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WIRTSCHAFT DETAILS
Weichen für die Eichen:
Der Klimawandel könnte
die Nadelbäume unter
Druck bringen.
Foto: Stora Enso
Klimawandel: Bundesforste wollen Wälder„zukunftsfit“ machen


Studie der BOKU im Auftrag von Bundesforsten und WWF: Fichte als Leitbaum der Forstwirtschaft könnte unter Druck geraten – zukunftssichere Bewirtschaftungskonzepte gefragt

(Wien, 06.07.2007) Mit ihren rund 1.200 Mitarbeitern betreuen die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) mehr als eine halbe Million Hektar Waldfläche, ernten rund 1,7 Millionen Festmeter Holz und erwirtschafteten 2006 einen Umsatz von rund 206 Millionen Euro. In ihrem Auftrag sowie dem des WWF Österreich erstellten Experten der Universität für Bodenkultur (BOKU) unter Leitung des Waldwirtschaftsspezialisten Manfred Lexer eine Studie über die zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt in den heimischen Forsten. Sie gingen dabei vom Szenario A1B des UNO-Klimabeirates IPCC aus und brachen dessen Annahmen auf die österreichischen Verhältnisse herunter.
Das Ergebnis: Vor allem der „Leitbaum“ der österreichischen Forstwirtschaft, die Fichte, könnte bei dem zu erwartenden Temperaturanstieg durch Wassermangel und Schädlingsbefall unter Druck geraten. Nachweislich machen Fichten heute nur noch 53 Prozent des österreichischen Bestandes an Waldbäumen aus. Vor 15 Jahren seien es noch 60 Prozent gewesen, sagte Bundesforste-Geschäftsführer Georg Erlacher. Laubbäume wie Eiche, Kiefer und Buche könnten dagegen von den sich ändernden Bedingungen profitieren. Denn diese kämen mit weniger Niederschlag aus.

Neue Konzepte

Bis Ende kommenden Jahres erstellen Lexer und seine Kollegen eine Nachfolgestudie. Sie soll für die wichtigsten Standorte der ÖBf möglichst zukunftssichere Bewirtschaftungskonzepte liefern, um den ökonomischen Erfolg des Unternehmens langfristig zu sichern. Gegenüber dem UMWELTSCHUTZ konkretisierte Erlacher: Der Sturm „Kyrill“ zu Jahresanfang etwa habe den Bundesforsten Schäden in der Höhe von rund 25 Millionen Euro gebracht. Zum Vergleich: das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) belief sich im Jahr 2006 auf 25,5 Millionen Euro. Laut Erlacher ist damit zu rechnen, dass in Zukunft ein „Mehrfaches“ der derzeitigen Mittel aus den Katastrophenfonds des Bundes und der Länder für Forstschäden bereitgestellt werden müsse. Die Forstwirtschaft sei nicht in der Lage, die erforderlichen Summen selbst aufzubringen. Um wie viel Geld es konkret gehen könnte, sei schwer abzuschätzen, sagte Erlacher. Zur Illustration der möglichen Dimensionen brachte er folgendes Beispiel: Rein theoretisch sei es denkbar, die österreichischen Schutzwälder samt und sonders durch Schutzbauten zu ersetzen. Das würde jedoch etwa das 1.000-fache der Kosten für die Waldbewirtschaftung verursachen, erläuterte Erlacher. Auch Lexer wollte sich nicht auf konkrete Zahlen festlegen. Eine seriöse Kosten-Nutzen-Rechnung für die Anpassung der österreichischen Forstwirtschaft an die Auswirkungen des Klimawandels sei äußerst schwierig, aber selbstverständlich von zentraler Bedeutung, so der Experte zum UMWELTSCHUTZ.
Für die Bundesforste geht es Erlacher zufolge darum, „stabile strukturierte Waldbestände“ zu schaffen, die mit den möglichen Auswirkungen des Klimawandels besser zurecht kommen. Die große Herausforderung sei, herauszufinden, welche Baumarten am besten für das Klima der nächsten 50 Jahre geeignet seien. „Wir müssen die Temperaturen und die Witterungsbedingungen, die dann herrschen werden, vorwegnehmen und die Wälder für die Zukunft optimieren“, sagte Erlacher.

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