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POLITIK DETAILS
EEA-Chefin McGlade:
Warnende Worte zur
EU-Umweltpolitik
Foto: EEA
European Environment Agency: Klimawandel als zentrale Herausforderung


EEA-Chefin McGlade: 2009 wird „historisches Jahr“ für Klimapolitik - gemeinsames Kiotoziel der EU erreichbar, aber Herausforderung

(09.01.2009) Die European Environment Agency (EEA) legte heute ihren Kurzbericht über zentrale umweltpolitische Themen des angelaufenen Jahres vor. An der Spitze des Berichts mit dem Titel „EEA Signals 2009“ steht, wenig überraschend, der Klimawandel. Bekanntlich soll auf dem Weltklimagipfel im Dezember in Kopenhagen eine Nachfolgeregelung zum Kiotoprotokoll beschlossen werden, das 2012 ausläuft. In ihrem Vorwort zu dem Bericht konstatiert EEA-Chefin Jacqueline McGlade, 2009 werde ein „historisches Jahr“ für die Klimapolitik. Im Kiotoprotokoll verpflichteten sich die damals 15 EU-Mitgliedsstaaten im Jahr 1997, ihre gemeinsamen Emissionen an Treibhausgasen (THG) um acht Prozent unter den Wert des Jahres 1990 zu senken. Bis 2006, dem Jahr, für das die aktuellsten Zahlen vorliegen, ist jedoch lediglich eine Senkung um rund drei Prozent erfolgt. Die Lücke auf acht Prozent zu schließen, sei zwar möglich, aber keineswegs einfach, warnt die EEA. Theoretisch sei es mit den bereits laufenden und den geplanten Reduktionsmaßnahmen sowie mit dem Kauf von Zertifikaten aus einschlägigen Projekten in Drittstaaten möglich, bis 2012 eine EU-weite THG-Reduktion um rund elf Prozent darzustellen. Was das hinsichtlich der geplanten weltweiten THG-Reduktion bringt, ist indessen fraglich, konstatiert die EEA: Seit dem Jahr 2000 stiegen die THG-Emissionen vier Mal so schnell wie im Jahrzehnt zuvor.

Probleme mit dem Wasser

Eng mit dem Klimawandel verbunden ist ein weiteres Problem: die Frage der Wasserversorgung. Im einigen Gebieten Südeuropas ist diese laut EEA bereits derzeit als „katastrophal“ zu bezeichnen, so etwa auf Zypern und auf Kreta sowie in Teilen Spaniens. Doch auch andere Gebiete sind betroffen. Im Osten Londons beispielsweise wird derzeit die erste Meerwasserentsalzungsanlage Großbritanniens errichtet. Sie kostet etwa 250 Millionen Euro und kann Trinkwasser für etwa 400.000 Haushalte bereitstellen. Wie die EEA feststellt, ist das Projekt einigermaßen absurd, weil aufgrund der desolaten Londoner Wasserleitungen täglich mehrere Millionen Liter Wasser versickern. Dazu kommt, dass Entsalzungsanlagen große Energiemengen benötigen, was wiederum zu Umweltbelastungen führt.
Nicht zuletzt die Wasserversorgung soll deshalb in einem Weißbuch über die Anpassung an den Klimawandel (Adaptation) behandelt werden, das die EU-Kommission heuer vorzulegen beabsichtigt. Wie die EEA kritisch anmerkt, haben erst sieben europäische Staaten nationale Adaptionsstrategien erarbeitet. Die österreichische Strategie soll noch in der ersten Jahreshälfte vorliegen, heißt es aus Regierungskreisen.

Fragliches Grün

Einmal mehr widmet sich die EEA in ihrem aktuellen Bericht auch den Agrokraftstoffen, deren Umweltauswirkungen sie bereits wiederholt kritisierte. Neuerlich betont sie, den Anteil der Agrokraftstoffe am Gesamtverbrauch bis 2020 auf zehn Prozent zu heben, sei „überambitioniert“. Die EU solle dies daher nicht anstreben. Ausdrücklich verweist die EEA auf eine Studie des US-amerikanischen Wissenschaftlers Tim Searchinger, laut derer zumindest bis etwa 2050 durch Agrosprit mehr Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen würden als durch konventionellen Kraftstoff. Der Grund dafür ist, dass für die Agrospritproduktion große Urwaldflächen abgeholzt werden, die bisher als CO2-Speicher dienten. Sinnvoller ist es daher laut EEA, Biomasse für die gleichzeitige Produktion von Strom und Wärme in Kraft-Wärme-Kopplungen einzusetzen.

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