Forum Versorgungssicherheit: Kraftwerksbau nötig Foto: Verbund
Forum Versorgungssicherheit: Strombedarf weitestgehend mit eigenen Kraftwerken decken
Forderung: Genehmigungsverfahren für Kraftwerke und Netze vereinfachen – Energieeffizienz fördern – Anreize für Investitionen in Netze bieten – Regulator: Genug Geld vorhanden
(Wien, 13.01.2009) Österreichs Energiepolitik müsse sich darauf konzentrieren, den Strombedarf so weit wie möglich mit eigenen Kraftwerken zu decken. Das sagte der Sprecher des Forums Versorgungssicherheit, Christof Zernatto, heute bei der Vorstellung des Jahresberichts des Forums in Wien. Zernatto erläuterte, bis zum Jahr 2000 sei Österreich in Sachen Strom Nettoexporteur gewesen, der Anteil der Wasserkraft an der Bedarfsdeckung habe rund 70 Prozent betragen. Wegen des gestiegenen Strombedarfs sei dieser Anteil mittlerweile auf rund 60 Prozent gesunken, und Österreich sei zum Nettoimporteur elektrischer Energie geworden. Es bestehe daher Handlungsbedarf in mehrfacher Hinsicht:
Die Genehmigungsverfahren für den Aus- und Neubau von Kraftwerken sowie Strom- und Erdgasleitungen müssten vereinfacht werden. Dies gelte auch für die Verteilnetze, die rund 80 Prozent des Netzbestandes umfassten. Für alle Vorhaben erforderlich seien standardisierte Kriterien, auf Grund derer ein Projektwerber seine Erfolgsaussichten beurteilen könne.
Energie müsse so effizient wie möglich erzeugt und eingesetzt werden. Eine wichtige Hilfe dabei seien mit moderner Kommunikationstechnologie ausgestattete Netze und Verbrauchszähler („Smart Grids“ bzw. „Smart Meters“). Damit könnten auch die Endkunden exakt nachvollziehen, wann sie besonders viel Energie benötigten. Dies führe möglicherweise zu einem bewussteren Umgang mit Energie verbrauchenden Geräten und damit eventuell zu einem sinkenden Bedarf.
Die Strom- und Gasnetzbetreiber bräuchten Anreize für Investitionen in ihre Anlagen. In den vergangenen Jahren hätten die Regulierungsbehörden die Netztarife so stark gesenkt, dass Investitionen nicht mehr rentabel seien. Jedoch machten die Kosten für die Netze nur rund ein Drittel der Stromkosten für die Endverbraucher aus. Im Bereich der Industrie liege der Anteil der Netzkosten am Gesamtaufwand für Strom gar nur bei 15 bis 17 Prozent. Es bringe daher nichts, die Tarife weiter zu senken. Und gerade für die Industrie sei eine garantiert unterbrechungsfreie Stromversorgung immens wichtig. Sinke die Versorgungssicherheit von derzeit etwa 99,99 Prozent um nur 0,15 Prozent, könne das bei einem Stromausfall von rund einer Stunde Dauer Kosten von rund 40 Millionen Euro nach sich ziehen, warnte Zernatto. Monika Kircher-Kohl, die Chefin der österreichischen Niederlassung des Chipherstellers Infineon, erläuterte, ein Stromausfall von 3,5 Minuten im Werk Villach im Jahr 2005 habe ihr Unternehmen rund 1,4 Millionen Euro gekostet. „Wir brauchen hundert Prozent Versorgungssicherheit“, betonte Kircher-Kohl.
Nicht zu viel erwarten
Ausdrücklich warnte Zernatto davor, zu viel von den erneuerbaren Energien zu erwarten. Unzweifelhaft sei die Wasserkraft der wichtigste diesbezügliche Energieträger. Selbst diese könne aber im Winter nur rund 15 Prozent des Strombedarfs decken. Thermische Kraftwerke seien daher unverzichtbar. Und ebenso unverzichtbar seien Gasleitungen wie die seitens der OMV geplante Nabucco, um diese Kraftwerke zu versorgen.
Regulator kontert
Seitens der Regulierungsbehörde Energie-Control GmbH (E-Control) hieß es dazu, die Netzbetreiber hätten „genug Geld für Investitionen“. Und Anreize, um das Geld auszugeben, gebe es offensichtlich auch: Allein 2007 hätten die Verteilnetzbetreiber rund 300 Millionen Euro in ihre Netze investiert.