Am 11. Juni verleiht der Bohmann-Verlag im Beisein von Umweltminister Josef Pröll wieder die „Daphne – Spirit of Environment", den österreichischen Innovationspreis für umweltfreundliche Projekte und Produkte.
Verliehen wird die „Daphne“ auch heuer wieder in Gold, Silber und Bronze. Folgende Kriterien werden bei der Beurteilung der Projekte berücksichtigt:
- Neben „klassischem“ Umweltschutz (Ressourcenschonung, ordnungsgemäßes Abfall- und Abwassermanagement) beachtet ein Unternehmen auch die anderen Säulen der Nachhaltigkeit, langfristige Gewinnorientierung und gesellschaftliche Verantwortung.
- Regionale Wertschöpfung steht im Vordergrund. Diese kann im Zuge grenzüberschreitender Kooperationen ebenso erfolgen wie durch Aufbau von Präsenzen insbesondere, aber nicht ausschließlich, in Zentral- und Osteuropa.
- Das Unternehmen orientiert sich explizit oder implizit am MIPS-Konzept (Material-Input pro Einheit Service), das auch auf den Dienstleistungsbereich angewendet werden kann. Dies entspricht den Forderungen der EU nach größtmöglicher Ressourceneffizienz.
- Das Unternehmen trägt der Idee der „Clean(er) Energy“ Rechnung (z.B. Umstellung einer Energieerzeugungsanlage von Kohle auf Erdgas oder Biomasse, Einsatz von Clean-Coal-Techniken oder erneuerbarer Energieträger, Implementierung von Energieeffizienz-Maßnahmen in den Bereichen Strom sowie Raum- und Prozesswärme inklusive Wärmedämmung). Damit wird auch dem Klimaschutzgedanken Rechnung getragen.
Nominierte Projekte
Mehrere Projekte sind bereits nominiert. Eines davon ist die Entwicklung barrierefreier Container für Verpackungsmaterialien, die die ARGEV in Angriff genommen hat. „Barrierefrei“ bedeutet, dass Menschen mit körperlichen Behinderungen, aber auch gebrechliche ältere Personen und Kinder, die Container ohne Schwierigkeiten benutzen können sollen. Welche Hürden es gibt, ließ die ARGEV im vergangenen Jahr in einer umfassenden Studie erheben. Für Rollstuhlfahrer beispielsweise sind 1.100-Liter-Behälter, die durch Betätigen eines Fußhebels geöffnet werden müssen, nutzlos. Ihnen bereiten auch hohe Conainer Probleme. Personen mit eingeschränkter Sehkraft wiederum können die Symbole auf den Sammelbehältern oft schlecht erkennen.
Solche und andere „Barrieren“ sollen in den kommenden Jahren schrittweise beseitigt werden. Gearbeitet wird auch an Möglichkeiten, um Gehstöcke an den Abfallbehältern fixieren zu können. So würden diese auch für Menschen, die einen Gehstock brauchen, benutzbar.
Kaffee wird nachhaltig
Nominiert ist auch der Grazer Kaffeeproduzent Karl Heissenberger, der sich dem Thema „Nachhaltiger Konsum“ verschrieben hat. Von der Pflanze bis zur Tasse kümmert sich der Unternehmer darum, dass der Kaffee unter Beachtung ökologischer und sozialer Kriterien produziert wird. Im Hochland von Ecuador, etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Quito, befindet sich eines der wichtigsten Anbaugebiete, aus denen er „seinen“ Kaffee bezieht – überwiegend von Nebenerwerbsbauern, die auf Flächen von rund drei bis sechs Hektar 40 bis 50 Sack pro Jahr produzieren. Er bezahlt dafür höhere Preise als große internationale Lebensmittelkonzerne, verlangt dafür aber auch Qualität.
Überdies plant Heissenberger die Einrichtung einer Biorösterei in Graz, in der Menschen aus den Ländern, aus denen Heissenberger seinen Kaffee bezieht, das Handwerk erlernen können. In Österreich arbeitet Heissenberger mittlerweile mit REWE-Billa im Rahmen der Produktschiene „Ja!Natürlich“ zusammen. Überdies beliefert er mehrere Wiener Krankenhäuser, darunter das Otto-Wagner-Spital und das Sozialmedizinische Zentrum (SMZ) Ost. Sein Absatz liegt im dreistellten Tonnenbereich, seinen Anteil am österreichischen Kaffeemarkt beziffert er mit rund sieben Prozent. Einer breiteren Öffentlichkeit stellte Heissenberger sein Projekt beim einer Veranstaltung des B.A.U.M.-Austrian Network for Sustainable Management im November 2007 vor.
Stoffströme analysiert
Für die Abfallwirtschaft interessant ist das dritte nominierte Projekt. Es geht im die Software STAN, mit der auf einfache Weise Güter- und Stoffflussanalysen gemäß der für die Abfallwirtschaft maßgeblichen ÖNORM S 2096 durchgeführt werden können. Als „Freeware“ ist STAN unter www.iwa.tuwien.ac. at/iwa226/stan.html kostenlos erhältlich. STAN erstellt Modell der jeweils zu analysierenden Abläufe mit Hilfe vorgefertigter Komponenten (Prozesse, Flüsse, Systemgrenze, Textfelder). Nachdem alle verfügbaren Daten für die unterschiedlichen Ebenen und Zeitabschnitte eingegeben wurden, kann das Programm eventuell unbekannte Größen rechnerisch ermitteln. Das Bild des Systems ist jederzeit als sogenanntes Sankey-Diagramm verfügbar. Je größer ein Stoffstrom ist, desto breiter wird er im Diagramm dargestellt. Der Datenimport und -export erfolgt über Microsoft Excel als Schnittstelle. STAN ist in Deutsch und Englisch erhältlich.
Power-Batterie
Für die „Daphne – Spirit of Environment“ nominiert ist weiters die Eisenstädter Cellstrom GmbH für den elektrochemischen Energiespeicher FB 10/100, der der auf der Technologie der Vanadium Redox Flow Battery (VRB) basiert. Dabei wird die elektrische Energie in flüssigen Elektrolytlösungen gespeichert, die aus wässriger Schwefelsäure und darin gelöstem Vanadium bestehen. Aus zwei Tanks werden die Elektrolyte durch elektrochemische Energiewandler gepumpt, die sogenannten Leistungsblöcke. Durch Oxidation des Vanadiums lädt sich der Energiespeicher auf, durch Reduktion gibt er Strom ab. Bei einer Entnahme von rund 80 Prozent der gespeicherten Energie sind etwa 10.000 Lade-Entlade-Zyklen möglich. Somit ergibt sich eine Lebensdauer zwischen zehn und 20 Jahren. Der Elektrolyt selbst ist praktisch unbegrenzt haltbar. Wie viel Energie gespeichert werden kann, hängt von der verwendeten Elektrolytmenge ab. Um die Leistung zu steigern, muss nur die gewünschte Zahl von FB-10/100-Speichern zusammengeschaltet werden. Jedes davon hat eine Leistung von bis zu zehn Kilowatt.
Zu den möglichen Anwendungen gehört eine Solartankstelle, deren Prototypen Cellstrom gemeinsam mit der deutschen Solartechnikfirma Solon entwickelte. Deren „Mover“ ermöglichen es, Photovoltaikpaneele zur Stromerzeugung nach dem Sonnenstand auszurichten und so deren Ertrag zu maximieren. Der so erzeugte Strom wird in der FB 10/100 zwischengespeichert und für die Aufladung von Elektrofahrzeugen bereitgestellt. Auf diese Weise werden unter anderem die Elektroscooter der Type Vectrix Electric Maxi betrieben. Sie erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern.
Neues Licht
Eine neuartige Lichtdiode (LED) hat die Jennersdorfer Firma Lumitech entwickelt. Gegenüber herkömmlichen Glühbirnen soll damit eine Energieeinsparung von bis zu 85 Prozent möglich sein. Gegenüber Gasglühlampen (Energiesparlampen) wird als Vorteil angegeben, dass LED kein Quecksilber beinhalten. Die Lichtausbeute wird derzeit mit 60 bis 70 Lumen pro Watt (lm/W) angegeben. Energiesparlampen erreichen bis zu 75 lm/W.
Einsatzmöglichkeiten für ihre Neuentwicklung sieht die Lumitech unter anderem in Museen, Geschäftslokalen, Büroräumlichkeiten und im Gesundheitsbereich. Weil die LED von Lumitech in phosphorhältigem Material eingebettet sind („PI-LED“), geben sie die natürlichen Farben sehr gut wieder. Ihr Farbwiedergabeindex (Ra) liegt mit einem Wert von mehr als 90 nur geringfügig unter dem von Glüh- und Halogenlampen. Diese weisen mit Ra=100 die beste Farbwiedergabe auf, sind aber von der Energieeffizienz hergesehen den LED weit unterlegen. Experten gehen davon aus, dass LED in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen werden.
Feistritzwerke-Steweag machen mobil
Ein Fünftel der jährlich gefahrenen Kilometer einsparen und keine fossilen Kraftstoffe mehr verwenden will der Stromversorger Feistritzwerke-Steweag im steirischen Gleisdorf. Ermöglichen soll das ein umfassendes Mobilitätskonzept, das den Einsatz von Pflanzenöl und Hybridautos sowie Elektrofahrzeugen vorsieht. Der Strom für die letzteren kommt laut Feistritzwerke-Steweag aus Photovoltaikanlagen, mit Pflanzenöl befeuerten Blockheizkraftwerken, Biogasanlagen, Kleinwasserkraftwerken und Windkraftanlagen. Gearbeitet wird an Projekten für die Herstellung von Pflanzenöl und Biogas in der Oststeiermark. Dadurch soll über kurz oder lang ein „oststeirischer Treibstoff-Energiekreislauf“ entstehen.
Um die Zahl der gefahrenen Kilometer möglichst gering zu halten, setzt das Unternehmen ein Flottenmanagementsystem ein. Dieses ist in allen Dienstautos installiert und mit GPS sowie einem grafischen Informationssystem gekoppelt. Wie die Feistritzwerke-Steweag in ihren Bewerbungsunterlagen für die „Daphne“ verlauten, wurden für sämtliche Mitarbeiter Spritsparseminare samt Wettfahrten abgehalten. Als Ziel gibt das Unternehmen an, die Zahl der Firmenfahrten kurzfristig um zehn Prozent und langfristig um mindestens 25 Prozent zu reduzieren und den benötigten Treibstoff zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie abzudecken.
Im Rahmen des Mobilitätskonzepts animiert das Unternehmen seine Mitarbeiter übrigens auch dazu, Fahrgemeinschaften zu bilden, und öffentliche Verkehrsmittel sowie, soweit machbar, auch Fahrräder zu nutzen.
Klärschlamm zu Hochwertdünger
Mit einer speziellen Art von Recycling setzt sich die Firma ASH DEC auseinander. Sie hat eine Methode entwickelt und zur Industriereife gebracht, mit der aus Klärschlammasche weitestgehend schadstofffreie Düngemittel erzeugt werden können. Wichtig ist das deshalb, weil die EU-Deponierichtlinie die in den vergangenen Jahrzehnten übliche Ausbringung von nicht aufbereitetem Klärschlamm als Dünger verbietet. Ashdec verbrennt den Klärschlamm und entfernt anschließend Quecksilber, Kadmium, Blei, Zink und Kupfer weitgehend aus der Asche. Das Ergebnis ist ein hochwertiger Dünger, der laut Angaben des Unternehmens alle Grenzwerte der einschlägigen Verordnungen einhält und bei zahlreichen kritischen Parametern handelsüblichem Düngemitteln überlegen sein soll. Laut ASH DEC gilt dies unter anderem bezüglich der Belastung mit Cadmium und Uran.
Im Zug der Behandlung werden die unerwünschten Schwermetalle über die Rauchgasreinigung abgeschieden und die Nährstoffe für Pflanzen verfügbar gemacht. Wiederverwertbare Nährstoffe sind vor allem Phosphor, Magnesium und Kalium. In Klärschlammaschen liegt Phosphor in einer Konzentration vorliegt, die etwa 30 bis 60 Prozent des Gehaltes von natürlichen Phosphor-Rohstoffen entspricht.
Weitere Nominierte
Für die „Daphne“ des heurigen Jahres nominiert ist auch die neuartige Bewässerungstechnologie der Wiener Firma HYDRIP, eines Spin-offs der Universität für Bodenkultur. Das Wesentliche daran sind die Unterflur-Bewässerungs-Schläuche. Sie sind so konstruiert, das ein Einwachsen von Pflanzenwurzeln nahezu unmöglich wird. In Ägypten ist die Technologie bereits versuchsweise im Einsatz. Sie könnte im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Klimawandels Bedeutung erlangen.
Ebenfalls nominiert ist das Reparatur- und Servicezentrum (R.U.S.Z.) für sein Waschmaschinentuning , eine gelungene Kombination von Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlicher Verantwortung. Im Rahmen des Waschmaschinentunings ist es möglich, den Energieverbrauch einer 13 Jahre alten Waschmaschine um rund 20 Prozent zu reduzieren. So wird aus einem Gerät der Effizienzklasse C eines der Effizienzklasse A. Der Kauf eines Neugeräts kann damit vermieden werden. Umfassende Umweltanalysen zeigen, dass die Verlängerung der Nutzungsdauer gegenüber einem frühen Neukauf durchaus ökologische Vorteile bringen kann. Reine Energiebilanzen, also Evaluierungen von Gütern ausschließlich auf der Grundlage des dafür nötigen Energieeinsatzes, können dagegen bisweilen zu falschen Schlussfolgerungen hinsichtlich der gesamtökologischen Auswirkungen führen.
Intelligente Gasnetze
Mit dem Forschungsprojekt „Intelligente Gasnetze der Zukunft“ will die Wiener Investmentfirma New Energy Capital Invest punkten. Im Strombereich gibt es bereits mehrere Projekte zur Entwicklung „intelligenter“ Netze, die dank verbesserter IT-Einbindung der Systemkomponenten helfen, die Effizienz der Energieversorgung zu verbessern und deren Kosten zu senken. Im Rahmen des für die „Daphne“ nominierten Projekts sollen ähnliche Forschungsarbeiten auch für Gasnetze konzipiert werden. Die Ziele der geplanten Grundlagenstudie sind das Erarbeiten eines Visions- und Strategiepapiers für ein intelligentes Gasnetz („Smart Gas Grids“), die Identifikation und Analyse von praktischen Ansatzpunkten auf Basis der bestehenden Netze (Verbesserungsmaßnahmen, Komponentenentwicklung), das Erarbeiten einer theoretischen Grundlage für intelligente, dezentrale Gasnetze („Greenfield“-Ansatz), das Erarbeiten eines Entwurfes für eine „Strategic Research Agenda“ sowie die Identifikation von Forschungsfragestellungen und Möglichkeiten für Demonstrationsprojekte („Leuchttürme der Innovation“).
New Capital Energy Invest plant, auch die maßgeblichen Akteure der österreichischen Gaswirtschaft einzubinden und den Erfahrungsaustausch mit den Akteuren auf europäischer Ebene zu pflegen. Mit ihnen soll ein Bündel von Forschungsprojekten zu einem Leitprojekt „Intelligente Gasnetze der Zukunft“ entwickelt werden. Experten rechnen damit, dass Erdgas in den kommenden Jahrzehnten weiter an Bedeutung gewinnen wird. Einer der Gründe ist, dass es den geringsten Kohlenstoffgehalt aller fossilen Energieträger aufweist und daher eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels spielen kann.
Integerierte Sonne
Für die „Daphne“ nominiert ist auch der Gebäudehüllenhersteller Prefa für sein System „Prefalz Voltaik“, mit dem Photovoltaikmodule in Stehfalzdächer integriert werden können. Verwendet werden dabei Dünnschichtsolarzellen der US-amerikanischen Firma Unisolar. Diese werden als 2,5 Zentimeter dicke Laminate auf die Dachfläche aufgetragen und ergänzen das Dach „wie eine zweite Haut“, heißt es seitens Prefa. Damit bleibt das Erscheinungsbild des Daches erhalten, und überdies wird auf vergleichsweise umweltverträgliche Art Strom produziert.
Die Solarmodule bestehen aus drei übereinander angeordneten Silizium-Halbleiterschichten. Mit Hilfe dieser als „Triple Junction“ benannten Technologie wird die Energieausbeute gegenüber normalen kristallinen Solarzellen um etwa 20 Prozent verbessert, weil die verschiedenen Schichten Licht unterschiedlicher Wellenlängen zur Stromerzeugung nutzen. Dies trägt auch dazu bei, dass die Solarzellen binnen zwei bis drei Jahren die zu ihrer Herstellung nötige der Solarzellen Energie erzeugen. Ihre „Energieamortisationszeit“ ist somit erheblich geringer als die normaler Solarzellen. Diesen gegenüber haben Dünnschicht-Solarzellen auch den Vorteil, dass weniger Silizium zu ihrer Herstellung erforderlig ist. Prefa garantiert, dass die Leistung der Zellen nach 20 Betriebsjahren noch etwa 80 Prozent der ursprünglichen Leistung erbringt. Eine dauerelastische und UV-beständige Polymerschicht schützt die Zellen vor Wetterphänomenen wie Hagel und Eisregen.
Die Integration von Solarzellen in Gebäudehüllen gilt als wichtige Technologie zur Energieeinsparung im Gebäudebereich. Sie hat auch in die österreichische Photovoltaik-roadmap Eingang gefunden.
Nominierungen noch bis 28. April
Weitere Nominierungen nimmt die Redaktion bis 28. April unter der E-Mail-Adresse umweltschutz@bohmann.at gerne entgegen. Erforderlich für die Nominierung ist eine Kurzdarstellung des Projekts oder Vorhabens im Umfang von zwei Seiten sowie eine Langfassung im Ausmaß von acht bis maximal zehn Seiten. Eine Jury unter dem Vorsitz des ehemaligen UMWELTSCHUTZ-Chefredakteurs Leopold Lukschanderl wählt aus den besten Vorschlägen die drei Hauptpreisträger. Ihr gehören der Nachhaltigkeitsexperte Alfred Strigl sowie Dominik Schreiber von der Wiener Umweltanwaltschaft an.