(Wien, 01.10.2008) Seit heute hat Altstoff Recycling Austria AG (ARA) eine neue Struktur und zwei neue Vorstände, Christopf Scharff und Werner Knausz. Sprecher des Vorstandes ist Scharff. Er ist für Produktion und Finanzen zuständig und leitete bisher gemeinsam mit Franz Buchal die ARA-Branchenrecyclinggesellschaft (BRG) ARGEV. Knausz, der sich in der ARA neu um den Vertrieb und das Erschließen neuer Geschäftsfelder kümmert, war Chef der fürs Altpapier zuständigen ARO. Sieben der bisherigen ARA-BRG, die Verpackungen aus Kunststoffen, Metallen, Holz und Papier sammelten und verwerteten, wurden in die ARA AG fusioniert und in Abteilungen des neuen Unternehmens umgewandelt und setzen ihre Tätigkeit nun als solche fort.
AGR bleibt selbständig
Ausgenommen ist achte BRG, die Austria Glas Recycling (AGR). Sie will rechtlich eigenständig bleiben, ist aber weiterhin Teil des ARA-Systems. Als Grund für den Sonderweg nannte AGR-Geschäftsführer Gerald Hirss-Werdisheim dem UMWELTSCHUTZ bereits im Sommer, dass die Verpackungsverordnung, auf der das ARA-System beruht, in Novellierung begriffen ist. Als Grundlage für die Novelle muss auch das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) novelliert werden. „Es ist noch nicht abzusehen, was die Verpackungsverordnung und die zugehörige AWG-Novelle bringen werden. Daher halten wir es für besser, zu warten, bis diese vorliegen. Dann werden wir sie sorgfältig analysieren und uns anschauen, ob wir Handlungsbedarf haben“, so Hirrs-Werdisheim damals.
Vielleicht bald neuer Umbau
Scharff bestätigte dem UMWELTSCHUTZ heute, dass die ARA bei Vorliegen der neuen rechtlichen Bestimmungen möglicherweise erneut umgebaut werden muss: „Aber jetzt halten wir das aus.“ Zu spät kam die Neustrukturierung aus seiner Sicht auch nicht. Kritiker bemängeln, dass eine Fusion einiger der BRG schon vor Jahren fällig gewesen wäre und genau das gebracht hätte, was der stellvertretende Aufsichtsratspräsident Alfred Fogarassy heute an der neuen ARA lobte: „effiziente Strukturen und ein straffes Kostenmanagement.“
Indessen warnte Scharff davor, die zu erwartenden Synergien zu überschätzen: Das operative Geschäft laufe ja im Wesentlichen unverändert weiter. Lediglich bei den „Overheads“, sprich den Verwaltungskosten, könne rund ein Drittel eingespart werden. Bezogen auf die ARA-Gesamtkosten liege der so erzielte Effekt aber nur „im einstelligen Prozentbereich.“ Was die Fusion wirklich bringe, seien „kürzere Entscheidungswege“. Außerdem hätten sämtliche Kunden und Geschäftspartner künftig nur noch eine Ansprechstelle. Die Kostenwahrheit werde so streng gehandhabt wie bisher auch, Quersubventionen zwischen den einzelnen Abteilungen werde es auch weiterhin nicht geben.
Ab ins Ausland
Was die neuen Geschäftsfelder betrifft, sagte Knausz, geplant sei, im zentraleuropäischen Raum haushaltsnahe Sammelsysteme aufzubauen. In Budapest beispielsweise gebe es nicht mehr als 2.000 Altpapiercontainer, in Wien dagegen rund 98.000: „Das allein zeigt, wo es Handlungsbedarf gibt.“ Angst davor, dass Anbieter aus dem Ausland in Österreich tätig werden, brauche die ARA nicht zu haben, ergänzte der ARA-Manager: Wer so gut sei wie sein Unternehmen, sei im Allgemeinen teurer, und wer billiger sei, biete schlechtere Qualität. Außerdem werde die ARA ihre Effizienz weiter steigern und versuchen, aus den Märkten für die von ihr bereitgestellten Sekundärrohstoffe noch mehr herauszuholen.“
„Fairer Wettbewerb“
Scharff ergänzte, die neue Verpackungsverordnung, über die derzeit nach allen Regeln der Kunst verhandelt wird, müsse vor allem eines bringen: faire Bedingungen für den Wettbewerb, den sie – möglichst ab 1. Jänner 2009 – ermöglichen soll. Nötig seien strenge Zulassungskriterien für neue Sammel- und Verwertungssysteme. Zugelassen werde dürfe nur, wer seine Leistungen flächendeckend anbiete. Knausz erläuterte das so: „Es kann nicht sein, dass einer in den Ballungsgebieten abkassiert und der andere die ländlichen Gebiete betreuen muss, wo wenig zu holen ist.“
Dank an Stiglitz
Als Konsulent zur Verfügung steht der neuen ARA deren bisheriger Vorstandssprecher Christian Stiglitz, der das Unternehmen seit seiner Gründung vor 15 Jahren geleitet hatte. Fogarassy nannte Stiglitz die „Galionsfigur der ARA. Er hat eine bedeutende volkswirtschaftliche Leistung erbracht und ein Lebenswerk errichtet, auf das er sehr stolz sein kann.“