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GLOBAL DETAILS
Weltklimabeirat: Treibhausgasreduktion möglich, aber nicht kostenlos


Bis zu drei Prozent Verlust des weltweiten Bruttoinlandsprodukts möglich – Politik muss über Schnelligkeit der Treibhausgasreduktion sowie über wirtschaftliche und soziale Kosten entscheiden – E-Control-Chef Boltz: Ökostromförderung bringt in punkto Klimawandel wenig

(04.05.2007) Der Weltklimabeirat (IPCC) stellte heute seinen neuesten Bericht vor. Es handelt sich um die Zusammenfassung des dritten Teils seines heuer erscheinenden 4. Assessment Reports, der bis Jahresende vollständig vorliegen soll. Das IPCC fasst darin den aktuellen Stand der weltweiten Klimaforschung zusammen. Die Kernaussagen des Berichts sind:
  • Die Emissionen an Treibhausgasen (THG) stiegen zwischen 1970 und 2004 um rund 80 Prozent. Zwischen 1990 und 2004 war ein Anstieg um 28 Prozentpunkte zu verzeichnen.
  • Bei Fortsetzung der derzeitigen Klimapolitik und Nachhaltigkeitspolitik ist mit einem weiteren Anstieg für die kommenden Jahrzehnte zu rechnen.
  • Es ist nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich möglich, die THG-Emissionen zu stabilisieren und letztlich reduzieren. Hinsichtlich der Kosten sind die Einschätzungen unterschiedlich. Soll bis 2030 eine Stabilisierung der THG-Emissionen zwischen 445 und 710 ppm (Treibhausgasmoleküle pro Million Luftmoleküle) erfolgen, liegen die wirtschaftlichen Resultate zwischen einem Verlust von bis zu drei Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und einem leichten BIP-Wachstum. Die meisten Berechnungen gehen jedoch von Verlusten aus.
  • Die Steigerung der Energieeffizienz ist oft wirtschaftlich sinnvoller als die Vermeidung von THG-Emissionen durch den Bau neuer Erzeugungskapazitäten.
  • Bei CO2-Äquvalent-Preisen von bis 50 US-Dollar pro Tonne könnte der Anteil der erneuerbaren Energien (inklusive Wasserkraft) an der weltweiten Stromproduktion von derzeit 18 Prozent auf etwa 30 bis 35 Prozent steigen. Der Anteil der Kernenergie könnte sich von 16 auf 18 Prozent erhöhen. Allerdings stünden dem Bedenken in punkto Sicherheit, Waffenproduktion und Proliferation sowie Atommülllagerung entgegen.
  • Nicht ausdrücklich quantifiziert werden in dem Bericht die Potenziale für CCS-Technologien. Deren Ziel ist es, die CO2-Emissionen thermischer Kraftwerke durch Abscheidung und Speicherung in geologischen Formationen weitgehend zu neutralisieren. Grundsätzlich stellt das IPCC jedoch fest, dass CCS bereits um das Jahr 2030 „einen wichtigen Beitrag“ zur CO2-Vermeidung leisten könnte.
  • Politisch zu entscheiden ist, wie rasch eine Stabilisierung und nachfolgend eine Reduktion der THG-Emissionen auf welchem Niveau erfolgen soll. Dabei sollte auch geprüft werden, welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten sich aus einer verzögerten THG-Reduktion ergeben.

Boltz: „Nicht nur Gewinner“

Unterdessen sprach sich der Geschäftsführer der österreichischen Energiemarktaufsichtsbehörde E-Control, Walter Boltz, neuerlich gegen das Ausweiten der Ökostromförderungen aus. Boltz sagte, die Reduktion einer Tonne CO2 mittels Ökostromproduktion koste im Durchschnitt rund 100 Euro. Komme Photovoltaik zum Einsatz, beliefen sich die Kosten auf 600 Euro pro Tonne. Ausgebaut werden solle statt dessen die „mittlere und große Wasserkraft“. Etwa 1.000 bis 2.000 Megawatt an Laufkraftwerksleistung hält Boltz noch für möglich. Dieses Thema solle auch nicht „ausschließlich durch die Brille des Breitmaulfroschs“ gesehen werden, sagte der E-Control-Chef mit ausdrücklichem Bezug auf das seinerzeit verhinderte Kraftwerk Hainburg. Für unverzichtbar halten Boltz und E-Control-Ökoenergieexperte Christian Schönbauer den Einsatz von CCS-Technologien. Thermische Kraftwerke seien noch auf lange Sicht unverzichtbar, um den steigenden Strombedarf zu decken. Folglich gelte es, diese möglichst „klimaneutral“ zu konzipieren. Ebenso sinnvoll sei die Erneuerung bestehender thermischer Kraftwerke. Dadurch ließe sich der Energiebedarf um etwa 24 Petajoule reduzieren. Das entspräche 6,6 Terawattstunden oder einem Zehntel des österreichischen Strombedarfs. Umgelegt auf den Gesamtenergiebedarf von 1.440 Petajoule wäre die Ersparnis allerdings bescheiden: Sie entspräche nur einem Sechzigstel desselben.

Keine Kosmentik

Boltz ergänzte, wenn die Diskussion über den Klimawandel ernst gemeint sei, seien hinsichtlich des Energieverbrauchs „radikale Maßnahmen wie Verbote und Kontingentierungen“ unvermeidbar. „Kosmetische Anpassungen“ wie das Abschalten der Standby-Funktionen bei Elektrogeräten oder der Bau von 1.000 Passivhäusern brächten nichts. Und so zu tun, als gäbe es bei allfälligen Maßnahmen hinsichtlich des Klimawandels nur Gewinner, sei „entweder naiv oder unseriös.“
Ausdrücklich warnte Boltz davor, auf internationaler Ebene Verpflichtungen zur Steigerung der Energieeffizienz oder zur Senkung der THG-Emissionen einzugehen, ohne zuvor deren Umsetzbarkeit geprüft zu haben. Diese Gefahr bestehe etwa bei den Debatten um die EU-interne Lastenverteilung bei der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie sowie über die THG-Reduktionsverpflichtungen. Bekanntlich beschloss der EU-Rat am 9. März, die Gemeinschaft solle ihre THG bis 2020 um 20 Prozent senken.

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