ARO-Altpapiersammlung: Laut Knausz neuer Rekord Foto: ARA
ARO: Keine Angst vorm Wettbewerb
2007 rund 344.000 Tonnen Altpapier im ARA-System gesammelt – ARO-Chef Knausz: Überlegungen des Umweltministeriums zur Neugestaltung der Verpackungssammlung vernünftig – besser als Deutschland – ARO will als Know-how-Lieferant in Osteuropa tätig werden
(Wien, 25.03.2008) Die Überlegungen des Umweltministeriums zur Umgestaltung der Verpackungssammlung in Österreich seien zu begrüßen. Das sagte Werner Knausz, der Geschäftsführer der ARO (Altpapier-Recycling-Organisationsgesellschaft), die im Rahmen des Verpackungssammelsystems ARA für die Altpapiersammlung zuständig ist, heute bei der Präsentation der Jahresbilanz seines Unternehmens in Wien. Knausz erläuterte, nach seinem Verständnis gehe es darum, gleiche Bedingungen für alle in der Verpackungssammlung tätigen Unternehmen zu schaffen. Das sei durchaus im Sinne der ARA und ihrer Branchengesellschaften: „Wir haben nichts gegen Wettbewerb, aber er muss fair sein. Es darf nicht passieren, dass ein Sammelsystem die rentablen Ballungsgebiete bedient und ein anderes die viel weniger rentablen ländlichen Gebiete abklappern muss.“
Und: Wie immer ein neues System aussehe, zu kompliziert dürfe dieses auch nicht werden. Als negatives Beispiel nannte Knausz Deutschland, wo sieben Systeme tätig seien, die Kosten mit 175 Euro pro Tonne weit über denen in Österreich (105 Euro pro Tonne) lägen und es unter den Altpapiersammlern intensive Diskussionen darüber gebe, „wer wann welche Medikamentenschachtel einsammeln darf.“ Außerdem werde in Deutschland nur noch für die Hälfte bis zwei Drittel der in Verkehr gebrachten Mengen Lizenzgebühr für die Teilnahme an einem der Sammelsysteme bezahlt: „Das heißt, in Deutschland gibt es zwischen 30 und 50 Prozent Trittbrettfahrer.“ In Österreich dagegen würden die Lizenzgebühren für 90 Prozent der in Verkehr gebrachten Mengen entrichtet.
Seit dem Jahr 2000 hatte die ARO ihre Lizenzgebühren schrittweise um rund 50 Prozent gesenkt. Weitere Senkungen stehen allerdings nicht an, warnte Knausz: Im Gegenteil sei für die kommenden Jahre mit steigenden Gebühren zu rechnen. Details dazu nannte der ARO-Chef nicht. Er betonte, so maßvoll wie möglich vorgehen zu wollen: „Die Gebühren anheben müssen wir aber sicher.“
Neuer Rekord
Mit rund 344.000 Tonnen Altpapier sammelte die ARO im Jahr 2007 um 2,3 Prozent mehr als 2006. Dies sei ein „neuerlicher Rekord“, sagte Knausz. Als Grund nannte er die bislang gute Konjunktur, die üblicherweise einen höheren Papierbedarf zur Folge habe. Insgesamt wurden in Österreich im Jahr 2007 rund 587.000 Tonnen Verpackungen aus Papier, Karton. Pappe und Wellpappe in Verkehr gebracht und 516.000 Tonnen davon wiederverwertet. Der ARO-Anteil an der Sammlung liegt somit bei rund zwei Dritteln. Das restliche Drittel wird über die kommunalen Abfallsammelstellen sowie Unternehmen und Institutionen mit hohem Papierbedarf selbst gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Im Gewerbe liegt die Sammelquote bei insgesamt etwa 90 Prozent, bei den Haushalten bei 82 Prozent.
Um den Altpapierbedarf der in Österreich ansässigen Papierindustrie zu decken, reichen die Sammelmengen allerdings bei Weitem nicht aus. Laut Knausz mussten im vergangenen Jahr rund 1,4 Millionen Tonnen Altpapier importiert werden. Die Preise belaufen sich auf etwa 70 bis 80 Euro pro Tonne, Spitzenwerte liegen bei mehr als 100 Euro. Im Jahr 2000 wurden noch Preise von etwa 30 bis 40 Euro pro Tonne verrechnet. Laut Knausz ist mit einem Andauern des hohen Preisniveaus zu rechnen. Als Grund nennt er den weltweit steigenden Bedarf. Vor allem in China sowie in Südostasien sei erhebliches Wachstum zu verzeichnen.
Go east
Strategisch gesehen, plant die ARO, als Know-how-Lieferant in den östlichen Nachbarstaaten Österreichs tätig zu werden, sagte Knausz. Erste Schritte könnten noch heuer erfolgen: „Wir untersuchen derzeit Projekte, die innerhalb der kommenden drei Jahre umgesetzt werden können.“ Dass die ARO im Ausland nicht als Systembetreiber tätig werden will und mangels finanzieller Möglichkeiten auch nicht kann, sei dabei eher ein Vorteil. Gegenüber großen Abfallwirtschaftskonzernen gebe es nämlich mancherorts erhebliche Ängste: „Wenn ein Riese wie Remondis erst einmal in Budapest tätig ist, schnupft der das Abfallwirtschaftsamt der Stadt ohne Taschentücherl.“
Unterdessen endete heute die Frist, innerhalb derer die ARA zu den Vorwürfen der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) Stellung nehmen konnte. Laut BWB soll die ARA in ihrer Anfangszeit die zu erwartenden Sammelmengen bewusst falsch berechnet haben, um höhere Lizenzgebühren kassieren zu können. Mit Hilfe des so erwirtschafteten Finanzpolsters soll es möglich gewesen sein, die Lizenzgebühren in den vergangenen Jahren zu senken und damit Wettbewerber vom Markt fernzuhalten. ARA-Kreise verlauteten diesbezüglich gegenüber dem UMWELTSCHUTZ, von den Vorwürfen könne nach menschlichem Ermessen nichts übrig bleiben. Es habe keinerlei bewusste Falschberechnung zu erwartender Sammelmengen gegeben. Gegenteilige Behauptungen seien nachweislich „kompletter Nonsens.“
ARO-Altpapier-Sammelmenge 2007 Angaben in Kilogramm