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WIRTSCHAFT DETAILS
Öffentliche Hand: Mit mehr
Förderungen will die Pellets-
branche den Markt wieder in den Griff bekommen.
Foto:KWB/Propellets Austria
Pelletsmarkt: Prinzip Hoffnung


Nach erheblichen Absatzrückgängen im heurigen Jahr rechnen die Pellets- und Pelletskesselhersteller für 2008 wieder mit steigenden Verkaufszahlen. Sie hofft auf einen strengen Winter und auf mehr Geld von der Öffentlichen Hand.

(Wien, 14.12.2007) Ein Absatzminus von rund 50 Prozent verzeichneten die österreichischen Pelletskesselhersteller im heurigen Jahr. Das bestätigten heute der Geschäftsführer des Verbandes Propellets Austria, Christian Rakos, und der Marketingleiter des Pelletskesselherstellers Fröling, Martin Burgholzer, bei einer Pressekonferenz in Wien. Im Jahr 2006 seien rund 10.500 Kessel verkauft worden, heuer dagegen nur etwa die Hälfte. Für sein Unternehmen sehe es ähnlich aus, ergänzte Burgholzer. Was das für den Umsatz der Pelletskesselhersteller im Allgemeinen und den Frölings im Besonderen heißt, teilte er auch auf Nachfrage nicht mit. Er stellte aber fest, 2007 sei „kein Katastrophenjahr“ gewesen, vor allem, weil dieses auf das für die Pelletsbranche höchst erfolgreich verlaufene Jahr 2006 folgte. Mit dieser Entwicklung habe niemand in der Szene gerechnet. Für 2008 zeigte sich Burgholzer zuversichtlich: „Ich glaube zwar nicht, dass wir wieder die Zahlen von 2006 erreichen. Aber ein Wachstum gegenüber heuer sollte möglich sein.“ Wie hoch dieses ausfallen werden, hänge nicht zuletzt auch vom Wetter ab: „Wir hoffen natürlich auf einen strengen Winter.“ Schließlich sei der milde Winter 2006/2007 nicht unmaßgeblich für das schlechte heurige Ergebnis verantwortlich zu machen.

Keine Verknappung

Eines werde es auf absehbare Zeit nicht mehr geben, versicherte Rakos: eine annähernde Verdopplung der Pelletspreise wie im Jahr 2006, als wegen Exporten des Holzbrennstoffs ins Ausland dieser im Inland knapp wurde. Die Hersteller hätten ihre Erzeugungskapazitäten massiv ausgeweitet und könnten 2008 rund eine Million Tonnen Pellets produzieren. Der Jahresbedarf in Österreich werde aber nur bei rund 500.000 Tonnen liegen. Und: In der ganzen Welt werde die Pelletsproduktion massiv ausgebaut. Bis 2010 sei mit einer Jahreserzeugung von rund 15 Millionen Tonnen zu rechnen.
Dass dies ein erhebliches wirtschaftliches Risiko ist, weil die Produktion offenbar weit über dem Bedarf liegt und damit die in einer ohnehin schlechten wirtschaftlichen Lage getätigten Investitionen möglicherweise nicht zurückverdient werden können, dementierte Rakos. Die Produktion werde „je nach Bedarf“ erfolgen. Und die Investkosten für Pelletspressen seien „relativ niedrig“. Da mache ein zeitweiser Stillstand von Erzeugungskapazitäten nichts aus. Wenn sich die Pelletierung nicht lohne, würden die Sägewerke als die wichtigsten Pelletserzeuger die Sägespäne „eben so verkaufen. Unsere Industrie ist jetzt sehr flexibel.“ Auch sei es besser, gewisse Überschüsse zu produzieren und auf Vorrat zu halten. So könnten allfällige kurzfristige Versorgungsengpässe wie die im Jahr 2006 vermieden werden.

Stärker fördern

Klar ist für Rakos, was die Pellets- und Pelletskesselerzeuger brauchen, um den Markt wieder in Schwung zu bringen: mehr Unterstützung seitens der Politik, und das nicht zuletzt auch im finanziellen Sinn. Er verwies auf das in Deutschland in Diskussion Gesetz zur Förderung der Wärmeproduktion aus erneuerbaren Energien („EEG-Wärme“). Dieses sieht vor, die entsprechenden Bundesmittel von derzeit 213 Millionen Euro bis 2009 auf 500 Millionen Euro zu verdoppeln. Weiters sieht der von der deutschen Bundesregierung bereits abgesegnete EEG-Wärme-Entwurf vor, dass ab 2009 mindestens 14 Prozent des Raumwärmebedarfs von Neubauten durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Für die Pelletsbranche gibt es ein weiteres „Zuckerl“: Die Basisförderung für Anlagen soll von 1.000 auf 2.000 Euro aufgestockt werden, zusätzliche Gratifikationen sind möglich.
„Eine vergleichbare Regelung wäre auch für Österreich sinnvoll“, sagte Rakos und setzte hinzu: Das Haupthindernis für den Kauf einer neuen Heizung egal welcher Bauart seien die hohen Investitionskosten von rund 12.000 bis 15.000 Euro. Zu hoffen sei daher, dass die Bundes- und Landespolitik die Notwendigkeit höherer Förderungen für den Kesseltausch erkenne und entsprechend handle. Zur Zeit beliefen sich diese in manchen Bundesländern auf weniger als zehn Prozent der Gesamtkosten. In Wien seien es zwar bis zu 50 Prozent, „aber da werden auch nur rund 150 Pelletskessel pro Jahr installiert“, sagte Rakos. Für Ballungsgebiete eigneten sich solche Heizungen eher nicht. Wie hoch die Förderungen sein sollten, teilte Rakos nicht mit. Er forderte aber, die Wohnbauförderung „auf den Klimaschutz zu streamlinen“, um das Heizen mit erneuerbaren Energieträgern attraktiv zu machen.
Dass die Erzeuger die Kosten für die Kessel senken und so aus eigener Kraft den Markt anheizen, ist laut Burgholzer auszuschließen: „Wir haben kaum Spielraum. Eine ausgereifte und hochqualitative Technik wie unsere hat eben ihren Preis.“ Außerdem seien die Stahlpreise weltweit gestiegen, was sich auch nicht gerade kostendämpfend auswirke.

Gegen die „Desinformation“

Finanzielle Anliegen hat Rakos auch in eigener Sache: Sein Verband bekomme derzeit im Rahmen des Programms des Umweltministeriums „klima:aktiv“ 300.000 Euro pro Jahr aus Budgetmitteln. Er wünsche sich eine Verdopplung auf rund 600.000 Euro, um mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben zu können und den von ihm wahrgenommenen „Desinformationen“ unter anderem seitens der Ölheizungshersteller entgegenwirken zu können. Vor einigen Wochen hatte er in diesem Zusammenhang von einer „Kampagne“ seiner Lieblingsfeinde gesprochen, was diese höflich, aber bestimmt zurückwiesen.
Bereits fix ist, dass Propellets Austria die Öffentlichkeitsarbeit im kommenden Frühjahr verstärkt. Im Rahmen von „klima:aktiv“ werde es rund 70 lokale Informationsveranstaltungen über das Heizen mit Pellets geben, sagte Rakos dem UMWELTSCHUTZ. Die würden von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) unterstützt und begleitet, genauer, von deren neuem Mitarbeiter Michael Cerveny. Dieser war bis vor kurzem im Marketing von EnergyCabin tätig, einer Firma, die transportable Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung auf der Basis erneuerbarer Energieträger herstellt.
Rakos und Cerveny kennen einander von ihrer Arbeit in der Österreichischen Energieagentur (vormals Energieverwertungsagentur, E.V.A.), die Cerveny interimistisch leitete. Er folgte dem legendären E.V.A.-Geschäftsführer Manfred Heindler, der für eine weitere Funktionsperiode nicht mehr zur Verfügung stand. Und Rakos streut seinem ehemaligen Chef Rosen: Er hofft, dass dieser einen „ordentlichen Drive“ in den Pelletsmarkt bringen wird.

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