt für Sekundärrohstoffe, ergänzte Scharffs Vorstandskollege Werner Knausz. Deshalb werde die ARA ihre Lizenztarife per 1. Juli in den einzelnen Verpackungssegmenten um 19 bis 35 Prozent erhöhen, wie dies bereits vor einigen Wochen angekündigt wurde. Wie es mit dem Verpackungsmarkt sowie mit dem Sekundärrohstoffmarkt weitergehe, sei „aus heutiger Sicht schwer zu sagen.“ Er hoffe, dass die Talsohle bereits durchschritten sei, sagte Knausz. Mit einer signifikanten Erholung der um bis zu 90 Prozent zurückgegangenen Preise rechne er allerdings erst für das kommende Jahr.
Rechtzeitig umgebaut
Scharff betonte, die Umstrukturierung der ARA per 1. Oktober 2008 sei zur richtigen Zeit erfolgt. Damals wurden die bisherigen Branchen-Recyclinggesellschaften (BRGs) mit Ausnahme der fürs Altglas zuständigen AGR mit der ARA AG fusioniert. In der neuen Aufstellung habe das Unternehmen die Preiseinbrüche auf den Altstoffmärkten besser verkraften können, als dies in der alten möglich gewesen wäre. Mit Hilfe eines rigorosen Sparprogrammes seien die Kosten um rund acht Millionen Euro reduziert worden.
Knausz ergänzte, die neue Struktur helfe auch, die Herausforderungen durch die kommende Novelle der Verpackungsverordnung zu bewältigen. Mit der Novelle soll auch der Markt für die Sammlung der in den Haushalten anfallenden Verpackungsabfälle für den Wettbewerb geöffnet werden. Wie aus dem Umweltministerium zu erfahren war, findet am 27. April die vermutlich letzte große Verhandlungsrunde zur Novelle statt. Anschließend soll so bald wie möglich ein Entwurf zur Begutachtung ausgesandt werden. Geplant ist, die Novelle und eine Novelle zum Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) als deren Grundlage mit 1. Jänner 2010 in Kraft zu setzen. Scharff nannte dies einen „ambitionierten Zeitplan“. Wann die Novelle tatsächlich komme, werde sich zeigen.
Der Aufsichtsratspräsident der ARA und Obmann des Verbandes der Getränkehersteller, Leo Schreiber, fügte hinzu, die Novelle dürfe das funktionierende System der Verpackungssammlung, „mit dem eigentlich jeder zufrieden ist“, nicht zerstören. Die Wirtschaft wolle das besagte System weiter „gestalten und kontrollieren“, denn „nur so bleibt ein Höchstmaß an Effizienz gewahrt.“ Falls eine Gesellschaft zum Betrieb der Sammelinfrastruktur geschaffen werde, solle daher die ARA deren Betreiber sein.