Bilanzpressekonferenz: Europa kann nicht auf Kohleverstromung verzichten – gute Fortschritte beim Bau des Steinkohlekraftwerks Walsum in Deutschland - Windenergieausbau in Österreich geplant: Projekte mit Gesamtvolumen von 90 Millionen Euro genehmigt – warten auf bessere Rahmenbedingungen – bis 2010 insgesamt 750 Millionen Euro in Niederösterreich investieren
(Wien, 11.12.2009) „Realismus in Klimafragen“ forderte heute EVN-Chef Burkhard Hofer anlässlich der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens. Hofer erläuterte, Europa könne nicht sowohl auf die Kernenergie als auch auf die Kohleverstromung verzichten. Ohne letztere auszukommen, sei schlechterdings unmöglich. Leider gebe es diesbezüglich noch immer Missverständnisse auf politischer Ebene. „Andere Länder wie Polen und Deutschland kämpfen für ihre Energieversorger. Bei uns merken wir von einem ähnlichen Engagement leider wenig“, kritisierte Hofer.
Die EVN baut in Deutschland gemeinsam mit dem Energiekonzern Evonik ein Steinkohlekraftwerk mit 800 Megawatt Leistung am Standort Walsum bei Duisburg. Der Bau mache gute Fortschritte, im Jahr 2010 werde die Anlage in Betrieb gehen, sagte Hofer. Bis zum Ende der zweiten Periode des EU-internen Handels mit Emissionszertifikaten (EU-ETS) am 31. Dezember 2012 könne ein Großteil der CO2-Emissionen des Kraftwerks mit kostenlosen Zertifikaten (EUAs) abgedeckt werden. Wie es danach weitergehe, werde sich zeigen. Seitens der EU-Kommission ist geplant, dass die Energieversorger ab 2013 sämtliche EUAs ersteigern müssen. Bei Verhandlungen zwischen den Staats- und Regierungsschefs im Zusammenhang mit dem Weltklimagipfel von Posen wurde aber bereits vereinbart, dass Länder mit wirtschaftlichem Aufholbedarf sowie mit einem hohen Anteil an Kohle an der Deckung ihres Strombedarfs weiterhin Gratis-EUAs an die Energieunternehmen vergeben dürfen. Dies würde vor allem Polen Vorteile bringen, aber auch Deutschland könnte profitieren.
In Walsum gibt es übrigens ausreichend Platz, um nachträglich Anlagen zur Abscheidung von CO2 aus den Kraftwerksabgasen zu errichten, hieß es auf Anfrage des UMWELTSCHUTZ. Das abgetrennte CO2 könnte in aufgelassenen Erdöl- und Ergdasfeldern gelagert werden. Zu diesem Zweck in Entwicklung befindliche Technologien werden als „Carbon Capture and Storage“ (CCS) bezeichnet. EVN-Chef Hofer sagte heute, er rechne damit, dass die technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit CCS „in den Griff“ gebracht werden könnten.
Windkraft ausbauen
Allerdings will die EVN auch auf den Ausbau der erneuerbaren Energieträger nicht verzichten. Hofer betonte, sein Unternehmen verfüge über genehmigte Windenergie-Projekte mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von rund 90 Millionen Euro. Allerdings seien diese aufgrund der zu niedrigen Einspeistarife nicht rentabel. Überdies müsse die im Sommer vom Nationalrat beschlossene Novelle zum Ökostromgesetz erst in Kraft treten. Bekanntlich laufen derzeit Verhandlungen zwischen der österreichischen Bundesregierung und der EU-Kommission. Letztere hat Bedenken, dass Teile der Novelle wettbewerbsverzerrende Beihilfen festschreiben könnten.
Kritik übte Hofer heute auch an den Plänen der Energiemarktaufsichtsbehörde Energie-Control Kommission (E-CK), von den Kraftwerksbetreibern Entgelte für Netzverluste zu verlangen. Derartige Regelungen gebe es im Ausland nicht. Die heimische Stromproduktion erleide damit eine beträchtlichen Wettbewerbsnachteil. Allein für sein Unternehmen seien Kosten von mehreren Millionen Euro zu befürchten, sagte Hofer.
„Respektables Ergebnis“
Das Jahresergebnis der EVN bezeichnete Hofer als „respektabel“, ihr gehe es „auch in turbulenten Zeiten gut.“ Allerdings liege das Ergebnis „deutlich unter dem des Vorjahres“. In konkreten Zahlen heißt das: Die Umsatzerlöse waren im Geschäftsjahr 2007/2008 mit 2.397,0 Millionen um 7,3 Prozent höher als jene des Geschäftsjahres 2006/2007. Jedoch lag das EBIT mit 166,6 Millionen Euro um 15,6 Prozent unter dem des Vorjahres. Ihr Konzernergebnis beziffert die EVN mit 186,9 Millionen Euro. Das sind um etwa 17,7 Prozent weniger als im Geschäftsjahr 2006/2007. Hofer und EVN-Finanzchef Michael Längle führten dies hauptsächlich auf gestiegene Einstandspreise für Primärenergieträger wie Erdgas und Kohle, Auftragsverschiebungen im Geschäftsfeld (Segment) Umwelt sowie auf ein schlechteres Finanzergebnis infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten zurück. Laut Längle stieg der Ölpreis im Lauf des Geschäftsjahres 2007/2008 um 43 Prozent. Infolge dessen erhöhte sich der Erdgaspreis um 29 Prozent. Der Preis für Kohle stieg um 78 Prozent, und die Großhandelspreise an den Strombörsen schnellten um 80 Prozent in die Höhe.
Zum Segment Umwelt sagte Längle, weil Großvorhaben abgeschlossen wurden und sich Nachfolgeprojekte verzögert hätten, seien die Umsatzerlöse um 32,9 Prozent auf 184,6 Millionen Euro gesunken. Deshalb habe sich auch das EBIT um rund ein Drittel auf 25,4 Millionen Euro verringert. Jedoch gebe es auch positive Entwicklungen: Der Bau der dritten Linie der Abfallverbrennungsanlage Dürnrohr mache gute Fortschritte, 2010 werde die Anlage in Betrieb gehen. Mit einer Gesamtkapazität von rund 500.000 Jahrestonnen wäre sie dann die größte Abfallverbrennungsanlage Österreichs. Gelungen sei der Markteintritt in Montenegro, wo die EVN eine Meerwasserentsalzungsanlage errichte. In Polen werde eine Abwasserbehandlungsanlage gebaut, in Litauen eine Anlage zur Klärschlammbehandlung.
Kräftig investieren
Hofer ergänzte, die EVN wolle bis 2010 rund 750 Millionen Euro allein in Niederösterreich investieren, davon 250 Millionen in überregionale Gasleitungsprojekte, 125 Millionen in die Fertigstellung der genannten Linie 3 der Abfallverbrennung in Dürnrohr sowie 90 Millionen in die neuen Windparks. Für all diese Vorhaben sei die Finanzierung gesichert. Für den Bau dreier Wasserkraftwerke am Fluss Devoll stehe die Finanzierung (rund eine Milliarde Euro) noch nicht. Doch werde deren Errichtung erst etwa 2013 beginnen.
Insgesamt zeigte sich Hofer optimistisch bezüglich der künftigen Entwicklung der EVN: „Wir sind gut aufgestellt. Es kann langfristig nur besser werden.“