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TECHNOLOGIE DETAILS
THINK City: Elektro-Winzling
um 37.000 Euro Foto: THINK
Klimafonds will Einsatz von Elektroautos forcieren


Studie: bis 2020 rund eine Million elektrisch betriebene PKW, leichte Nutzfahrzeuge sowie einspurige Kraftfahrzeuge möglich – Pilotprojekt in Vorarlberg – E-Wirtschaft vorsichtig

(Wien, 12.03.2009) „Herausfordernd, aber machbar“ sei es, den Anteil der Elektrofahrzeuge am Gesamtbestand der PKW, leichten Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen sowie einspurigen Fahrzeuge bis 2020 in Österreich auf 20 Prozent oder rund eine Million Stück zu erhöhen. Das sagte Erwin Smole vom Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) heute bei der Präsentation der Studie „Auswirkungen von Elektrofahrzeugen auf die Stromwirtschaft“ im Auftrag des Klima- und Energiefonds (KLI.EN). Smole erläuterte, zu diesem Zweck müssten rund 16.200 Ladestationen errichtet werden, was etwa 650 Millionen Euro koste. Diese Stationen sollten Strom ins öffentliche Netz einspeisen können, um so die Batterien der Autos zur Bereitstellung von Ausgleichsenergie zu nutzen. Rund 82 Prozent der gesamten Batteriekapazitäten stünden dafür durchschnittlich zur Verfügung. Das entspreche einer jährlichen Einspeisung von etwa 15,7 Terawattstunden oder 17 Prozent des für 2020 angenommenen Strombedarfs von 92,3 Terawattstunden. Zwar würde sich der Strombedarf durch die Elektroautos um rund drei Prozent erhöhen. Dennoch sei es nicht nötig, neue Kraftwerke zu errichten oder bestehende auszubauen.

Spezifisch senken

Die spezifischen CO2-Emissionen pro Kraftfahrzeug würden laut Smole im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren um rund zwei Drittel auf 40 Gramm pro Kilometer sinken. Eine Reduktion auf Null erfolge nicht, weil der Strom zum Aufladen der Batterien zum Teil aus thermischen Kraftwerken stammt, die mit Erdgas oder Kohle betrieben werden. Insgesamt ließen sich die CO2-Emissionen Österreichs um etwa zwei Millionen Tonnen pro Jahr senken, sagte Smole. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 lagen die Emissionen in Österreich bei rund 88 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.
Smoles Kollege Bernhard Haider ergänzte, die Elektrizitätswirtschaft sei aufgerufen, entsprechende Preismodelle für ihre Kunden zu entwickeln. Denkbar seien Vergütungen pro Kilowattstunde eingespeistem Strom ebenso wie Pauschalabgeltungen für die zur Verfügung gestellte Batteriekapazität. Ein Vorteil für die Netzbetreiber bestehe darin, dass die Elektrofahrzeuge im Wesentlichen nachts aufgeladen würden. Dies bringe eine bessere Ausnutzung des Netzes mit sich.

Krise nicht enthalten

Nicht berücksichtigt wurden in der Untersuchung die möglichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Entwicklung des Fahrzeugbestandes, sagte Smole dem UMWELTSCHUTZ. Das trifft auch auf die Studie „Fakten, Trends und Handlungsoptionen für nachhaltige Automobilität“ zu, die der Shell-Konzern heute vorstellte und die ein Anwachsen des österreichischen PKW-Bestandes von derzeit rund 4,3 Millionen Stück auf knapp fünf Millionen Stück im Jahr 2030 annimmt. Welche Auswirkungen das auf die Umwelt haben würde, wurde in deren Rahmen übrigens ebenso wenig erhoben wie der potenzielle Anteil von Elektroautos am Gesamtbestand.

„Lifestyle-Frage“

KLI.EN-Geschäftsführerin Eveline Steinberger behauptete, mit Elektrofahrzeugen lasse sich „ein Großteil der Energieprobleme des 21. Jahrhunderts lösen.“ Elektromobilität sei eine „Lifestyle-Frage“ und müsse entsprechend kommuniziert werden. Der KLI.EN werde das Thema offensiv bearbeiten. Eine Internetplattform bezüglich Elektromobilität sei im Aufbau, im April solle deren „Kick-off“ erfolgen.
Steinberger verwies auf ein vom KLI.EN heuer mit 4,7 Millionen Euro gefördertes Pilotprojekt der Vorarlberger Kraftwerke AG (VKW) mit der Bezeichnung VLOTTE. In dessen Rahmen werden 100 Elektroautos verschiedener Bauarten sowie zwei Elektrobusse zum Leasing angeboten. Großteils handelt es sich um umgebaute normale Fahrzeuge. Das einzige Serienfahrzeug ist der zweisitzige Kleinwagen „THINK City“ des norwegischen Herstellers THINK. Er ist um rund 37.000 Euro im Handel erhältlich.
Laut VKW gibt es derzeit zehn für das Aufladen der Autos geeignete Tankstellen in Vorarlberg. Allerdings soll das Netz noch heuer „erheblich“ erweitert werden. Den Strom will die VKW mittels Solaranlagen erzeugen. Im Durchschnitt benötigt ein Kleinwagen für eine Fahrstrecke von 7.500 Kilometern pro Jahr etwa 1.350 Kilowattstunden, heißt es seitens der VKW.

E-Wirtschaft zurückhaltend

Die Elektrizitätswirtschaft hält Elektroautos für grundsätzlich sinnvoll. Sie warnt aber vor überzogenen Hoffnungen. Es gelte, zunächst die Vorarlberger Erfahrungen abzuwarten und gründlich zu analysieren, insbesondere, was die Auswirkungen auf die Netze betrifft, hieß es auf Anfrage. Nicht auszuschließen sei die Notwendigkeit, die bestehenden Netze zu verstärken. Unabhängig von der Entwicklung der Elektromobilität müssten neue Kraftwerke gebaut werden, um den insgesamt steigenden Strombedarf zu decken.

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