Weltklimagipfel in Posen: Arbeit statt Durchbruch Foto: Creative Collection
De Boer: Posen ist „Arbeitsgipfel“
Generalsekretär der UNO-Klimarahmenkonvention warnt vor übertriebenen Erwartungen bezüglich Weltklimagipfel in Posen
(12.12.2008) Die Stimmung ist nicht eben euphorisch, aber auch nicht ganz im Keller: Es handle sich um eine Arbeitstagung, bei der keine spektakulären Durchbrüche zu erwarten sind, sagte der Generalsekretär der Klima-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), Yvo de Boer, gestern bei einer Pressekonferenz auf dem 14. Weltklimagipfel in Posen. Der Gipfel geht heute zu Ende. De Boer ergänzte, es gebe bereits eine Einigung auf die Arbeitspläne für die Verhandlungen über ein weltweites Klimaregime nach 2012. In diesem Jahr müssen die betroffenen Staaten ihre Verpflichtungen aus dem Kiotoprotokoll erfüllen. Das neue Regime soll auf dem 15. Weltklimagipfel im kommenden Jahr in Kopenhagen beschlossen werden. Seit 1. Dezember verhandeln rund 10.000 Delegierte aus 189 Ländern über das neue Regime. Wird dieses nicht im kommenden Jahr beschlossen, kann es voraussichtlich nicht mehr rechtzeitig umgesetzt werden. Dann würde eine zeitliche Lücke zwischen der Erfüllung der Kiotoziele und dem Beginn der Anstrengungen, um allfällige neue Ziele zu erreichen, klaffen.
Umweltaktivisten zeigten sich enttäuscht vom bisherigen Verhandlungsverlauf. In einer Aussendung des Vereins Klimabündnis Österreich etwa hieß es, „viele Staaten pokern mit der Klimazukunft der Erde auf Basis egoistischer wirtschaftlicher Interessen.“ Kritisiert wurde auch die Haltung der USA, die sich nach wie vor in Zurückhaltung übten. Mehr als Versprechungen von Vertretern des künftigen Präsidenten Barack Obama habe es nicht gegeben.
Berlakovich will „grüne Jobs“
Der österreichische Umweltminister Nikolaus Berlakovich sagte, es gelte, die Klimapolitik als „Chance und Ausweg aus der aktuellen Krise auf den Finanz- und Arbeitsmärkten“ zu nutzen und „neue, grüne Arbeitsplätze“ zu schaffen. Nach Ansicht der EU-Umweltminister müssten die globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 um 50 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Auch bekenne sich die EU nach wie vor zur Empfehlung des Weltklimabeirates IPCC, der zufolge die Industriestaaten sich zur Senkung ihrer Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 verpflichten sollten.
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete, schlugen Mitglieder der EU-Delegation vor, die Industriestaaten sollten ihre THG-Emissionen bis 2050 sogar um 80 bis 95 Prozent senken. Dies wurde vom Vorsitzenden des IPCC, Rajendra Pachauri, indessen als zu langfristig orientiert kritisiert: Wenn es keine „anspruchsvollen“ Ziele für die Industriestaaten gebe, die bis 2020 erreicht werden müssten, werde es schwer, Schwellenländer wie China und Indien zu überzeugen, dass auch sie ihre Emissionen senken oder wenigstens begrenzen müssten.
Gelingt dies nicht, ist laut Ansicht mancher Klimaforscher eine Senkung der weltweiten Treibhausgasemissionen langfristig nicht möglich.