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ENERGIE DETAILS
Heiße Sache: Ohne Energie-
effizienz sind Österreichs
Klimaziele laut E-Control
kaum erreichbar. Foto: Creative Collection
E-Control präsentiert „Grünbuch Energieeffizienz“


22 „Kernmaßnahmen“ – Wachstum des Energiebedarfs bis 2020 um 23 Prozent senken – Eingriffe vor allem bei Haushalten, Klein- und Mittelbetrieben sowie im Privatverkehr – öffentliche Hand als Vorbild – thermische Kraftwerke nur noch mit Wärmeauskopplung – zentrale Bedingung für Erfolg: bessere Koordinierung – 3. Binnenmarktpaket der EU: abwarten, empfiehlt Boltz

(Wien, 13.10.2008) Um rund 23 Prozent weniger stark wachsen würde der Gesamtenergiebedarf Österreichs, wenn die 22 Kernmaßnahmen aus dem heute präsentierten „Grünbuch Energieeffizienz“ konsequent umgesetzt werden. Das sagte der Geschäftsführer für das Grünbuch verantwortlichen Energie-Control GmbH (E-Control), Walter Boltz. Würden auf internationaler Ebene weitere Maßnahmen in Bereichen gesetzt, auf die ein Nationalstaat allein wenig Einfluss habe, sei sogar eine Stabilisierung des Bedarfs bei etwa 1.000 Petajoule pro Jahr möglich. Dies wäre etwas weniger als der heutige österreichische Jahresbedarf, der sich auf rund 1.093 Petajoule beläuft. Die E-Control war im Jänner von der Bundesregierung mit der Erstellung des Grünbuchs beauftragt worden. Als einer der Gründe dafür gilt, dass Österreich mit den bisherigen Maßnahmen seine Verpflichtungen aus dem klimapolitischen Abkommen von Kioto (Kiotoprotokoll) kaum erreichen kann. Laut dem Protokoll muss die Republik die Emissionen an Treibhausgasen (THG) bis 2012 um 13 Prozent unter den Wert von 1990 bringen.
Boltz betonte, die Vorschläge im „Grünuch Energieeffizienz“ seien „einschneidend“. Auch koste die Umsetzung Geld, sie lohne sich jedoch mittel- bis längerfristig. Möglichkeiten, den Energiebedarf zu beeinflussen, sieht die E-Control laut Boltz vor allem in folgenden Bereichen:
  • Haushalte:
    Deren aktueller Energiebedarf liegt bei rund 276 Petajoule oder 25 Prozent des Gesamtbedarfs. Gegenüber dem zu erwartenden Trend ließen sich bis 2020 rund 13 Prozent oder 41 Petajoule einsparen. Die Kosten dafür beziffert die E-Control mit rund 600 Millionen Euro. Sie schlägt unter anderem vor, bis 2015 sämtliche Haushalte mit „intelligenten“ Energieverbrauchszählern auszurüsten, die fernauslesbar sind und den Kunden jederzeit über seinen aktuellen Bedarf informieren. Die Kosten für die Einführung dieses sogenannten „Smart Metering“ hätten die Netzbetreiber zu übernehmen. Höhere Netztarife will Boltz ihnen dafür nicht zugestehen: Die Kosten für die Messgeräte selbst seien nicht höher als die für normale Zähler. Außerdem bruinge „Smart Metering“ den Netzbetreibern etliche Synergien und sonstige Vorteile: Zählerabschalungen und Freischaltungen seien etwa per Mausklick möglich. Weiters seien österreichweit standardisierte Energieberatungen anzubieten, bis 2020 sollte es in 50 Prozent der Haushalte eine solche Beratung gegeben haben. Um den Raumwärmebedarf zu senken, schlägt die E-Control vor, Neubauten ab 2020 nur noch zu fördern, wenn diese nicht mehr als zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr benötigen, also Passivhausstandard haben. Vermieter, die thermische Gebäudesanierungen durchführen, sollen höhere Mieten verlangen dürfen. Bis 2020 müssten mindestens 25 Prozent des Gebäudebestands thermisch saniert werden.
  • Produzierendes Gewerbe und Dienstleistungsgewerbe:
    In diesem Bereich, also dem der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU), fällt derzeit ein Bedarf von 247 Petajoule pro Jahr an. Das entspricht etwa 23 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Laut E-Control wäre gegenüber dem zu erwartenden Bedarfsanstieg bis 2020 eine Reduktion um 26 Prozent oder 106 Petajoule möglich. Die Kosten der erforderlichen Maßnahmen gibt die E-Control mit rund 300 bis 400 Millionen Euro an. Vorgeschlagen werden unter anderem die Einführung eines verpflichtenden Energiemanagementsystems sowie einer Energiebuchhaltung für die größeren KMU, zu denen die E-Control etwa 30.000 Betriebe zählt. Mit Hilfe eines Benchmarkingsystems sollen die Betriebe in die Lage versetzt werden, zu erkennen, wie energieeffizient sie sind. Beratungen durch externe Experten, die innerhalb von fünf bis sieben Jahren stattfinden sollen, könnten ihnen helfen, Einsparpotenziale zu erkennen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Bis 2015 sollen sämtliche KMU mit „intelligenten“ Energieverbrauchszählern bestückt werden, die größeren bereits bis 2012. Ein umfassendes Beratungsprogramm inklusive einer standardisierten KMU-spezifischen Weiterbildung für Energieberater ist im Übrigen im Rahmen des Energieinstituts der Wirtschaft (EIW) geplant.
  • Privater Verkehr:
    Der jährliche Bedarf in diesem Bereich liegt bei etwa 191 Petajoule oder rund 17 Prozent des Gesamtbedarfs. Bis 2020 könnten gegenüber dem zu erwartenden Bedarfsanstieg rund 88 Petajoule oder 26 Prozent vermieden werden, was rund 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro kosten würde. Unter anderem schlägt die E-Control eine kostenlose Netzkarte zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel vor. Diese könnte zunächst Pendlern zur Verfügung gestellt werden. Ihre Arbeitgeber würden die Karten bezahlen und könnten diese von der Steuer absetzen. Das würde die Verkehrsunternehmen vorerst nichts kosten. Später könnte das System in Richtung „Freifahrt für alle“ ausgeweitet werden. Boltz argumentierte, der Kartenverkauf trage ohnehin kaum zur Deckung der Kosten für die „Öffis“ bei. Kostengünstig und sofort umsetzbar, wenn auch nicht sehr populär, wäre die Senkung des Tempolimits auf 80 Stundenkilometer auf Freilandstraßen sowie 110 Stundenkilometer auf Autobahnen. Dies müsse freilich streng überwacht werden, sage Boltz.
  • Öffentliche Hand
    Wichtig sei bei alldem, dass die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehe – auch, wenn dies rein energiewirtschaftlich gesehen „nicht besonders viel“ bringe, betonte Boltz. Nur rund 34 Petajoule oder drei Prozent des Gesamtbedarfs fielen in diesem Bereich an. Bis 2020 könnten gegenüber dem erwarteten Bedarfswachstum etwa 17 Petajoule oder 19 Prozent vermieden werden. Das kostet laut E-Control etwa 25 bis 35 Millionen Euro. Vorgeschlagen wird, bis 2020 sämtliche rund 100.000 Gebäude im Besitz der öffentlichen Hand energetisch zu optimieren, Energiebuchhaltungen und Energiemanagementsysteme für alle Gebäude und sonstigen Einrichtungen einzuführen und bei Ausschreibungen strenge energiebezogene Kriterien heranzuziehen.

Nur noch KWK

Nicht zuletzt will die E-Control auch die Energiewirtschaft selbst in die Pflicht nehmen. Bis 2025 dürfe es keine thermischen Kraftwerke ohne Wärmenutzung (Kraft-Wärme-Kopplungen, KWK) mehr geben. Das würde bedeuten, etwa ein Viertel der thermischen Kraftwerke zu ersetzen. Zu den Kosten machte Boltz keine Angaben.

Besser koordinieren

Als zentralen Punkt für den Erfolg der Maßnahmen bezeichnete Boltz deren „nachhaltige Konzentration bzw. Fokussierung“. Derzeit gebe es einen wahren Wildwuchs an unterschiedlichen Aktivitäten auf allen nur denkbaren Ebenen. Es fehle jedoch deren Koordination. Daher sei es „sinnvoll, eine neutrale, interessen- und parteifreie Institution damit zu beauftragen, Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Österreich systematischer und koordinierter zu gestalten.“ Angesprochen darauf, dass zu diesem Zweck schon vor Zeiten die Österreichische Energieagentur eingerichtet worden sei, sagte Boltz, wer die Koordination übernehme, sei unerheblich. Derzeit gebe es jedoch niemanden, der dies tue: „Man könnte natürlich die Energieagentur zu so etwas machen, man könnte aber auch etwas Neues aufbauen. Letztlich ist das eine politische Entscheidung.“

3. Binnenmarktpaket: Abwarten

Angesprochen auf das vergangene Woche vom Rat der Energieminister abgesegnete 3. Energiebinnenmarktpaket der EU sagte Boltz, noch sei nicht klar, worauf sich die Minister überhaupt geeinigt hätten. Auch blieben die Stellungnahmen des Parlaments und der EU-Kommission abzuwarten. Ob es, wie geplant, bis Jahresende zu einer Einigung komme, werde sich zeigen. Das Paket werde vermutlich nicht ausreichen, „um den Binnenmarkt so zusammenzubringen, wie wir ihn uns wünschen. Aber es ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.“

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