(Wien, 03.10.2008) Ihre neue Papiersorte „Impact Climate Paper“ stellte heute die Lenzing Papier in Wien vor. Geschäftsführer Ernst Brunbauer bezeichnete diese als „klimaneutral“ und begründete dies wie folgt: Durch Emissionsreduktionsmaßnahmen bei der Herstellung werde der CO2-Ausstoß pro Tonne Papier auf 189 Kilogramm gesenkt, und diese würden durch den Kauf von Emissionszertifikaten „neutralisiert“. Wie bei einschlägigen Maßnahmen anderen Unternehmen handelt es sich auch hierbei um „spezifische“ Emissionsreduktionen, also solche pro Einheit Produkt bzw. Dienstleistung. Auf diese Weise ist es zwar möglich, den Anstieg der CO2-Emissionen zu bremsen, nicht jedoch, die Emissionen insgesamt zu senken. Doch auch das hat Sinn, weil in anderen Sektoren wie etwa Raumwärme oder dem Verkehr weniger radikale Maßnahmen gesetzt werden müssen, um klimapolitische Verpflichtungen, etwa die aus dem Kiotoprotokoll, zu erfüllen.
Hilfe von Climate Partner
Brunbauer ergänzte, die Bereitstellung der Zertifikate erfolge über die Firma „Climate Partner“, eine Tochter des einschlägig ausgewiesenen Technologieberatungsunternehmens Allplan. Samt und sonders stammten diese aus Emissionsreduktionsprojekten im nahen Ausland, die für die Berücksichtigung für Österreichs Verpflichtungen im Rahmen des Kiotoprotokolls nicht geeignet seien. Da die Prozedur für die Zulassung eines Projekts im Rahmen des Protokolls sehr aufwändig ist, kommt es nicht selten vor, dass ein sinnvolles Vorhaben schlicht zu klein für Kioto ist.
Wettbewerb nicht verzerren
Dem UMWELTSCHUTZ sagte Brunbauer, er unterstütze die Forderung der Wirtschaftkammer nach Einführung eines „Domestic-Offset“-Programms. Gemeint ist damit, dass die Unternehmen auch für Emissionsreduktionsprojekte im Inland handelbare Zertifikate erhalten sollen. Nicht zu befürworten seien dagegen die Pläne der EU-Kommission für die 2013 beginnende dritte Periode des EU-internen Emissionshandels (EU-ETS). Geplant ist, den Unternehmen künftig keine kostenlosen Zertifikate (EU-Allowances, EUAs) mehr zuzuteilen: „Das würde den internationalen Wettbewerb verzerren.“
Vertrieb durch Europapier
Produziert werden sollen vom „Impact Climate Paper“ künftig bis zu 83.000 Tonnen pro Jahr. Damit würde Lenzing Papier seine gesamte Produktion auf die neue Qualität umstellen. Unterstützt wird die Initiative von der Papiergroßhandelsorganisation Europapier, die seit 2004 zum weltweit tätigen Papierkonzern Mondi gehört. Geschäftsführer Werner Hartmann sagte, Europapier werde die neue Papiersorte ab sofort exklusiv verkaufen. Diese sei „eine ideale Ergänzung unseres Produktportfolios.“ Freilich habe Qualität auch ihren Preis. Die Kosten lägen um etwa zehn bis 15 Prozent über jenen hochwertiger Offset-Papiere, wie sie unter anderem für Printmedien Verwendung finden.