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ENERGIE DETAILS
Höchst aufwendig: Kabeltrasse
der Nordeinspeisung Wien
Foto: VEÖ/Andy Urban
E-Wirtschaft: Netzausbau dringlich


Ausreichende Tarife und raschere Genehmigungsverfahren erforderlich – Verkabelung von Übertragungsleitungen zu teuer und technisch problematisch

(Wien, 26.03.2009) Acht Jahre nach der vollständigen Liberalisierung des österreichischen Strommarktes muss die Elektrizitätswirtschaft massiv in den Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze investieren. Das betonten der Geschäftsführer der Wien Energie Stromnetz GmbH, Reinhard Brehmer, und der technische Vorstand der Verbund Austrian Power Grid (APG), Heinz Kaupa, heute vor Journalisten in Wien. Brehmer, seines Zeichens auch Sprecher für den Bereich Netze im Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), erläuterte, die Regulierungsbehörde E-Control habe die Netztarife seit Beginn der Liberalisierung um rund 40 Prozent gesenkt, was den Endkunden Kostenersparnisse von rund 625 Millionen Euro gebracht habe. Die Qualität der Versorgung habe darunter nur minimal gelitten. Insgesamt habe die Dauer der ungeplanten Stromausfälle in Österreich 2007 rund 45,47 Minuten betragen, verglichen mit 31,4 Minuten im Jahr 2005. Brehmer nannte dies einen „guten Ausgleich zwischen Kosten und Qualität“. Österreich liege damit nach wie vor im internationalen Spitzenfeld, was die Zuverlässigkeit der Stromversorgung betrifft. Jetzt aber stehe die E-Wirtschaft vor einem „Investitionsberg“. Einer der Gründe dafür seien die klima- und energiepolitischen Ziele, die Österreich aufgrund von Vereinbarungen in der EU erreichen müsse. So sei es beispielsweise erforderlich, den Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Deckung des Gesamtbedarfs von derzeit rund 23 Prozent bis 2020 auf 34 Prozent zu steigern, die Treibhausgasemissionen erheblich zu senken und auch die Energieeffizienz beträchtlich zu steigern.

Kosten in Grenzen

Die Kosten pro Stromkunde für den Netzausbau hielten sich in Grenzen, betonte Brehmer. Derzeit bezahle jeder Stromkunde rund 50 Cent pro Tag für die Netznutzung: „Wenn er nur einen Cent pro Tag mehr zahlt, können wir uns den Netzausbau leisten.“ Insgesamt koste das pro Kunde „ein Krügerl Bier pro Jahr“. Die diesbezüglichen Verhandlungen mit der E-Control seien im Gange und würden voraussichtlich in den kommenden Wochen abgeschlossen.

Problem Genehmigungen

Kaupa ergänzte, für die APG sei die Finanzierung des Netzausbaus kein wesentliches Problem. Schwierigkeiten gebe es indessen bei den Genehmigungsverfahren. So würden Umweltverträglichkeitsprüfungen nicht selten genutzt, um notwendige Projekte zu verzögern oder zu verhindern. Problematisch sei auch das neue Salzburger Landes-Energiegesetz. Dieses fordere unter anderem einen Mindestabstand zwischen der Leitung und dem bebauten Gebiet von 400 Metern. In manchen engen Tälern sei das mittels Freileitung auf Masten nicht machbar. Somit werde indirekt die unterirdische Verlegung eines Hochspannungskabels erzwungen.
Doch die Anwendung dieser Technologie verteuere den Bau der Leitung von Kaprun nach Salzburg um zwei Milliarden Euro. Statt 400 Millionen Euro müsse die APG dann 2,4 Milliarden Euro aufwenden, was sie mit Sicherheit nicht tun werde. Ohne die Leitung stehe aber der geplante weitere Ausbau des Pumpspeicherkraftwerks Kaprun in Frage, eines der wichtigsten Kraftwerke des Verbunds. Leistungsfähige Pumpspeicherkraftwerke aber seien ihrerseits die Voraussetzung für den Ausbau der sonstigen erneuerbaren Energieträger, insbesondere der Windkraft. Deren stark schwankende Leistung könne nur mit Hilfe von Pumpspeichern ausgeglichen werden.
Faktisch müsste für die Verkabelung der Salzburg-Leitung ein Tunnel von den Ausmaßen eines Straßentunnels errichtet werden, erläuterte Kaupa. Oberirdisch müsse die etwa 40 bis 50 Meter breite Trasse bebauungsfrei bleiben. Selbst die Umweltsenate seien der Ansicht, die Verkabelung von Übertragungsleitungen sei keineswegs Stand der Technik. Bei Leitungsausfällen dauere die Reparatur erheblich länger als die einer Freileitung.

Nicht zu vergleichen

Kaupa warnte davor, die Verkabelung einer Übertragungsleitung mit der einer Verteilleitung zu vergleichen. Speziell in Ballungszentren wie Wien könnten nun einmal schwerlich Strommasten errichtet werden. Wegen der engen Vermaschung des Netzes sei der Ausfall eines Kabels aber vergleichsweise unproblematisch. In einem solchen Fall werde das betroffene Gebiet eben über eine andere Leitung versorgt. Falle dagegen eine Übertragungsleitung aus, gebe es nicht notwendigerweise eine unmittelbar verfügbare Ersatzleitung.
Mit welchem Aufwand der Bau einer Kabeltrasse im Ballungsgebiet verbunden ist, zeigt die Nordeinspeisung Wien. Sie kostete 70 Millionen Euro und führt über eine Strecke von 14,3 Kilometern, von denen 5,2 Kilometer als Kabeltrasse errichtet wurden. Ihre Kapazität liegt bei 620 Megawatt, mittels Kühlung kann dieser Wert auf 1.040 Megawatt gesteigert werden. Verlegt wurden die Kabel in 2,70 Metern Tiefe. Eine besondere Herausforderung war die Überwindung der Bahnlinie und des Marchfeldkanals. Beiderseits dieser Hindernisse musste ein 20 Meter tiefer Betonschacht gebaut werden. Verbunden sind diese Schächte durch einen 134 Meter langen Tunnel, in dem die Leitung geführt wird.
Die Kabel für die Leitung werden in maximal 900 Meter langen Stücken erzeugt. Deren Verbindung kann nur durch Muffen erfolgen, die nicht in den Erdboden verlegt werden dürfen. Daher ist es nötig, unterirdische „Muffenbauwerke“ zu errichten. Das sind zehn Meter lange, 2,5 Meter tiefe und 3,5 Meter breite Betonschächte. Wird ein Kabel beschädigt, muss an der Schadstelle ebenfalls ein Muffenbauwerk errichtet werden. Die Kosten für ein solches belaufen sich auf rund 100.000 Euro.

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