OECD warnt: Nicht überdüngen Foto: Creative Collection
OECD: Irreversible Umweltschäden vermeiden
„Environmental Outlook to 2030“: Klimawandel und Verlust an Artenvielfalt als besondere Probleme – Maßnahmen nicht nur bei Energie und Verkehr, sondern auch bei Landwirtschaft und Fischerei nötig – auch „aufstrebende Volkswirtschaften“ wie Brasilien, Russland, Indien und China gefordert
(06.03.2008) „Wenn keine neuen Politikmaßnahmen ergriffen werden, laufen wir Gefahr, das ökologische Fundament für dauerhaften wirtschaftlichen Wohlstand in den nächsten Jahrzehnten irreversibel zu schädigen.“ Das ist eine der Kernaussagen des neuen „Environmental Outlook to 2030“ der OECD. So sei etwa ein weiterer Anstieg der Emissionen an Treibhausgasen (THG) von 37 Prozent und bis 2050 sogar um 52 Prozent zu erwarten. In diesem Fall könnten die weltweiten Durchschnittstemperaturen im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um 1,7 bis 2,4 Grad Celsius steigen. Verbunden damit wären laut OECD „vermehrte Hitzewellen, Stürme, Dürreperioden und Überschwemmungen.“ Auch der Agrospritboom hätte laut OECD keineswegs nur positive Auswirkungen. Weil dieser zur notwendigen Nahrungsmittelproduktion hinzu kommt, sei eine Ausweitung der weltweiten Anbauflächen um rund zehn Prozent erforderlich. Die Folge wäre ein weiterer Verlust der natürlichen Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten – mit unabsehbaren Folgen, warnt die OECD: „Der fortgesetzte Verlust an biologischer Vielfalt dürfte die Kapazität der Erde beeinträchtigen, jene wertvollen Ökosystemleistungen zu erbringen, die die Grundlagen des Wirtschaftswachstums und des menschlichen Wohlbefindens bilden.“
Aus diesem Grund müsse die Politik endlich eingreifen – vor allem in jenen Sektoren, die am meisten zur Verschlechterung des Umweltzustands beitragen. Laut OECD sind dies Energie, Verkehr, Landwirtschaft und Fischerei. In die Pflicht zu nehmen seien dabei insbesondere auch „aufstrebende Volkswirtschaften“, namentlich die der OECD nicht angehörenden „BRIC“-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Ausdrücklich warnt die OECD davor, ausschließlich auf wirtschaftliche Liberalisierung und Freihandel zu setzen. Beides könne „in einer effizienteren globalen Ressourcenallokation resultieren, vorausgesetzt, die umweltpolitischen und institutionellen Rahmenbedingungen stimmen. Ist dies nicht der Fall, kann die Globalisierung Markt- und Politikversagen verstärken und Umweltbelastungen intensivieren.“
Nicht nur Umweltminister
Zum Handeln aufgefordert seien deshalb nicht nur die Umweltminister. Vielmehr müsse ressortübergreifend agiert werden. Was die einzelnen Sektoren betrifft, empfiehlt die OECD folgende Maßnahmen:
Im Energiebereich seien erneuerbare Energien sowie kohlenstoffarme Energieerzeugungstechnologien zu fördern, ebenso wie Technologien zur CO2-Abscheidung aus Kraftwerks- sowie Industrieabgasen und deren Lagerung (CCS). Weiters dürfe sich die Politik nicht auf bestimmte Technologie- und Brennstoffoptionen festlegen, sondern müsse sich alle Möglichkeiten offen halten. Nicht sinnvoll sei beispielsweise eine Konzentration auf die Förderung von Agrokraftstoffen.
Im Verkehrssektor empfiehlt die OECD, die vollen Kosten für Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Kraftstoffsteuern und Straßenbenutzungsgebühren den Verursachern aufzubürden. Die Politik müsse „Mobilität und Erreichbarkeit garantieren, nicht den Verkehr an sich.“
In der Landwirtschaft seien umweltschädliche Subventionen gänzlich abzuschaffen. Der Einsatz von Chemikalien sei zu besteuern, um diesen zu bremsen. Mittels Abgaben auf Bewässerungswasser sei eine rationellere Wassernutzung zu fördern.
Im Fischfang schließlich sei eine Begrenzung der Gesamtfangmengen, die Regulierung von Fangmethoden, -zeiten und –gebieten sowie eine Beseitigung der Subventionen zur Ausweitung der Fangkapazitäten nötig.
Zwar werde oft argumentiert, dass Umweltauflagen die Wirtschaft schädigten und deren Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigten. Nichts zu tun, könne jedoch langfristig erheblich schwerere Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, warnt die OECD.