(Wien, 26.11.2007) „Energieeffizienz ist gut für die Entwicklungsländer, gut für die Umwelt und gut für weltweite Entwicklung im Sinne der Nachhaltigkeit.“ Das sagte die Leiterin des Global Forum on Sustainable Energy (GFSE), Botschafterin Irene Freudenschuss-Reichl, zum Abschluss der heurigen Jahrestagung des Forums. Die Technologien seien vorhanden. Für ihren flächendeckenden Einsatz seien jedoch Kooperationen auf allen Ebenen sowie die Bereitschaft zu einem raschen und grundlegenden Wandel des Umgangs mit Energie erforderlich. Die Diplomatin ergänzte, erforderlich sei eine differenzierte Vorgangsweise in den einzelnen Entwicklungs- sowie Schwellenländern und hinsichtlich der unterschiedlichen dort vorfindlichen Probleme. Was sich für Slumgebiete von Großstädten eigne, sei für entlegene Landgebiete zweifellos weniger tauglich. Als unabdingbar bezeichnete Freudenschuss-Reichl den Aufbau tragfähiger Energieversorgungssysteme für das Erreichen der sogenannten „Millennium Development Goals“ (MDGs) der Vereinten Nationen. Diese wurden von der UNO im Jahr 2004 festgelegt und sollen bis 2015 erreicht werden. Sie beinhalten unter anderem die Verringerung von Hunger und extremer Armut, die Sicherstellung einer Grundausbildung für alle Menschen sowie den Aufbau einer weltweiten Partnerschaft für Entwicklungshilfe.
Kein Platz für „Second-Hand“-Anlagen
Robert Williams, der Leiter der Energieabteilung der UNO-Entwicklungshilfeorganisation UNIDO, ergänzte, sinnvolle Entwicklungshilfe bedeute, in Sachen Energieversorgung die besten verfügbaren und damit eben auch effizientesten Technologien einzusetzen. Auf keinen Fall dürften irgendwelche „Second-Hand“-Anlagen in die Entwicklungs- und Schwellenländer gleichsam „verklappt“ werden.
Daniel Puig vom United Nations Environment Programme (UNEP) ergänzte, sowohl die erneuerbaren Energieträger als auch Energieeffizienztechnologien seien im Rahmen der bestehenden Energieversorgung „extrem unterbewertet“. Zunehmend werde beides jedoch für Investoren interessant. Immerhin rund 25 Milliarden Euro würden derzeit jährlich in Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energieträgern investiert, große Wasserkraftwerke nicht einbezogen. Was Energieeffizienztechnik betrifft, nimmt sich das Investvolumen mit rund 1,09 Milliarden US-Dollar pro Jahr noch einigermaßen mickrig aus, räumte Puig ein. Er betonte jedoch, bei dieser Summe handle es sich nur um die Angaben von Finanzinvestoren. Und die machten nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben in diesem Bereich aus: „Bei weitem die meisten Energieeffizienzprojekte werden von der Industrie sowie den Endkunden selbst durchgeführt. Die machen dergleichen, weil es sich für sie im Sinne niedrigerer Stromrechnungen unmittelbar auszahlt. Investoren dagegen wollen einen finanziellen Gewinn sehen.“
Zu viel und zu wenig
In diese Richtung argumentierte auch Dominique Richard von der Agence Francaise de Développement (AFD). Richard sagte, Institutionen wie die seine seien beauftragt, das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern anzukurbeln, die Armut zu reduzieren und die ökologische sowie die soziale Situation zu verbessern. Somit gehe es um dreierlei: erstens um den Aufbau einer zuverlässigen Energieversorgung, zweitens darum, der Bevölkerung der betreffenden Länder Zugang zu dieser zu verschaffen, und drittens darum, die Energieerzeugung mit Hilfe möglichst „sauberer“ Energieträger durchzuführen. Das Problem dabei sei, dass die derzeitigen Preise für die einzelnen Energieträger nicht die Kosten reflektieren, die deren Einsatz verursacht. Dies gelte zumal für die fossilen Energieträger: „Was wir brauchen, ist ein neues Energieversorgungssystem, das Wachstum ermöglicht, ohne die Umwelt zu ruinieren. Aber wenn wir so weitermachen wie bisher, haben wir zu viele fossile Energieträger für das Weltklima und zu wenige für die Deckung des steigenden Bedarfs.“ Der möglichst flächendeckende Einsatz aller nur greifbaren Energieeffizienztechnologien sei daher unabdingbar.
Umfassende Untersuchung
Wie dieser in den einzelnen Ländern erfolgt, erheben derzeit die Experten der britischen Renewable Energy and Energy Efficiency Partnership (REEEP). Erste Ergebnisse sollen um die Jahreswende vorliegen. Das sagte die Internationale Direktorin der REEEP, Marianne Moscoso-Osterkorn. Überdies werde die REEEP bei der UNO-Klimakonferenz in Bali kommende Woche eine „Energy Efficiency Coalition“ vorstellen, um die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Stellen der Entwicklungs- sowie Schwellenländer zu verbessern. Dort sei speziell auf staatlicher Ebene noch viel zu tun: In den jeweiligen Ministerien kümmerten sich ganze Dutzendschaften von Beamten um die Energieversorgung, für Energieeffizienz sei aber so gut wie niemand verantwortlich. Und so seien die Daten über entsprechende Potenziale in den einzelnen Ländern einigermaßen jämmerlich: „Die Leute haben meistens keine Ahnung, was alles möglich wäre.“
Vorerst gescheitert
Vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb Österreichs Umweltministerium bisher mit einem diesbezüglichen Anliegen scheiterte. Umweltminister Josef Prölls Klimaexperten planten, Emissionszertifikate aus Energieeffizienzprojekten auf Verbraucherseite in Entwicklungs- sowie Schwellenländern zu kaufen, um damit einen Beitrag zum Erreichen des Kiotoziels zu leisten. Noch sei dies allerdings nicht gelungen, sagte Gertraud Wollansky vom Umweltministerium bei der GFSE-Konferenz. Zwar werde derzeit über den Kauf weiterer unabdingbar notwendiger Emissionszertifikate verhandelt. Unter den angebotenen Projekten seien aber, streng genommen, ebenfalls keine zur Steigerung der Energieeffizienz auf Verbraucherseite.