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WIRTSCHAFT DETAILS
Im Griff: Manche österreichischen
Biotech-Unternehmen sind
weltspitze. Foto: Creative Collection
Biotechnologie: Chancen nutzen


Zukunftsdialog von Austrian Biotech Industry (ABI): Österreich gut aufgestellt, aber weitere Anstrengungen nötig – internationale Experten empfehlen: Forschungsquote steigern, Ausbildung schon an Schulen auf Naturwissenschaften fokussieren , mehr Geld für Startups

(Wien, 09.11.2007) Wichtiger als steuerliche Anreize seien für Biotechnologieunternehmen Investitionen der öffentlichen Hand in Aus- und Weiterbildung sowie in den Auf- und Ausbau einer hochwertigen Infrastruktur für Forschung und Entwicklung. Das sagte Gerhard F. Klement, Chef von Reliance Pharmaceuticals, Mumbai, am Mittwoch Abend beim Zukunftsdialog der Austrian Biotech Industry (ABI), der Interessenvertretung von derzeit rund 30 österreichischen Biotechnologieunternehmen, in Wien. Klement verwies darauf, dass Florida in den vergangenen Jahren rund 800 Millionen US-Dollar in den Aufbau einer leistungsfähigen Biotech-Industrie investierte. North Carolina habe allein 120 Millionen US-Dollar für ein einschlägiges Trainingszentrum ausgegeben und stelle jährlich 20 Millionen Dollar für Werbung zur Verfügung. Singapur wiederum habe mit rund 300 Millionen US-Dollar die 22 Hektar große Forschungsstadt „Biopolis“ aufgebaut. Innerhalb der kommenden zehn bis zwölf Jahre sollten weitere 1,5 Milliarden US-Dollar in die Biotechnologie-Industrie investiert werden. „Wichtig ist das Umfeld, wichtig sind bestens ausgebildete Arbeitskräfte“, betonte Klement.
Michael Cromer, Forschungsdirektor des Adelaide and Meath Hospital, Dublin, sagte, Irland habe seit 1998 rund 680 Millionen Euro in die Biotechnologiebranche investiert. Damals habe es ganze zwei einschlägige Unternehmen in Irland gegeben. Heute seien es 59 mit einem kumulierten Jahresumsatz von 55 Milliarden Euro. Betreffend Österreich sagte Thomas Berger von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck, das Land sei grundsätzlich „ein perfekter Forschungsstandort“. Probleme gebe es mit der Nachwuchsrekrutierung, und die Wissenschaftskommunikation müsse ebenfalls dringend verbessert werden. Gleiches gelte für die Förderung von Biotechnologie-Startups.

Jetzt einsteigen

Kurt Konopitzky, Chef des Wiener Biotech-Unternehmens Pharmaceutical Business Solutions und Vorstand der ABI, betonte, Investitionen in die Forschung brächten längerfristig enormen wirtschaftlichen Nutzen. „Bedenklich“ sei daher die im internationalen Vergleich niedrige Forschungsquote der einschlägigen österreichischen Unternehmen, die bei 14 Prozent liegt. Im EU-Durchschnitt liegt diese bei 35 Prozent, in den USA gar bei 51 Prozent. Konopitzky ergänzte, in den kommenden Jahren werde sich bei Produkten zur Behandlung chronischer Erkrankungen sowie von Krebserkrankungen „Unheimliches“ tun. Österreich müsse jetzt einsteigen. Anzusetzen sei bereits bei der Ausbildung in den Schulen. Diese müsse die Jugendlichen für die Naturwissenschaften begeistern und sie systematisch an diese heranführen. Insbesondere die Mittelschulen sollten einen „naturwissenschaftlichen Fokus“ erhalten, Fächer wie Chemie, Physik, Biologie und Mathematik müssten größeres Gewicht als bisher bekommen. Im universitären Bereich sei die Infrastruktur für Forschung und Lehre zu verbessern. Es gebe eindrucksvolle Institutionen, leider aber auch bauliche Sanierungsfälle. Zu verbessern seien Unterstützungen für mittelständische Unternehmen, zu denen die meisten österreichischen Biotechnologiefirmen gehören.
Wissenschaftsminister Johannes Hahn sagte, Österreich sei vor allem in der biotechnologischen Grundlagenforschung stark. Die Herausforderung bestehe darin, die dort erzielten Fortschritte in marktfähige Produkte zu überführen. Dies müsse verbessert werden. Überdies sei es erforderlich, mehr Venture Capital für Startups bereitzustellen. Die Mittelstandsfinanzierung reiche dafür „sicher nicht“.

Bestens anerkannt

Österreichische Biotech-Unternehmen sind vor allem in der „roten“(Medizin/Pharmazeutik) und der „weißen“ (Industrieanwendungen) Biotechnologie aktiv. Manche davon zählen zur Weltspitze. Die Branche beschäftigt derzeit rund 7.000 Personen, davon rund 1.650 in Forschung und Entwicklung. Für das Jahr 2005 gibt die ABI einen kumulierten Branchenumsatz von rund 1,7 Milliarden Euro an. Das entspricht etwa 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zum Vergleich: Im EU-Durchschnitt liegt der Anteil der Biotech-Unternehmen bei 0,2 Prozent des BIP, in den USA bei 0,4 Prozent. Etwa acht Prozent des EU-weiten Umsatzes der Biotechnologiebranche werden in Österreich erwirtschaftet. In Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck gibt es Biotechnologiecluster, die international bestens anerkannt sind.

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