Umweltlandesrat Plank: Klimapolitik als wirtschaftliche „Riesenchance“ Foto: Niederösterreichische Volkspartei
Niederrösterreich: Basteln am Klimaprogramm
Heute präsentierte Studie soll Ansatzpunkte liefern – Auswirkungen auf Wintertourismus undramatisch, auf Forstwirtschaft möglicherweise beträchtlich – Kosten nicht abschätzbar – Umweltlandesrat Plank: „Werde sicher nicht Umweltminister“
(Wien, 17.11.2008) Auch in Zeiten der Wirtschaftskrise müssten Maßnahmen zum Umgang mit dem Klimawandel gesetzt werden. Solche böten nicht zuletzt in ökonomischer Hinsicht eine „Riesenchance“. Das sagte der niederösterreichische Umweltlandesrat Josef Plank heute bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Studie „Auswirkungen des Klimawandels auf Niederösterreich“ in Wien. Ihm zufolge sollen deren Ergebnisse im Rahmen des niederösterreichischen Klimaprogramms für die Jahre 2009 bis 2012 Berücksichtigung finden, dessen Verabschiedung durch den Landtag im ersten Halbjahr 2009 vorgesehen ist. Zu den Details des Programms wollte Plank auf Anfrage des UMWELTSCHUTZ nicht Stellung nehmen: „Diese Dinge sind in Verhandlung. Es wäre nicht klug, sich dazu jetzt in den Medien zu äußern.“ Die Grundlinien seien ohnehin „ganz einfach“: Es gelte, mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen die Emissionen an Treibhausgasen (THG) zu senken und „generell die Ressourceneffizienz zu verbessern“. Dies müsse in allen Bereichen geschehen, nicht zuletzt auch im Verkehr und im Gebäudesektor. Darüber hinaus sei auch die „Bewusstseinsbildung ein ganz wichtiger Faktor“. Nicht vorgesehen ist übrigens ein eigener Fonds zur Finanzierung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel (Adaptation Fund), sagte Plank dem UMWELTSCHUTZ: „So weit sind wir noch nicht.“
Fünf Teilbereiche
Die von ihm präsentierte Studie wurde von Experten der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien sowie des Forschungszentrums Joanneum Research und des Alfred-Wegener-Centers in Graz erstellt und kostete rund 100.000 Euro. Ihre fünf Teilbereiche befassen sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf den Heiz- und Kühlenergiebedarf, auf die Wasserführung an der Lainsitz, einem Fluss im nördlichen Waldviertel, auf die Landwirtschaft, auf das Waldviertel im Allgemeinen sowie auf den Wintertourismus in Niederösterreich.
Der Heiz- und Kühlenergiebedarf wird der Studie zufolge „weniger durch den Faktor Klima, sondern vielmehr durch technische und sozio-ökonomische Entwicklungen bestimmt“. Sinnvoll sei eine verstärkte Wärmedämmung aber jedenfalls, sagte die bekannte Meteorologin Helga Kromp-Kolb, eine der Mitautorinnen der Studie: „Das bringt sehr viel, auch, um die Gebäude im Sommer gegen Hitze abzuschirmen. Und das wird verstärkt notwendig sein.“
Hinsichtlich der Wasserführung der Lainsitz bestätigt die Studie andere Untersuchungen bezüglich der Auswirkungen des Klimawandels auf österreichische Fließgewässer. Im Winter ist demnach mehr Niederschlag zu erwarten, im Sommer weniger. Im Sommer könne es daher häufiger zu Niedrigwasserständen kommen.
Auswirkungen dessen seien auf die Landwirtschaft zu erwarten. Falls dieser mehr Wasser zur Verfügung gestellt werden müsse, um Trockenperioden besser zu bewältigen, könnten auch andere Sektoren betroffen sein, sagte Kromp-Kolb: „Man wird sich fragen müssen, wie viel Wasser dann beispielsweise die Industrie bekommt.“
Eher undramatisch entwickeln wird sich der Studie zufolge die Lage im Wintertourismus. In Niederösterreich wirke sich bereits das traditionelle kontinentale Klima aus, das immer wieder Kaltluftschübe bringe. Aus diesem Grund ließen sich bereits im Frühwinter Schneekanonen einsetzen, um eine den Winter über stabile Schneedecke herzustellen. Somit „sollte in den nächsten ein bis zwei Dekaden die Schneesicherheit auf den Pisten durch künstliche Beschneiung gesichert sein“, heißt es in der Studie.
Stärker unter Druck kommen könnte dagegen die Forstwirtschaft, sagte Manfred Lexer von der Boku, der ebenfalls an der Studie mitarbeitete. Ihm zufolge verläuft der Klimawandel „für die Bäume, die über hundert Jahre alt werden, zu schnell, aber für die Investitionsentscheidungen der Forstwirte zu langsam.“ Erstere könnten sich nicht innerhalb weniger Jahrzehnte an geänderte klimatische Bedingungen anpassen. Letztere kämen genau deshalb wirtschaftlich unter Druck, weil die Vitalität der Bäume und damit deren Widerstandskraft gegen Pflanzenkrankheiten sowie Schädlinge sinke. Erforderlich sei, die dominierenden Fichtenwälder durch Mischwälder mit deutlich mehr Laubbäumen als bisher zu ersetzen.
Keine Angaben enthält die Studie zu den möglichen Kosten des Klimawandels. Kromp-Kolb sagte dem UMWELTSCHUTZ, dazu seien „nicht einmal Daumen-mal-Pi-Aussagen“ möglich.
Klimaschutzgesetz: Ja, aber
Angesprochen auf das vom Umweltministerium vor dem Sommer in Begutachtung gesandte und von den Ländern heftig kritisierte Klimaschutzgesetz sagte Plank, grundsätzlich sei ein solches zu begrüßen. Es müsse aber einen „sauberen Gesetzesbildungsprozess“ geben: „Der Bund hat uns den Entwurf seinerzeit einfach hingeknallt und sich noch dazu mit Maßnahmen im eigenen Bereich sehr zurückgehalten. So kann das nicht funktionieren.“
Für dringend erforderlich hält Plank auch ein neues Ökostromgesetz. Wie berichtet, sind die Verhandlungen zwischen der EU-Kommission und der Bundesregierung über die Anfang Juli vom Nationalrat beschlossene Novelle noch immer im Gang. Plank hält aber auch von der Novelle wenig: „Sie ist besser als die Regelung von 2006, aber noch bei weitem nicht gut genug.“ Insbesondere die „neuen erneuerbaren Energieträger“ wie Photovoltaik und Windkraft müssten noch stärker als ohnehin vorgesehen gefördert werden.
Sicher nicht Minister
Angesprochen auf Gerüchte, zufolge deren er als Umweltminister vorgesehen ist, sagte Plank: „Das kommt sicher nicht.“ Er gehe davon aus, dass sich die Frage „in der gegenwärtigen Konstellation“ nicht stelle, sagte Plank auf Anfrage, wollte dies aber nicht weiter erläutern. Grundsätzlich müssten sich zunächst einmal Koalitionspartner finden. Erst dann könne es um Personalfragen gehen.