Druckfrisch: der Nachhaltigkeitsbericht der Wiener Stadtwerke Bild: Archiv
Wiener Stadtwerke präsentieren ersten Nachhaltigkeitsbericht
2007 fast 830 Millionen Euro in Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, Kraftwerksertüchtigungen und sonstige Infrastrukturvorhaben investiert – Nachhaltigkeitsbericht nach internationalen Regelwerken zertifiziert – umfassendes Nachhaltigkeitsprogramm
(Wien, 15. 05. 2008) Ihren ersten konzernweiten Nachhaltigkeitsbericht präsentierten heute die Wiener Stadtwerke. Auf 90 Seiten bietet dieser eine umfassende Darstellung des Unternehmens in allen drei Bereichen der Nachhaltigkeit, also in Hinblick auf dessen Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Verantwortung. In wirtschaftlicher Hinsicht verzeichneten die Stadtwerke im Berichtsjahr 2007 einen Jahresumsatz von rund 2,4 Milliarden Euro, der um 0,8 Prozent über dem des Jahres 2006. Der Konzernüberschuss wird mit 50 Millionen Euro beziffert und ist laut Generaldirektor Felix Joklik der „beste der Konzerngeschichte“. Die Stadtwerke gliedern sich im Wesentlichen in vier Subunternehmen, die Wien Energie mit einem Jahresumsatz von rund 1,9 Milliarden Euro, die Wiener Linien (391,9 Millionen Euro), die Bestattung Wien mit 32 Millionen Euro und die Beteiligungsmanagement GmbH mit 0,8 Millionen Euro.
Als weitaus größtes Infrastrukturunternehmen in der Region investierten die Stadtwerke 2007 rund 827 Millionen Euro in eine ganze Reihe von Projekten, davon allein rund 434 Millionen Euro in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Von diesen entfielen 271 Millionen Euro in den U-Bahn-Ausbau, insbesondere in die Verlängerung der Linie U2. Bis etwa 2019/2020 werden der Bund und das Land Wien weitere 1,85 Milliarden Euro in den weiteren Ausbau der U-Bahn investieren, kündigte Jokliks Stellvertreterin Gabriele Payr an. Um den Energiebedarf zu optimieren, kommen bei den Schienenfahrzeugen Energierückgewinnungssysteme zum Einsatz. Dabei wird die Bremsenergie in elektrische Energie umgewandelt und ins Stromnetz rückgespeist. Schon seit Jahren sind die „Silberpfeile“ genannten U-Bahn-Züge mit derartigen Systemen ausgerüstet. Payr zufolge sind Geräte in Entwicklung, die dies auch bei älteren Straßenbahngarnituren in wirtschaftlich rentabler Weise möglich machen sollen. Durch die Energierückgewinnung und eine optimierte Fahrweise konnten die Wiener Linien ihren Strombedarf von 2006 auf 2007 um 2,6 Prozent senken. Schon von 2005 auf 2006 war eine Verbrauchsreduktion um 1,7 Prozent erzielt worden. Um Personen mit eingeschränkter Mobilität den Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu ermöglichen, wurden 2007 rund 54 Millionen Euro in Niederflurstraßenbahnen und Niederflurautobusse investiert. Sämtliche Stationen der Wiener U-Bahn sind mit Liften ausgestattet und gelten deshalb als barrierefrei.
Hoher Wirkungsgrad
Was die Wien Energie betrifft, erzeugt diese rund 85,8 Prozent ihres Stroms in Gaskraftwerken. Diese sind samt und sonders als Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK) ausgeführt und erreichen Wirkungsgrade über 80 Prozent. Zum Vergleich: Ein modernes Kohlekraftwerk ohne Wärmeauskopplung, wie es etwa in Deutschland zur Stromerzeugung eingesetzt wird, hat einen Wirkungsgrad von knapp über 40 Prozent. Die Energieeffizienz der Kraftwerke wird laufend verbessert. Voraussichtlich im kommenden Winter etwa wird die Erneuerung und Erweiterung (Repowering) des Blocks 1/2 des Kraftwerks Wien-Simmering abgeschlossen, sagte der für die Wien Energie zuständige Konzernvorstand der Wiener Stadtwerke, Helmut Miksits. Von 2006 auf 2007 sanken die CO2-Emissionen der Wien-Energie-Kraftwerke um 25 Prozent auf rund 2,4 Millionen Tonnen. Auch wenn dies nicht zuletzt durch den milden Winter bedingt war, ist unbestritten, dass moderne KWK-Anlagen im Vergleich zu reinen Strom erzeugenden Kraftwerken oder reinen Heizkraftwerken einen maßgeblichen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen leisten können.
Immer mehr Bedeutung gewinnt in diesem Zusammenhang das Thema Fernkälte. Gemeint ist damit, dass die in KWK entstehende Wärme mittels entsprechender Anlagen (Absorptionskältemaschinen) ähnlich wie bei einem Kühlschrank in Kälte umgewandelt zur Kühlung von Gebäuden genutzt werden kann. Dies ermöglicht, die Wärme auch im Sommer zu verwenden und damit die in den KWK eingesetzten Brennstoffe noch besser zu nutzen. Neben den Gaskraftwerken der Wien Energie spielen dabei auch deren Abfallverbrennungsanlagen eine wichtige Rolle. Erwartet wird, dass die umweltschonende Kühlung von Gebäuden in Hinkunft immer mehr Bedeutung erlangen wird. Herkömmliche Klimaanlagen, die Strom verbrauchen, sind dadurch nicht mehr notwendig.
Verstärkt engagiert sich die Wien Energie auch im Bereich der erneuerbaren Energien. Schon seit 2006 betreibt sie das mit insgesamt rund 60 Megawatt Leistung größte Wald-Biomassekraftwerk Mitteleuropas. Im Zuge des Repowering des Blocks 1/2 des Kraftwerks Simmering wird dort die mit 311 Quadratmetern Fläche bislang größte Photovoltaikanlage Wiens errichtet, die jährlich etwa 22 Megawattstunden Strom erzeugen kann. Bei Neubauten, aber auch bei Gebäudesanierungen, werden für Warmwasser- und Raumwärmebereitstellung immer öfter auch thermische Solaranlagen installiert.
Künftig jährlich
Im Konzernvorstand der Wiener Stadtwerke für den Nachhaltigkeitsbericht zuständig ist Martin Krajcsir, der für die Finanzen, das Beteiligungsmanagement und die EDV verantwortlich zeichnet. Ihm zufolge werden die Stadtwerke künftig jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen und darin die Entwicklungen hinsichtlich der rund 140 Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens dokumentieren. Der Bericht ist nach den Richtlininen der Global Reporting Initiative (GRI) zertifiziert. Die GRI hat einen umfassenden Katalog für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten entwickelt und gilt als eine der international renommiertesten Institutionen in diesem Bereich. Überdies traten die Wiener Stadtwerke dem Global Compact des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Kofi Annan bei. Im Rahmen dessen sind Unternehmen aufgerufen, sich freiwillig an zehn handlungsleitenden Prinzipien zu orientieren, darunter grundlegenden menschenrechtlichen und arbeitsrechtlichen sowie ökologischen Standards vorsehen. Jährlich sollen die Unternehmen, die dem Global Compact angehören, einen Bericht über ihre diesbezüglichen Aktivitäten legen. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 sind dem Compact rund 5.800 Unternehmen aus aller Welt beigetreten.
Inhaltlich verantwortlich für den Nachhaltigkeitsbericht zeichnet die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Wiener Stadtwerke, die ehemalige Wiener Umweltstadträtin Isabella Kossina, die gemeinsam mit Ilse Stockinger die Beteiligungsmanagement GmbH (BGM) der Wiener Stadtwerke leitet. Der Bericht ist unter www.nachhaltigkeit.wienerstadtwerke.at zum Download verfügbar.