(02.02.2007) Das Intergovermental Panel on Climate Change (IPCC), der wissenschaftliche Beirat für Klimawandel der UNO und der World Meteorological Association, präsentierte heute den ersten Teil seines 4. „Assessment Report“. Darin sind die Ergebnisse der weltweiten Klimaforschung zusammengefasst. Die restlichen Teile des Berichts werden um die Jahresmitte veröffentlicht, der sie zusammenfassende „Synthesis Report“ steht gegen Jahresende zur Verfügung. Insgesamt 600 Autoren aus aller Welt haben an dem Bericht mitgearbeitet. Bis zuletzt wurde um einzelne Formulierungen gerungen.
Laut der auf der IPCC-Website verfügbaren „Summary for Policy Makers“ des ersten Teils ist es zu über 90 Prozent wahrscheinlich, dass der beobachtete Anstieg des globalen Temperaturmittels um etwa 0,76 Grad Celsius in der Zeit von 1850 bis 2005 auf von der Menschheit verursachte Treibhausgasemissionen zurückzuführen ist. Im 3., 2001 erschienen „Assessment Report“, hatte das IPCC diese Wahrscheinlichkeit mit mehr als 66 Prozent beziffert.
Als „eindeutig“ bezeichnet das IPCC, dass eine solche Erwärmung stattgefunden hat. Weiters ist es zu weniger als fünf Prozent wahrscheinlich, dass der Klimawandel ausschließlich natürliche Ursachen hat. Wird das gegenwärtige Niveau des Ausstoßes an Treibhausgases beibehalten oder überschritten, ist zu über 99 Prozent sicher, dass im 21 Jahrhundert signifikant mehr heiße Tage und Nächte sowie weniger kalte Tage und Nächte auftreten werden als in der Vergangenheit. Auch ist mit mehr als 66prozentiger Wahrscheinlichkeit mit mehr Hitzewellen sowie Extremereignissen wie ungewöhnlich starken Regenfällen zu rechnen. Mit mehr als 66prozentiger Wahrscheinlichkeit wird sich das globale Temperaturmittel um zwei bis 4,5 Grad erhöhen. Zu weniger als zehn Prozent wahrscheinlich ist, dass der Temperaturanstieg weniger als 1,5 Grad ausmacht. Ein Anstieg um erheblich mehr als 4,5 Grad ist nicht auszuschließen. Die Wahrscheinlichkeit für dessen Eintritt kann aber auf der Basis der vorliegenden Daten nicht quantifiziert werden.
PIK Potsdam: „Täter überführt, Strafmaß offen“
Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des in der mitteleuropäischen Klimaforschung führenden Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK Potsdam) sagte: „Mit dem nun vorliegenden Bericht sollten letzte Zweifel ausgeräumt sein, dass wir Menschen es sind, die die Klimaschraube überdrehen. Folglich liegt es auch in unserer Hand, diese gefährliche Fehlentwicklung entschlossen durch Reduktion der Treibhausgasemissionen zu korrigieren.“ Schellnhuber räumte allerdings ein, es gebe nach wie vor erhebliche Unsicherheiten, etwa, was die künftige Entwicklung der Niederschläge oder den Anstieg des Meeresspiegels betreffe. Der Täter sei überführt, das Strafmaß aber noch offen, resümierte Schellnhuber.
Kromp-Kolb: Nichts Dämpfendes
Die Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb sagte zu dem Bericht, dieser bestätige im Grund genommen den 3. „Assessment Report“ aus dem Jahr 2001. Er sei detaillierter, „aber es gibt keine Information, die etwas völlig auf den Kopf stellt. Das Problem ist: Es gibt kaum eine noch nicht quantifizierte Entwicklung, die den Treibhauseffekt dämpfen würde. Alles wirkt eher verstärkend.“ Angesichts dessen sei auch die derzeitige Klimapolitik der österreichischen Bundesregierung „nicht ausreichend.“ Österreich habe im Kiotoprotokoll zugesagt, seine Treibhausgasemissionen um 13 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken, „aber im Moment sind wir noch nicht einmal auf dem absteigenden Ast. Und wir wissen genau, dass wir in der Zeit nach Klioto die Emissionen noch wesentlich stärker reduzieren müssen.“ Der Klimaschutz müsse zu einem Anliegen der gesamten Regierung werden, nicht nur eines einzelnen Ministers.
Positiv bewertet Kromp-Kolb den im Regierungsprogramm vorgesehenen, mit 500 Millionen Euro über die gesamte Legislaturperiode zu dotierenden, Energie- und Klimaschutzfonds. Nachdem das Thema Klimawandel im Wahlkampf keinerlei nennenswerte Rolle gespielt habe, sei das schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Der Fonds müsse aber vornehmlich auf Energieeffizienz sowie Energiesparmaßnahmen ausgerichtet werden. Der laut Regierungsprogramm geplante Ausbau der erneuerbaren Energien sei zwar wichtig, aber gegenüber der Energieeffizienz sekundär.
Schleicher: Energiestrategie als Basis für Klimastrategie
Unterdessen empfiehlt Stefan Schleicher, Nationalökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), die in Überarbeitung befindliche neue österreichische Klimastrategie mit einer noch auszuarbeitenden Energiestrategie zu koppeln. Ohne klare energiepolitische Zielvorgaben gebe es keinen Klimaschutz. Ähnlich wie Kromp-Kolb setzt er dabei vor allem auf verstärkte Energieeffizienz. Der von einschlägigen Interessengruppen geforderte Ökostromausbau bringe, damit verglichen, für den Klimaschutz wenig.