Kartonkonzern Mayr-Melnhof: Ergebnis nicht von Pappe Foto: Mayr-Melnhof
Mayr-Melnhof meldet „Rekordergebnis“
Jahresüberschuss um fast neun Prozent gewachsen, Umsatzerlöse um rund 15 Prozent gestiegen – bis 2012 kein Problem mit Emissionshandel – Konzernchef Hörmanseder rechnet mit Abschwächung des EU-Klimapakets – UVP für Abfallverbrennung Frohnleiten läuft – ARA arbeitet bestens
(Wien, 13.03.2008) Der Kartonkonzern Mayr-Melnhof steigerte seinen Jahresüberschuss von 2006 auf 2007 um 8,7 Prozent auf 116,6 Millionen Euro. Die Umsatzerlöse erhöhten sich um 14,8 Prozent auf 1.737,0 Millionen Euro. Das teilte Konzernchef Wilhelm Hörmanseder bei der heutigen Bilanzpressekonferenz in Wien mit. Hörmanseder sprach von einem „weiteren Rekordjahr“. Beide Geschäftsbereiche, die Kartonherstellung wie auch die Verpackungsproduktion, hätten Umsatz- sowie Ergebnisanstiege erzielt. Das Unternehmen sei „schneller als die Wettbewerber“ gewachsen. Etwa 90 Prozent der Jahresproduktion von insgesamt 1,7 Millionen Tonnen Karton seien Recyclingkarton. Damit sei Mayr-Melnhof der größte Recyclingkartonhersteller der Welt. Hörmanseder hob insbesondere die hohe Eigenkapitalquote von 60,9 Prozent sowie die faktische Schuldenfreiheit des Konzerns hervor. Dank einer „sehr soliden Ertragslage“ und einer starken Finanzbasis sei dieser vergleichsweise „wetterfest“ und verfüge über ausreichende Mittel für geplante weitere Investitionen sowie den „Expansionskurs in beiden Segmenten.“ Details dazu wollte er nicht bekannt geben.
Klimapaket mit Fragezeichen
Zumindest bis Ende 2012 macht Hörmanseder auch der EU-interne Handel mit CO2-Zertifikaten keine Sorge. Mayr-Melnhof habe die für die am 1. Jänner angelaufene zweite Handelsperiode beantragten Zertifikate bekommen und brauche daher keine zu kaufen. Zum Ende Jänner präsentierten Klimapaket der EU sagte Hörmanseder, er glaube nicht, dass dieses tatsächlich umgesetzt wird. Angesichts der seiner Ansicht nach zu erwartenden gravierenden volkswirtschaftlichen Auswirkungen rechnet er mit einer Abschwächung. Hörmanseder erläuterte, falls die Kosten für die Förderung erneuerbarer Energien und für klimapolitische Maßnahmen zu hoch würden, verlagerten die Unternehmen ihre Investitionen in Länder, in denen derartige Belastungen geringer seien: „Das sieht man nicht nächstes Jahr und nicht übernächstes, aber im Lauf des kommenden Jahrzehnts.“
Seiner Ansicht nach sind die USA „viel vernünftiger unterwegs“ als die EU. Die Amerikaner scheuten sich nicht, Importzölle zu verhängen, wenn sie glaubten, dass Produkte aus anderen Ländern ihre Umweltstandards nicht erfüllten. In der EU werde dergleichen nicht einmal ernsthaft angedacht: „Da heißt es sofort: Das könnte dem Freihandel widersprechen. Also machen wir es lieber nicht.“
Kein Abfall-Problem
Zur in den vergangenen Tagen laut gewordenen Kritik an der geplanten Abfallverbrennungsanlage in Frohnleiten in der Steiermark sagte Hörmanseder, die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sei im Gange. Innerhalb der kommenden zehn Tage werde das Projekt den Anrainern vorgestellt. Deren Stellungnahmen würden von den zuständigen Behörden im Rahmen der UVP gewürdigt. Voraussichtlich um die Jahresmitte sei mit einer Baugenehmigung zu rechnen. Weil dann aber noch die zu erwartenden Auflagen in das Projekt eingearbeitet werden müssten, könne voraussichtlich erst 2009 mit dem Bau begonnen werden. Die Inbetriebnahme ist für 2010 geplant. Laut Hörmanseder würde die Anlage den Standort Frohnleiten energieautark machen. Die zu verbrennenden Abfälle – im Wesentlichen zu sortierten industriellen Brennstoffen aufbereitetes Holz und Plastik – werden aus Österreich sowie dem angrenzenden Ausland kommen.
Keinen Anlass sieht Hörmanseder übrigens für eine Neuordnung der Verpackungssammlung in Österreich. Das dafür zuständige ARA-System funktioniert nach seinen Angaben bestens. Auch Wettbewerbsverzerrungen, wie sie die Bundeswettbewerbsbehörde vermutet, sieht er nicht.