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ABFALL DETAILS
In die Tiefe: Auf der Altlast N 17
in Wiener Neustadt wird
eifrig gegraben. Foto: Archiv
EVN saniert Altlast in Wiener Neustadt


Abschluss der Arbeiten voraussichtlich bis Jahresende – Sanierung durch Bilfinger Berger und Alpine Bau nach Konzept von Porr Umwelttechnik – Mehrkosten von rund einer halben Million Euro durch ALSAG-Novelle

(Wien, 20.02.2008) Voraussichtlich bis Jahresende wird die EVN die Sanierung der rund 2,2 Hektar großen „Altlast N 17“ beim Wiener Neustädter Bahnhof abschließen. Das sagte der Umweltbeauftragte des Unternehmens, Hans-Georg Rych, heute bei einer Pressekonferenz auf dem Sanierungsgelände. Auf diesem wurde von 1860 bis 1960 ein Gaswerk betrieben, das durch Destillation von Steinkohle Stadtgas erzeugte. Als Nebenprodukte fielen unter anderem Koks, Teer, Schwefel, Gaswasser, Ammoniak und das früher zur Konservierung von Eisenbahnschwellen sowie Telegraphenmasten verwendete Karbolineum an. Nicht zuletzt infolge der heftigen Bombardierungen der Stadt im Zweiten Weltkrieg ist das Gelände bis in eine Tiefe von 13 Metern mit diesen Substanzen und den darin enthaltenen krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt. Sie gelangen auch ins Grundwasser, das bereits ab etwa sechs Metern Tiefe auftritt.
Weil der Grundwasserspiegel weiter steigt, muss die Sanierung möglichst rasch abgeschlossen werden. Dies erfolgt, grob gesprochen, durch Ausbaggerung der rund 180.000 Tonnen verunreinigten Erdreichs und die Verfüllung mit sauberem Erdreich. Damit keine Schadstoffe mehr ins Grundwasser gelangen, wird die Baugrube gründlich abgedichtet.
Rund die Hälfte des Aushubmaterials ist nach derzeitigem Stand nur gering verschmutzt und kann bei der Wiederauffüllung verwendet werden. Weitere etwa 70.000 können voraussichtlich ohne Vorbehandlung deponiert werden. Die restlichen 20.000 Tonnen dürften als stark verunreinigt einzustufen sein. Sie sind in der Bodenreinigungsanlage der Wiener ABW zu reinigen.
Seit 1. Jänner wurden bereits 42.000 Tonnen Massenabfall und 9.000 Tonnen nicht deponierbarer Abfall geborgen. Reinhard Höchtl von der Porr Umwelttechnik, die das Sanierungskonzept entwarf, sagte, er hoffe, den Großteil der Sanierung bis 1. April abschließen zu können. Durchgeführt wird diese von der Baugesellschaft Bilfinger Berger und der Alpine Bau, die ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren gewonnen hatten.

Teurer wegen ALSAG-Novelle

Ein rascher Abschluss der Arbeiten wäre auch finanziell vorteilhaft. Derzeit werden die Gesamtkosten der Sanierung auf rund 14,5 Millionen Euro geschätzt. Von diesen trägt 80 Prozent der Altlastensanierungsfonds, 20 Prozent bezahlt die EVN selbst. Das Problem: Am 1. April tritt die im Dezember beschlossene Novelle zum Altlastensanierungsgesetz (ALSAG) in Kraft. Dabei wurde ein Passus gestrichen, demzufolge für Abfälle aus österreichischen Altlasten oder Verdachtsflächen kein ALSAG-Beitrag zu bezahlen ist. Zwar soll dies laut Umweltministerium durch geänderte Bestimmungen bei der Umweltförderung ausgeglichen werden. Aber wann diese in Kraft treten, ist offen. Höchtl schätzt, dass die Sanierung deshalb um rund eine halbe Million Euro teurer wird.
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist zwei Jahre lang zu prüfen, ob keine weiteren Schadstoffe ins Grundwasser gelangen. Die EVN darf das 1960 erworbene Areal sieben Jahre lang nicht veräußern. Andernfalls müsste sie die 80prozentige Förderung durch den Altlastensanierungsfonds zurückbezahlen. Laut Rych wird in dieser Zeit gemeinsam mit der Stadtverwaltung ein Konzept für die Nachnutzung erarbeitet. Das Gelände ist derzeit als Industriegebiet ausgewiesen. Es würde sich auf Grund seiner zentralen Lage sehr gut für Wohnbauten eignen. Fix sei aber noch nichts, sagte Rych.

Belastungen für Anwohner gering halten

Bürgermeister Bernhard Müller zeigte sich zufrieden über den raschen Fortgang der Arbeiten. Er begrüßte die umfangreichen Maßnahmen, um die Belastung der Anwohner möglichst gering zu halten. Wie Rych erläuterte, erfolgen Materialtransporte ausschließlich zwischen 6.30 und 18.30 Uhr. In den Stoßzeiten finden keine LWK-Fahrten statt, um den Verkehrsfluss bei einem nahen Kreisverkehr nicht zu stören. Um die Staubbelastung zu reduzieren, lässt die EVN die angrenzenden Straßen regelmäßig reinigen. LKW, die das Sanierungsgelände verlassen, fahren zuvor durch eine Reifenwaschanlage.
Mit dem Abschluss der Sanierung löst die EVN ein schon seit 1991 bekanntes Problem. Damals plante sie, ihre Regionaldirektion auf dem Gelände zu errichten. Im Zuge der Bauarbeiten stieß sie auf die Verunreinigungen. Der Bau wurde eingestellt und das Areal nach Untersuchungen durch das Umweltbundesamt als Altlast mit Priorität 2 eingestuft. Aus diesem Grund konnte die Sanierung erst nach der Behandlung anderer größerer und gefährlicherer Altlasten wie der Kienerdeponie und der Bergerdeponie erfolgen.

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