UWS:Seit kurzem gibt es die Österreichische Technologieplattform Photovoltaik (PV). Auch in anderen Ländern existieren derartige Einrichtungen. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Plattformen und der europäischen?
Nowak: Die Verbindungen sind lose. Wichtig ist, sich zusammenzusetzen und die anstehenden Fragen gemeinsam zu besprechen – sei das für die Forschung, für die Umsetzung oder auch für die Marktentfaltung.
UWS: Was sind die zentralen Fragen für die PV in den nächsten Jahren?
Nowak: Das eine ist die anhaltende technische Entwicklung mit anhaltender Kostensenkung. Das ist der zentrale Punkt. Gleichzeitig brauchen wir die weitere Marktentwicklung mit entsprechenden Förderprogrammen, damit ein Maximum an Kostenreduktion entsteht.
UWS: Wie weit sollen die Kosten sinken und wie schnell? Bei der Österreichischen PV-Tagung in Wien im September war die Rede von einem wünschenswerten Preis für die Erzeugung von Strom aus PV-Anlagen von rund 17,5 Cent pro Kilowattstunde. Der derzeitige Preis wurde mit um die 50 Cent beziffert.
Nowak: Dies hängt sehr vom Standort sowie von der Art und Größe der Anlage ab! 50 Cent pro Kilowattstunde ist eher hoch. Es gibt eine historische Lernkurve der PV. Diese besagt, dass man rund 18 bis 20 Prozent Kostenreduktion bei einer Verdoppelung der kumulierten Produktion erreichen kann. Das sollte weiterhin möglich sein. Es kann aber auch sein, dass es schneller geht. Die Zeichen sind doch so, dass einige technologische Entwicklungen nun im großen Maßstab umgesetzt werden in den nächsten Jahren.
UWS: Um welche technologischen Entwicklungen geht es?
Nowak: Zum einen um die Dünnschicht-Solarzellen, was heute das Tempo setzt. Gleichzeitig haben auch die kristallinen Technologien noch Potenzial, das in den letzten Jahren noch nicht völlig ausgeschöpft wurde und auch für die Zukunft weiteres Potenzial besitzt. Deren Herstellung kann mit guter Produktionstechnologie noch um einiges günstiger werden. So lange der Markt allerdings höhere Preise erlaubt, werden diese auch realisiert und bleiben dementsprechend hoch.
Deutschland als eine der treibenden Kräfte im Bereich der Preise wird zeigen, wie schnell diese Kosten zurückgehen können. Wenn man von acht Prozent pro Jahr und mehr spricht, heißt das, in fünf Jahren eine Kostensenkung von rund 40-50 Prozent.
UWS: Heißt das, Sie fordern degressive Förderungen, um die Hersteller zu zwingen, billiger zu produzieren?
Nowak: Genau.
UWS: Sie sagten bei der Österreichischen PV-Tagung, bis 2020 könnte die PV rund zwölf Prozent des europäischen Strombedarfs von geschätzten 3.500 Terawattstunden decken. Das würde einer installierten Leistung von 175 bis 350 Gigawatt entsprechen. Derzeit sind EU-weit rund vier Gigawatt installiert. Wie soll ein derartiger Zuwachs funktionieren?
Nowak: Diese Zahlen kommen nicht von mir, sondern von der PV- Industrie-Vereinigung. Sie ist der Ansicht, das leisten zu können, sowohl vom Wachstum her als auch von den Preisen her. Ich denke, es handelt sich um das oberste Ziel, das machbar ist, wenn alle Vorbedingungen erfüllt sind. Das heißt, der Markt muss entsprechend zugänglich sein. Da gibt es noch viel zu tun, sei es an Förderinstrumenten in den einzelnen Ländern, aber vor allem auch an den technischen und administrativen Bedingungen.
UWS: Können Sie dies etwas konkretisieren?
Nowak: Es geht um den Netzzugang, um die Netzintegration und um administrative Prozeduren. Wir haben noch zu viele Hürden in manchen Ländern. Ein Einspeisegesetz allein reicht nicht.
UWS: In den meisten Ländern Europas besteht der regulierte Netzzugang. Das heißt, alle Erzeuger können zu den selben Bedingungen einspeisen. Auch sind die erneuerbaren Energien vielfach privilegiert.
Nowak: Auf dem Papier ja. Aber man muss sich im Detail ansehen, welche Anforderungen ein Anlagenbetreiber erfüllen muss und wie lange die Zulassung dauert.
UWS: Ungelöst ist auch die Frage der Speichertechnologien.
Nowak: Das ist eher ein langfristiger Aspekt, der im Allgemeinen bis 2020 weniger relevant werden dürfte. PV produziert zu Spitzenlastzeiten und komplementär zu anderen Technologen. So lange sich die Produktion in Grenzen hält, ist daher keine Speicherung erforderlich. In einzelnen Regionen kann es natürlich Ausnahmen geben. Das Wichtigste ist, wie gesagt, die Netzintegration.
UWS: Wie geht es auf europäischer Ebene weiter? Der Strategic Energy Technology Plan (SET-Plan) der EU setzt eher auf Großtechnologien und größere Erzeugungsanlagen, auch im Bereich der Solarenergie. PV gilt als dezentrale Erzeugungsart.
Nowak: Es wurde anerkannt, dass die PV in Mitteleuropa nicht als Kraftwerkstechnologie im klassischen Sinn verstanden werden muss.
Kraftwerke werden eher in Südeuropa, im Mittelmeerraum sowie allenfalls in Nordafrika gebaut werden. Aber für die dezentrale Produktion in Zentral- und in Nordeuropa ergibt sich kein Problem mit dem SET-Plan.
UWS: Sie setzen also in Mitteleuropa offenbar nach wie vor auf den klassischen Häuselbauer mit dem Solarpaneel auf dem Dach.
Nowak: Nicht nur. Es gibt viele größere Flächen, die für mittelgroße Anlagen mit einer Leistung von 50 bis zu einigen hundert Kilowatt genutzt werden können. Das betrifft Lagerhäuser, Bürobauten, große Wohnanlagen, Landwirtschaftsgebäude, oder auch Gebäude im Besitz der öffentlichen Hand.
UWS: Der Weltmarkt für PV wird auf 14 Milliarden Euro geschätzt. So viel verdient der Öl- und Gaskonzern BP in einem halben Jahr. Auch besteht der PV-Markt im Wesentlichen aus Deutschland, Spanien, Japan und den USA. Mittlerweile ist die Rede von einer Rezession in Spanien und Deutschland. Auch die USA schwächeln. Wie soll der Markt da stark wachsen?
Nowak: Erstens ist der PV-Markt einer der am stärksten wachsenden Märkte. Zweitens ist die PV von den Ressourcen her eigentlich unbegrenzt. Natürlich ist der Markt noch klein. Aber das Potenzial ist da, und das Wachstum ist stark. Und die Aussicht, dass die Wettbewerbsfähigkeit bereits kurz- bis mittelfristig erreicht werden kann, erzeugt weitere Dynamik.
UWS: Von dem großen Potenzial ist seit langem die Rede. Bis jetzt wurde es indessen nicht realisiert.
Nowak: In den letzten fünf bis acht Jahren sehen wir konstant ein hohes Wachstum von um die 40 Prozent, ausgehend von einer sehr kleinen Basis. Deshalb dauert es eben, bis diese Entwicklung für die Energieversorgung quantitativ relevant wird. Aber das ist charakteristisch für jede neue Technologie, die in den immens großen weltweiten Energiemarkt eingebracht wird.
UWS: Und die Rezession in zwei der wichtigsten PV-Märkte?
Nowak: Es geht vor allem um die Fördersysteme in diesen Ländern. Deutschland ist mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für die nächsten Jahre doch einigermaßen gesichert. In Spanien ist die Lage kritischer. Auf der anderen Seite kommen neue Märkte hinzu, in Europa etwa Italien, Griechenland und Frankreich, Portugal zum Teil auch. Weltweit werden sich die USA wahrscheinlich zu einem der größten Märkte entwickeln, und das dürfte den internationalen Markt am Leben erhalten.
UWS: In Deutschland wird über das EEG intensiv diskutiert. Es heißt, nicht zuletzt auch im PV-Bereich sei die Entwicklung zu weit gegangen und müsse gebremst werden.
Nowak: Das ist bereits der Fall. Man bremst mit degressiven Tarifen, also mit dem Preis, nicht mit dem Volumen. Die Technologie kann und muss günstiger werden. Manche Unternehmen werden dem folgen können, andere nicht. Doch das ist eine normale Marktbereinigung.
UWS: Es heißt immer, die Sonne schicke keine Rechnung. Die Anlagenanbieter tun das sehr wohl. Manche Experten warnen bereits vor einem Oligopol, das die Preise bestimmen könnte.
Nowak: Diese Gefahr sehe ich kurzfristig nicht. Solange die Einspeistarife den Markt bestimmen, kommt es darauf an, mit diesen mithalten zu können. Ist einmal die volle Wettbewerbsfähigkeit erreicht, wird sich ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bilden, mit den hoffentlich effizientesten Marktstrukturen. Man darf aber nicht vergessen, dass die PV eine Technologie ist, die dezentral ausgerichtet ist und damit am Ende der Wertschöpfungskette eine Vielzahl von Akteuren steht.
UWS: Wenn es nur zwei oder drei Anlagenanbieter gibt, nützt eine Vielzahl von Stromerzeugern wenig. Letztlich haben Sie das selbe Problem wie die Gaswirtschaft: Es gibt in Europa etliche Gasversorger, aber alle kaufen im Wesentlichen bei der Gazprom.
Nowak: Ich habe Zweifel daran, dass am Ende ganz wenige Unternehmen die gesamte Produktion, die in den Gigawatt- oder Zig-Gigawatt- Bereich gehen wird, dominieren. Es gibt eine viel größere Anzahl von Technologien und damit auch Anlagenanbietern. Das reicht von der Gebäudeintegration bis in die IT und in hochtechnologische Prozesse.
UWS: Sie sprachen Dünnschicht-Solarzellen als Zukunftstechnologie an. Aber die Rohstoffe dafür sind knapp, etwa Indium für die Halbleiter. Dessen Gewinnung ist extrem aufwändig und umweltschädlich.
Nowak: Bei Dünnschichtzellen ist zu unterscheiden zwischen den siliziumbasierten, die vom Rohstoff her kein Problem haben, und den anderen. Aber die Ressourcenproblematik ist nicht so scharf, dass sie in den nächsten Jahren relevant wird. Die Vorkommen reichen noch für Jahrzehnte. Es gibt viel banalere Stoffe, z.B. Silber, die bezüglich Verfügbarkeit im Auge behalten werden müssen.
UWS: Ist Recycling bereits ein Thema?
Nowak: Ja: Es gibt beispielsweise eine Vereinigung namens PVCycle, die
sich der Thematik annimmt, wie die
Module eingesammelt und behandelt werden können.