Feurio: Die Kessel- hersteller wollen die Kunden für den Heizungstausch entflammen. Foto: Creative Collection
Heizkesselhersteller machen mobil
Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK) ruft zu mehr Sanierungen auf und will bessere Fördersysteme – Energieberatungsunternehmen e7: Qualität der Sanierungen fördern – Technologievertreter loben ihre Systeme
(Wien, 20.11.2007) Kein allzu erfreuliches Bild der Lage ihrer Branche zeichnete gestern die Geschäftsführerin der Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK), Elisabeth Berger, bei einer Pressekonferenz in Wien. Berger sagte, die Rückgänge bei den Kesselverkäufen seien „enorm. Die Leute kennen sich nicht aus und sanieren deshalb ihre Heizungen nicht“. Dabei seien von rund 950.000 in Österreich installierten Heizungen um die 600.000 zwischen 15 und 30 Jahre alt und damit nicht mehr auf dem Stand der Technik. Und so zahlten Österreichs Haushalte rund 690 Millionen Euro pro Jahr mehr an Heizkosten als nötig und emittierten um 1,7 Millionen Tonnen CO2 mehr als mit modernen Systemen.
Zentral sei, den jeweils verwendeten Energieträger effizient und sparsam zu nutzen. Um welchen Energieträger es sich handle, spiele dagegen eine weniger wichtige Rolle. Berger ergänzte, der VÖK könne nur informieren. Zu handeln habe die Politik. Und diese sei aufgerufen, den Heizungsbesitzern „großzügige“ Hilfen bei der Umstellung auf moderne Systeme zukommen zu lassen. Wie viel Geld die VÖK wünscht, präzisierte Berger nicht. Der VÖK-Vorsitzende Christian Hofer stellte fest: „Jeder Euro zählt“. Nach Möglichkeit sollten auch die höchst komplizierten und in den Bundesländern alles andere als einheitlichen Fördersysteme gestrafft und entrümpelt werden, ergänzte Berger. Ein wenig schwer tue sich die VÖK mit der politischen Diskussion zu diesem Thema: „Es wird hinter verschlossenen Türen, wie ich hoffe, gedacht. Auf uns ist allerdings noch niemand zugekommen.“ Kritik übte Berger auch an der Umsetzung der Gebäuderichtlinie in Österreich. In deren Rahmen gehe es fast ausschließlich um die Gebäudehülle, mit anderen Worten, um die Dämmung. Viel zu wenig achte die Politik dagegen auf die Heizung. „Mit Passivhäusern allein werden wir nicht auskommen“, warnte Berger.
e7: Qualität zählt
Seitens des Wiener Energieberatungsunternehmens e7 hieß es, seit dem Jahr 2001 seien die Absatzzahlen für Heizkessel um rund 20 Prozent gesunken. Somit seien rund 80.000 Kessel weniger verkauft worden, was einem kumulierten Umsatzrückgang der Branche um etwa 500 Millionen Euro entspreche. Es sei dringend geboten, „das Vertrauen der Konsumenten in die Kesselmodernisierung wieder zu erhöhen.“ Denn selbst wenn Kessel modernisiert würden, würden bei weitem nicht alle Effizienzpotenziale genutzt. Und die seien erheblich höher als die gemeinhin kolportierten 20 bis 30 Prozent durch den Einbau einer Neuanlage. „e7 geht davon aus, dass durch eine bessere Systemanpassung sowie Vermeidung der zahlreichen potenziellen Installationsmängel die Heizungsanlage um bis zu zehn Prozent effizienter werden kann“, hieß es in einer Aussendung. Hochgerechnet bedeute das eine Senkung des gesamten Energieverbrauchs Österreichs um zwei Prozent. Und bekanntlich schreibe EU-Energieeffizienzrichtlinie den Mitgliedsstaaten vor, ihren Energieverbrauch bis 2017 um neun Prozent zu reduzieren.
Laut e7 wäre es deshalb sinnvoll, bei der Kesselmodernisierung verstärkt auf Qualität zu achten. Gefördert werden sollte „nicht die Modernisierung an sich, sondern die Qualität der Maßnahmen.“
Konzert der Heizer
Die Vertreter der unterschiedlichen Technologien nutzten die Gelegenheit, ihre jeweiligen Systeme anzupreisen. So verwiesen die Wärmepumpenhersteller darauf, ihre Anlagen könnten nicht nur Raumwärme und Warmwasser bereitstellen, sondern ein Gebäude auch kühlen – und das noch dazu „vor Ort absolut emissionsfrei“. Was richtig ist, aber die Tatsache verbringt, dass der Strom für die Wärmepumpen zumindest teilweise in thermischen Kraftwerken erzeugt wird, die ihrerseits keineswegs emissionsfrei sind.
Seitens des Instituts für wirtschaftliche Ölheizung (IWO Austria) hieß es, Ölheizungsbesitzer sollten „am besten“ auf moderne Öl-Brennwerttechnik umsteigen. Ein Brennstoffwechsel sei aber keineswegs notwendig und bedeute „fast immer wesentlich höhere Investitionskosten als der Verbleib beim Energieträger.“
Der Fachverband Gas Wärme (FGW) wiederum verlautete, das Umrüsten aller Ölkessel auf Gasheizungen würde die österreichischen CO2-Emissionen um etwa 1,4 Millionen Tonnen senken. Und würden die rund 160.000 über 20 Jahre alten Gasheizgeräte auf moderne Brennwerttechnik umgestellt, ließen sich laut FWG auch schon 380.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden.
Nicht fehlen durfte im Konzert der Heizer der Verband proPellets Austria, der betonte, alte Heizkessel würden „meist mit fossilen Energieträgern betrieben, deren Kosten immer weiter steigen.“ Da liege der Umstieg auf Holzpellets doch in geradezu verlockender Nähe. Und vor einer Preisexplosion wie im vergangenen Jahr brauche sich auch niemand zu fürchten: „Bei einem Inlandsverbrauch von 400.000 Tonnen werden wir im kommenden Jahr über eine Million Tonnen Pellets produzieren.“