Meinl International Power baut Gaskraftwerk in Ungarn
Auf Energiesektor spezialisiertes Investmentunternehmen voraussichtlich ab August an der Börse – Aktien ab morgen erhältlich – Investitionen in Kernkraft kein Thema
(Wien, 09.07.2007) Ein Gaskraftwerk mit 230 Megawatt Leistung in Ungarn sowie mehrere Windparks in Osteuropa will die Meinl International Power (MIP) in den nächsten Jahren gemeinsam mit Partnern realisieren. Das sagten die Manager des Unternehmens, der ehemalige Verbund-Generaldirektor Hans Haider, Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, der vormalige E.ON-Energie-Chef Hans Dieter Harig, sowie Julius Meinl, heute bei einer Pressekonferenz in Wien. Haider ergänzte, weitere Projekte mit einem Volumen von rund 300 Millionen Euro seien im Stadium fortgeschrittener Rentabilitätsprüfung. Er sehe in Zentral- und Osteuropa (CEE) ein „gewaltiges Investitionspotenzial“ im gesamten Energiesektor, von Kraftwerken über Strom- und Gasleitungen bis hin zu Anlagen zur Behandlung von verflüssigtem Erdgas (LNG). Insbesondere der Strombedarf steige in den CEE-Ländern stark an. In Westeuropa belaufe sich das jährliche Bedarfswachstum auf rund zwei Prozent, in den CEE-Staaten aber auf bis zu acht Prozent.
Ab morgen stehen 75 Millionen Aktien der MIP zum Nennwert von zehn Euro zum Verkauf an institutionelle Investoren. Damit sollen rund 750 Millionen Euro für Investitionen in die beiden genannten sowie in weitere Vorhaben aufgebracht werden. Ab 1. August sollen die MIP-Aktien an der Wiener Börse gehandelt werden. Grasser sagte, die MIP wolle binnen der kommenden fünf Jahre eine Börsenkapitalisierung von rund fünf Milliarden Euro erreichen. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung des Verbund-Konzerns wird mit rund 12,5 Milliarden Euro beziffert.
Keine Kernkraft
Das Gaskraftwerk werde gemeinsam mit dem staatlichen ungarischen Stromkonzern MVM gebaut, der unter anderem das Kernkraftwerk Paks betreibt, erläuterte Haider. Investitionen in die Kernenergie schloss er allerdings aus, „obwohl wir mit Herrn Harig einen ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet im Team haben.“ Den Partner im Windenergiebereich zu nennen, lehnten die MIP-Manager unter Hinweis auf rechtliche Vorschriften ab. Grasser erläuterte, es gehe um Projekte im Gesamtumfang von rund 600 Megawatt. Überlegt werde insbesondere, kleinere Vorhaben auf finanzieller Ebene zusammenzufassen und „den Markt zu konsolidieren“. Meinl ergänzte, namhafte internationale Großbanken betrachteten Investitionen in den Energiesektor in CEE als „festverzinslich“, weil dort langfristige Versorgungsverträge mit rund 20 Jahren Laufzeit üblich seien. Eine sichere Sache ist das aber nicht: Die EU-Kommission lehnt Langfristverträge ab, weil sie nach ihrer Auffassung den Wettbewerb behindern. Bereits mehrfach gab es Vorstöße seitens der Kommission in Richtung Auflösung solcher Verträge.
Abwartende Hanltung
Abwartend gab sich Haider bezüglich zweier Projekte der OMV im Erdgasbereich, der Pipeline Nabucco und des LNG-Terminals Krk. LNG ist verflüssigtes Erdgas, das in speziellen Tankschiffen zu eigens ausgerüsteten Häfen gebracht, dort in Gasform überführt und in normale Erdgaspipelines eingespeist wird. Zur Nabucco sagte Haider: „Ich glaube nicht, dass die eine Investition von uns erwarten.“ Ob die Leitung gebaut werde, hänge letztlich davon ab, „ob die Russen zustimmen.“ Der damit angesprochene russische Gaskonzern Gazprom verfolgt eigene Pipelineprojekte, unter anderem den Bau einer Leitung durch die Ostsee zur deutschen Hafenstadt Greifswald. Betreffend Krk stellte Haider fest, es handle sich um eines von rund 25 derartigen Vorhaben in Europa. Es werde sich zeigen, „wer der Schnellste ist“.
Vorläufig nicht aktuell ist auch ein Engagement der MIP im Rahmen des geplanten Börsegangs der Energie AG Oberösterreich. Haider sagte, in seiner Zeit als Verbund-Chef habe er das Auslandsgeschäft forciert, „weil wir da rasch weiterkommen. In Österreich dagegen dauert alles unendlich lang.“ Die Diskussionen über die Teilprivatisierung der Energie AG kenne er seit über zehn Jahren. Komme es tatsächlich zu einem Börsegang, werde sich die MIP die Profitabiliät ansehen und anschließend eine Entscheidung treffen.