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ENERGIE DETAILS
Brüder, zur Sonne,
zur Freiheit: Die
neue Technologie-
plattform soll
auch helfen, die
Importe von Öl
und Gas zu senken.
Foto: Photovoltaic Austria
Österreichische Technologieplattform Photovoltaik gegründet


Kooperation von Industrie und Forschung – Solarexperte Fechner: „historische Chance“ für österreichische Unternehmen

(Wien, 11.09.2008) Führende österreichische Technologiefirmen im Photovoltaikbereich mit einschlägig ausgerichteten Forschungseinrichtungen zusammenbringen soll die Österreichische Technologieplattform Photovoltaik, die gestern in Wien vorgestellt wurde. Hubert Fechner vom Forschungszentrum arsenal research, der maßgeblich am Zustandekommen der Plattform beteiligt war, mit einem weltweiten Marktvolumen von rund 14 Milliarden Euro und jährlichen Wachstumsraten von etwa 40 Prozent sei die Photovoltaik keineswegs mehr eine Nischentechnologie. Schätzungen zufolge könne sie langfristig bis zu 40 Prozent des globalen Strombedarfs decken.
Österreichische High-Tech-Unternehmen seien in einigen einschlägigen Bereichen Weltspitze. Insgesamt liege Österreichs Anteil am Weltmarkt bei rund 1,7 Prozent. „Wir haben eine historische Chance, und wir sollten sie nutzen“, betonte Fechner. Dazu bedürfe es auch entsprechender politischer Unterstützung, die zu erreichen ebenfalls ein Ziel der Plattform sei. Diese besteht derzeit aus rund zehn Unternehmen, darunter dem Wechselrichterhersteller Fronius, dem Isoliermaterialienkonzern Isovolta, den Tiroler Planseewerken und dem Glashersteller Ertex Solar.

Arbeitsteilung

Präsident der Technologieplattform ist Georg Napetschnig, der Geschäftsführer des Kärntner Photovoltaikmodule-Herstellers Kioto Photovoltaics. Im Vorstand der Plattform ist durch seinen Präsidenten Hans Kronberger auch Photovoltaic Austria vertreten, der vormalige Bundesverband Photovoltaik. Die Arbeitsteilung zwischen beiden Organisationen beschreibt er so: „Die Plattform kümmert sich um die Technologieentwicklung, und, wenn es nach mir geht, auch um die Ausbildung. Die generelle Interessenvertretung der PV-Branche obliegt nach wie vor uns, und wir kümmern uns auch um die Öffentlichkeitsarbeit in derartigen Fragen.“ Längerfristig sei denkbar, die Plattform in den Verband zu integrieren. Allerdings stehe dergleichen im Moment in keinster Weise zu Debatte: „Jetzt soll sich die Plattform erst einmal ordentlich etablieren.“

Erste Schritte

Zu diesem Zweck plant Fechner, in den kommenden Wochen mit Napetschnig und Kronberger die nächsten Schritte zu beraten. Nötig sei, so rasch wie möglich ein Arbeitsprogramm zu erstellen. Unter anderem will Fechner erheben, welche Forschungsinstitute es neben arsenal research gibt, die für die Industriepartner in der Plattform interessant sein könnten. Er überlegt auch, eine Broschüre herauszugeben, die generelle Informationen über österreichische Unternehmen im Photovoltaikbereich sowie über einschlägige Forschung und Entwicklung bieten soll. Weiters denkt er an Informationsveranstaltungen an Technischen Universitäten, um die Branche als attraktiven und zukunftsträchtigen Arbeitgeber zu präsentieren. Finanziert werden sollen die Aktivitäten über den Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung (KLI.EN).

Lösung, nicht Problem

Stefan Nowak von der Europäischen Photovoltaik-Technologieplattform ergänzte bei der Tagung, Photovoltaik weise heute noch die höchsten Kosten aller Stromerzeugungsarten auf. Dies werde sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten aber ändern. Nach Ansicht von Experten könnten im Jahr 2020 rund zwölf Prozent des Strombedarfs der EU durch Photovoltaikanlagen gedeckt werden. Angesichts des prognostizierten Bedarfs von rund 3.500 Terawattstunden entspreche das einer installierten Leistung von 175 bis 350 Gigawatt. Zum Vergleich: Derzeit sind in der EU Photovoltaikanlagen mit rund vier Gigawatt Gesamtleistung installiert. „Das Ziel ist sehr ambitioniert, aber es ist erreichbar. Die Photovoltaik kann und muss längerfristig einen großen Beitrag zu einer nachhaltig ausgerichteten Energieversorgung leisten. Sie ist ein Teil der Lösung, nicht ein Teil des Problems.“
Wichtig für den Erfolg der Photovoltaik sind laut Nowak langfristige stabile Rahmenbedingungen zu deren Entwicklung. Das bedeute keineswegs, unbegrenzt Geld in ihre Förderung zu stecken, sondern vielmehr eine klare Strategie auszuarbeiten und diese konsequent umzusetzen. Nur mittels Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen, der Industrie sowie der zuständigen Behörden lasse sich dies erreichen.

„Zum Erfolg verdammt“

Nach Ansicht von Christoph Panhuber, dem Prokuristen der Firma Fronius, ist die Photovoltaik „zum Erfolg verdammt“. Der springende Punkt sei die Netzparität. Diese sei nach Auffassung von Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) dann erreicht, wenn die Energieunternehmen ohne staatlichen Zwang Photovoltaikanlagen errichten, um den Strom in ihre Netze einzuspeisen. Die LBBW gehe davon aus, dass dies bei Stromgestehungskosten von rund 17,5 Cent pro Kilowattstunde der Fall sei. Derzeit liegen die Gestehungskosten für Solarstrom bei etwa 47 Cent. Laut LBBW sei aber bereits um das Jahr 2014 mit dem Erreichen der Netzparität zu rechnen. Fronius könne und wolle mit seiner Wechselrichtertechnologie diese Entwicklung fördern. Ausdrücklich wies Panhuber darauf hin, dass arsenal research maßgeblich zu dieser Technologie beigetragen habe: „Wir würden uns freuen, wenn wir die Zusammenarbeit im Rahmen der Technologieplattform Photovoltaik ausbauen könnten.“

Deckel weg

Unterdessen geht der Kampf der Solarenergienbranche an einer gewissermaßen traditionellen Front weiter. Kronberger wiederholte auch bei der Photovoltaiktagung seine Forderung nach einer weiteren Novelle des erst heuer überarbeiteten Ökostromgesetzes. Die Begrenzung der jährlich neu hinzukommenden Förderungen für Ökostrom auf 21 Millionen Euro müsse fallen.

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