VEÖ-Präsident Wolf- gang Anzengruber: Projekte, Geld und Potenzial Foto: Lukas Beck
Elektrizitätswirtschaft will 15 Milliarden Euro investieren
Neuer VEÖ-Präsident Anzengruber: Kraftwerks- und Netzausbau bis 2020 bringt 6,6 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr weniger und 100.000 Arbeitsplätze mehr – einfachere Verfahren nötig – geplante Gesetzesänderungen hilfreich – nach Landtagswahl neuer Anlauf für Salzburgleitung
(Wien, 18.02.2009) Rund 15 Milliarden Euro will die österreichische Elektrizitätswirtschaft bis 2020 in den Aus- und Neubau von Kraftwerken sowie Netzen investieren. Das kündigten der neue Präsident des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber, sowie VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmid heute an. Anzengruber erläuterte, auf diese Weise lasse sich die Stromproduktion um rund 14,3 Terawattstunden steigern, auch sei eine ausgeglichene Bilanz zwischen Stromimporten und Stromexporten darstellbar. Das vermeide überdies CO2-Emissionen von rund 6,6 Millionen Tonnen pro Jahr und sichere annähernd 100.000 Arbeitsplätze. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei dies empfehlenswert. „Wir haben die Projekte in der Schublade. Die Ausbaupotenziale sind vorhanden. Und wir sind auch in der Lage, internationales Kapital zu bekommen, um die Vorhaben zu finanzieren. Das ist eine ambitionierte Übung, aber wir können sie bewältigen“, sagte Anzengruber. Notwendig sei indessen, so rasch wie möglich mit der Umsetzung zu beginnen. Möglich sei, die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft bis 2020 um sieben Terawattstunden auf 44,3 Terawattstunden pro Jahr zu erhöhen, diejenige aus Windenergie um 4,3 auf 6,2 Terawattstunden, und die aus Biomasse um 2,9 auf insgesamt fünf Terawattstunden.
„Energiepaket in Rot-Weiß-Rot“
Um all dies erreichen und die Netze entsprechen verstärken zu können, fordere der VEÖ ein „Energiepaket in Rot-Weiß-Rot“, ergänzte Schmidt. Erforderlich sei ein „nationaler Schulterschluss“. Im Rahmen dessen müsse es konkrete Ziele insbesondere für den Ausbau der erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz sowie die Senkung der Emissionen an Treibhausgasen (THG) für alle Gebietskörperschaften – Bund, Länder und Gemeinden – geben. Nur so könne Österreich die Vorgaben aus dem Klima- und Energiepaket der Europäischen Union erreichen. Noch vor dem Sommer soll die diesbezügliche EU-Richtlinie beschlossen werden. Ihr zufolge müsste Österreich bis 2020 seinen Anteil an erneuerbaren Energieträgern an der Deckung des Gesamtbedarfs von rund 23 Prozent auf 34 Prozent steigern und in den Bereichen, die nicht am Emissionshandel beteiligt sind – vor allem Raumwärme und sonstiger Kleinverbrauch sowie Verkehr – seine Treibhausgasemissionen um 16 Prozent unter den Wert des Jahres 2005 senken.
Guter Ansatz
Erforderlich für die Umsetzung des vom VEÖ vorgeschlagenen Pakets sei die Vereinfachung der Genehmigungsverfahren für Kraftwerke und Leitungen, sagte Schmidt. Die Novelle zum Umweltverträglichkeitsprüfungs-Gesetz (UVP-Gesetz), die vergangene Woche in Begutachtung ging, bezeichnete die VEÖ-Generalsekretärin als „guten Anfang“. Wünschenswert seien darüber hinaus ein umfassendes Energieeffizienzprogramm für alle Sektoren, ein maßvolles Umsetzen der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU, ein Aufstocken der Mittel für energiebezogene Forschung und Entwicklung, Investitionsförderungen sowie ein Anheben der Stromnetztarife. Bezahle jeder österreichische Haushalt nur einen Cent pro Tag mehr an Netztarifen, bringe das eine Milliarde Euro für Investitionen in die weitere Verbesserung der Verteilnetze, über die die Endkunden versorgt werden.
Mit vereinten Kräften
Anzengruber betonte, die Umsetzung des Programms werde nicht leicht. Widerstände gegen Projekte träten überall auf. Es gelte daher, „nicht das Florianiprinzip zur obersten Staatsprämisse zu machen.“ Statt dessen sei Mut zu Entscheidungen gefragt. Anzengruber kündigte an, nach den Landtags- und Gemeinderatswahlen am 1. März einen neuen Anlauf zur Realisierung der 380-Kilovolt-Leitung von Salzburg nach Oberösterreich zu machen. Laut dem neuen Landesenergiegesetz müsste die Trasse als unterirdisch verlegtes Kabel ausgeführt werden. Die Kosten für den dazu nötigen Tunnel werden von der Verbund-Netzgesellschaft Austrian Power Grid (APG) mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt. APG-Chef Heinz Kaupa kündigte zuletzt bei der Internationalen Energiewirtschaftstagung (IEWT) erneut an, die Leitung unter diesen Umständen nicht bauen zu können. Dies sei aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem aber aus Gründen der Versorgungssicherheit, nicht zu vertreten. Anzengruber sagte heute, er sei zum Dialog mit allen Betroffenen und Interessierten bereit, von der Landesregierung bis zu den Bürgerinitiativen: „Klar ist natürlich, dass es nicht unser Ziel ist, mit möglichst viel Geld möglichst wenig Strom zu erzeugen und zu den Kunden zu bringen.“
Gelassen reagierte Anzengruber auf die Ankündigung OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfers, künftig in die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien einsteigen zu wollen: „Je mehr Partner im Geschäft sind, desto besser ist es.“