Masterplan Wasserkraft konsequent umsetzen - Genehmigungsverfahren für Kraftwerke und Netze straffen - Bilanz 2007/2008: Umsatz + 33,1 Prozent, bereinigtes EBIT + 25,5 Prozent - Jahr 2009 wird „wesentlich härter“, Energie AG aber "gut gerüstet“ - Investititionen von 250 Millionen Euro geplant - Technik-Vorstand Steinecker: Netzausbau dringend nötig
(Wien,18.12.2008) Zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2007/2008 zeigte sich heute der Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich, Leo Windtner. Mit einem um 33,1 Prozent gestiegenen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und einem um 25,5 Prozent gewachsenen um Sondereffekte bereinigten EBIT von 138,5 Millionen Euro habe sein Unternehmen „wieder ein Rekordergebnis“ erzielt, sagte Windtner heute vor Journalisten in Wien. In allen drei Segmenten (Energie, Entsorgung und Wasser) habe es erfreuliche Entwicklungen gegeben. So habe die Energie AG 65 Prozent an der Oberösterreichischen Ferngas erworben und sei damit ins Erdgasgeschäft eingestiegen. Der Probebetrieb im 400-Megawatt-Gas-und-Dampf-Kraftwerk Timelkam laufe erfolgreich. Dessen CO2-Emissionen sind laut dem zuständigen Vorstandsdirektor Werner Steinecker um rund 66 Prozent niedriger als die eines herkömmlichen Kohlekraftwerkes vergleichbarer Größe. Die Stickoxidemissionen liegen um etwa 90 Prozent unter denen eines Kohlekraftwerks. Mit einem Wirkungsgrad von 60 Prozent biete Timelkam auch eine optimale Brennstoffausnutzung. Auch Installation und Probebetrieb von 10.000 fernauslesbaren Stromzählern („Smart Meters“) hätten ohne Probleme funktioniert, ergänzte Windtner. Nun werde das AMIS genannte System flächendeckend installiert.
Bezüglich des Segments Entsorgung hob Windtner unter anderem den Erwerb der Mayr-Melnhof-Altpapiergruppe durch die Energie-AG-Tochter AVE hervor, weiters die Herstellung eines Kohle-Ersatzbrennstoffs für die VOEST Alpine aus der Plastikfraktion des Gewerbemülls sowie den erfolgreichen Markteintritt in Moldawien. Aus Energie-AG-Kreisen verlautete, dort gehe es vorerst um den Aufbau elementarer abfallwirtschaftlicher Strukturen, konkret, das Aufstellen von Abfallcontainern und das Animieren der Bevölkerung zu deren sachgerechter Benutzung. Noch bringe das erwartungsgemäß keine gewaltigen Erträge, doch handle es sich um ein langfristig ausgelegtes Engagement.
Im Segment Wasser sei der Eintritt in den ungarischen sowie den slowakischen Markt gelungen, ebenso wie die Übernahme eines großen tschechischen Wasserversorgers vom französischen Veolia-Konzern.
„Gut vorbereitet“
Das angelaufene Geschäftsjahr 2008/2009 werde zweifellos „wesentlich härter“, doch sei die Energie AG darauf gut vorbereitet. Windtner sagte, er strebe sowohl ein Umsatzplus als auch eine Steigerung des EBIT an. Vorgesehen sei ein „konsequentes Wertsteigerungs- und Kostensenkungsprogramm“ sowie die Nutzung von Synergien durch die Übernahme der Oberösterreichischen Ferngas. Ein Abbau von Mitarbeitern sei allerdings nicht geplant. Vielmehr stehe eine Optimierung der Beschaffungskosten auf dem Programm. Diese beliefen sich auf rund 250 Millionen Euro pro Jahr. „Wenn wir diese um rund acht Prozent senken können – und das ist durchaus realistisch -, bringt uns das etwa 20 Millionen Euro“, erläuterte Windtner.
Geplant seien auch weitere Investitionen in den Erhalt sowie den Ausbau der Infrastruktur in den drei Geschäftssegmenten. Laut Finanzchef Roland Pumberger wird die Energie AG dafür 2009 Kredite über rund 400 Millionen Euro aufnehmen. Vorgesehen seien Investitionen in der Höhe von 250 Millionen Euro. In den Ausbau ihrer Stromnetze werde die Energie AG bis 2018 rund 100 Millionen Euro in ihre Stromnetze investieren, kündigte Steinecker an.
„Gewisse Erwartungshaltung“
Angesprochen auf die seitens der Bundesregierung angekündigte Straffung der Genehmigungsverfahren für Infrastrukturprojekte für die Energieversorgung sagte Windtner, gegenüber dem neuen Wirtschafts- und Energieminister Reinhold Mitterlehner bestehe eine gewisse „Erwartungshaltung“.
Die E-Wirtschaft wünsche eine „aktive Energiepolitik“, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem geplanten Ausbau der Wasserkraft. Im Mai hatte Windtner, damals Präsident des Verbandes der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) gemeinsam mit dem seinerzeitigen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein den „Masterplan Wasserkraft“ vorgelegt. Es sei nötig, dessen Umsetzung nun endlich „konsequent anzugehen. Bisher war das ja nur ein Papiertiger“, kritisierte Windtner. Und: Gelinge es der Politik, die Genehmigungsverfahren inklusive der Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) in sinnvoller Weise abzukürzen, sei die E-Wirtschaft sofort bereit, massive Investitionen zu tätigen. Insgesamt etwa elf Milliarden Euro stünden dafür bereit.
Ausbau dringend
Unterdessen gehen die Auseinandersetzungen um den Ausbau des Höchstspannungsnetzes weiter. Heute beschloss der Salzburger Landtag heute ein neues Landes-Energiegesetz (LEG), das laut VEÖ den Leitungsausbau dramatisch erschweren würde. Faktisch laufe das Gesetz darauf hinaus, dass Höchstspannungsleitungen nur noch als in der Erde verlegte Kabeltrassen ausgeführt werden dürften. Dabei sei dies „nach der klaren Judikatur des Umweltsenats nicht Stand der Technik“, betonte VEÖ-Generalsekretärin Barbara Schmidt in einer Aussendung. Eine solche Technologie an einer Stelle im Netz einzusetzen, die ohnehin bereits überlastet sei, gefährde die Versorgungssicherheit. Die Verantwortung dafür dürfe dem Netzbetreiber nicht aufgebürdet werden. Bereits vor Wochen habe die Verbund APG klargestellt, dass sie die Leitung aus diesem Grund nicht als Erdkabel ausführen werde.
Frei oder gar nicht
Mit ihrer Argumentation habe die APG völlig recht, sagte dazu Steinecker am Rande der heutigen Energie-AG-Bilanzpressekonferenz. Er verwies auf eine von seinem Unternehmen seit mehr als einem Jahrzehnt geplante110-Kilovolt-Leitung von Ried nach Ranna in Oberösterreich. Auch dort verlangten Bürgerinitiativen die Ausführung als Erdkabel. „Falls uns die Verkabelung vorgeschrieben wird, bauen wir die Leitung ganz einfach nicht“, warnte Steinecker. Das Argument, die Leitung diene lediglich der Stromversorgung des Erdgasspeichers Haidach, bringe aber für die Versorgungssicherheit in der Region nichts, wies Steinecker zurück. Es handle sich um ein „reines Hilfsargument“, der Speicher werde über bestehende Leitungen versorgt.
Hart ins Gericht ging Steinecker mit dem Salzburger LEG. Dass darin die Erdverkabelung gefordert werde, habe seine Gründe ausschließlich in der bevorstehenden Landtagswahl. Technisch gesehen, handle es sich indessen um eine nicht eben sinnvolle Lösung.