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ENERGIE DETAILS
Bedarf runter: Energieeffizienz
ist wichtiger als die Frage
nach dem Energieträger.
Foto: Creative Collection
Energieagentur: Kein Anreiz für vorzeitige Heizungsmodernisierung


Bessere Anreize schaffen: Einmalzahlungen statt Darlehen – viele Fragen offen – Einsatz der Wohnbauförderung für thermische Gebäudesanierung nicht einfach

(Wien, 05.11.2008) In Österreich gibt es derzeit keine ausreichenden Anreize zur vorgezogenen Modernisierung oder Erneuerung von Heizssystemen. Das sagten der Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur (Austrian Energy Agency, AEA), Fritz Unterpertinger, und die zuständige Energieagentur-Expertin Susanne Geissler heute bei einer Pressekonferenz in Wien. Statt der bisher üblichen Darlehen sei eine Einmalzahlung zu empfehlen, die sich an der Höhe der erzielten Energieeinsparung orientiere. Wer eine Förderung beantrage, solle verpflichtet werden, eine Energieberatung durch einen einschlägigen Spezialisten in Anspruch zu nehmen. Derartige Modelle hätten sich bereits in einigen Bundesländern bewährt, sagte Unterpertinger. Geissler schlug ergänzend vor, die Höhe der jeweiligen Förderungen nach sozialen Kriterien zu staffeln. Das sei eine Alternative zu den gängigen Heizkostenzuschüssen, die längerfristig wirke.
Ein detailliertes Fördermodell habe die Energieagentur noch nicht ausgearbeitet, räumte Geissler auf Nachfrage ein: „Es gibt noch viele offene Fragen.“ Unterpertinger sagte, bei der Sanierung von Nachkriegsbauten könnten die Energiekosten um bis zu 75 Prozent gesenkt werden. Insgesamt belaufe sich das Einsparvolumen auf etwa 41 Petajoule, was der Hälfte des Heizenergiebedarfs in Wien entspreche. Dazu seien allerdings „ambitionierte Maßnahmen“ nötig. Unter anderem lasse sich überlegen, die Wohnbauförderung stärker für diese Zwecke einzusetzen. Und klar sei eines: Energieeffizienz müsse oberste Priorität haben.
Unter Hinweis auf eine Studie der Fachhochschule Wien Neustadt im Auftrag der Energieagentur sagte Unterpertinger, das Interesse die Frage nach der „Heizung der Zukunft“ sei jedenfalls gegeben. Der Studie zufolge glaubten 50 Prozent der Bauträger, dass das Thema Heizen künftig einen höheren Stellenwert als derzeit haben werde. Rund 30 Prozent glauben an steigende Brennstoffkosten. Aber nur 13 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, eine solarthermische Anlage einzubauen. Und nur zehn Prozent wollen erneuerbare Energieträger für Heizzwecke stärker gefördert wissen.

Nicht ganz trivial

Die Sache mit der Wohnbauförderung sei im Übrigen nicht ganz trivial, warnte Elisabeth Berger, die Geschäftsführerin der Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten. Berger sagte dem UMWELTSCHUTZ, von den jährlich rund 2,8 Milliarden Euro, die im Rahmen der Wohnbauförderung zur Verfügung stünden, gingen nur rund 20 Prozent in die Sanierung. Einfach umzuschichten, sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Auch lasse sich in nicht eben rosigen wirtschaftlichen Zeiten durchaus die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion stellen.
Was die Studie betrifft, nimmt Berger „erfreut zur Kenntnis, dass auch für die Energieagentur jetzt die Energieeffizienz vor der Frage des Heizsystems kommt.“ Gelinge es endlich, den Energiebedarf tatsächlich zu senken, spiele die Frage, ob nun mit Öl, Gas, Holz oder womit auch immer sonst geheizt werde, kaum noch eine Rolle. Zwar teilt Berger die Ansicht des bekannten Verbrennungstechnikers Albert Hackl, der Holzheizungen in Ballungsräumen mit großer Skepsis beurteilt. Letztlich sollten aber doch die Kunden selbst über ihr Heizsystem entscheiden.
Eine Argumentation, mit der sich auch Christian Ulrich vom Institut für wirtschaftliche Ölheizung (IWO Austria) anfreunden kann. Und auch er beurteilt positiv, dass die Energieagentur nun eine neutrale Haltung gegenüber den einzelnen Energieträgern einnimmt.

Verlängerung sinnvoll

Als sinnvoll bezeichnet Berger übrigens auch, dass die Förderaktion des Bundes für Holzheizungen mit acht Millionen Euro aus dem Klima- und Energiefonds (KLI.EN) bis Ende 2009 verlängert wurde. Ursprünglich hätte diese Ende 2008 auslaufen sollen. Berger zufolge hätte das aber Probleme bereitet, weil viele Förderungswerber ihre Ansuchen erst nach dem Sommer gestellt hatten. Dies führte zwar zu vollen Auftragsbüchern bei einschlägigen Kesselherstellern, trieb diese aber teilweise zur Verzweiflung, weil die Produktion der notwendigen Pufferspeicher mit der Nachfrage nicht Schritt hielt. Jetzt dagegen lasse sich der Auftragsbestand in aller Ruhe abarbeiten.
Grundsätzlich rät Berger, bei der Beurteilung der Energieeffizienz von Gebäuden den Endenergiebedarf zu berücksichtigen und nicht, wie derzeit beim Energieausweis, den Heizwärmebedarf (HWB). IWO-Experte Ulrich stimmt dem zu und erläutert: „Beim Heizwärmebedarf wird das Nutzerverhalten nicht berücksichtigt. Das ist ein rein theoretischer Wert.“ Allzu große Bedeutung für Privatpersonen messen Berger und Ulrich dem Energieausweis übrigens nicht bei. Beschaffe jemand Wohnraum, sei das ein Faktor unter vielen.

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