:: Home
::
Nachrichten
Suche
 
::
Wirtschaft
::
Wissenschaft
::
Technologie
::
Energie
::
Abfall
::
Politik
::
Global
::
Service
::
Abo
WIRTSCHAFT DETAILS
Umweltministerium: Mehr Umwelt-
verträglichkeit für den Tourismus.
Foto: BMLFUW
Mehr Umweltverträglichkeit für Tourismus mit Zukunft


Ferienmesse Wien: klima:aktiv mobil soll im Tourismus 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen - Verein Klimabündnis: keine bloße PR-Aktion, jede Tonne CO2-Reduktion zählt - Umweltzeichen an sechs weitere Tourismusbetriebe verliehen - Touristiker fordert: Umweltqualität Österreichs muss Verkaufsargument im Tourismus werden

(Wien, 12.01.2007) Im Rahmen der Wiener Ferienmesse wurde gestern ein Programm präsentiert, mit dem auch Urlaubsreisen künftig klimaverträglich gestaltet werden können. klima:aktiv mobil, so die Bezeichnung des Programms, soll jährlich CO2-Einsparungen von rund 20.000 Tonnen erbringen. Zu diesem Zweck sollen Tourismusverbände und -betriebe in Zusammenarbeit mit Kommunen umweltverträgliche Mobilitätskonzepte entwickeln, erläuterte der für das Programm zuständige Experte des Umweltministeriums, Robert Thaler. Thaler sagte, ein klima:aktiv-Mobiltätsmanagementprogramm für Betriebe außerhalb der Tourismusbranche habe innerhalb zweier Jahre CO2-Einsparungen von 43.800 Tonnen erbracht. Zum Vergleich: Um sein Kiotoziel zu erreichen, muss Österreich seine CO2-Emissionen nach derzeitigem Stand um rund 24 Millionen Tonnen pro Jahr senken.

Große Herausforderung

Der Verkehrsberater Romain Molitor, dessen Unternehmen Trafico für klima:aktiv mobil verantwortlich zeichnet und im Auftrag des Umweltministeriums Beratungsleistungen für interessierte Touristiker bereitstellt, sprach gegenüber dem UMWELTSCHUTZ von einer „großen Herausforderung.“ Die Abschätzung der erzielten Emissionsreduktionen sowie die Überprüfung der tatsächlich erzielten Reduktionen sei schwierig. Sie werde nur stichprobenartig erfolgen können. Außerdem gebe es folgenden Nachteil: Bei Gästen, die aus dem Ausland anreisen und dafür beispielsweise die Bahn statt des PKWs wählen, werden Österreich nur die innerhalb seines Bundesgebiets erzielten Emissionsreduktionen angerechnet.
Allerdings sei er zuversichtlich, das angestrebte Ziel erreichen zu können, sagte Molitor. Er will aktiv an Gemeinden, Tourismusverbände und Großveranstalter herantreten. Auch in das Nachhaltigkeitskonzept für die Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich werde er sich „hineinreklamieren“, sagte Molitor. Die Kritik, dass klima:aktiv mobil angesichts der geringen projektierten Einsparungen im Wesentlichen eine PR-Aktion ohne realen Nutzen sei, weist Wolfgang Mehl, Geschäftsführer des in das Programm eingebundenen Vereins Klimabündnis Österreich, zurück: „Jede Tonne CO2-Reduktion zählt. Je mehr Betriebe mitmachen, desto mehr bringt das Ganze natürlich.“ Außerdem hätten Molitor und seine Mitarbeiter gute Gründe, möglichst hohe Reduktionen darstellen zu können: Ihr Honorar sei erfolgsabhängig, die angepeilten 20.000 Tonnen seien ein Mindestwert.

Umweltzeichen für Tourismusbetriebe

klima:aktiv mobil ist Teil der Bestrebungen des Umweltministeriums, den Tourismus umweltverträglicher zu gestalten. Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung Betrieblicher Umweltschutz und Technologie im Ministerium, sagte, der Tourismus sei eine Wachstumsbranche, die Nächtigungszahlen stiegen seit zehn Jahren ununterbrochen. Der Trend gehe eindeutig in Richtung Qualitätstourismus, „und das muss auch heißen, in Richtung mehr Umweltqualität.“ Um entsprechende Bestrebungen zu fördern, dient das Umweltzeichen mit einem umfangreichen Katalog an einzuhaltenden Qualitätskriterien. Fast 200 Tourismusbetriebe in ganz Österreich haben sich dafür bisher qualifiziert.
Bei der Ferienmesse kamen sechs neue Betriebe dazu, das Heinrich-Kiener-Haus, St. Johann im Pongau (Salzburg), das Kneipp-Kurhaus der Marienschwestern vom Karmel, Bad Kreuzen (Oberösterreich), das Dorfhotel Schönleitn aus Latschach (Kärnten) sowie die drei Landidyll-Hotels Dietlgut in Hinterstoder, Seewirt in Franking (beide Oberösterreich), sowie die Landhofmühle in Minihof-Liebau (Burgenland).
Vertreter der Tourismusbranche sagten, noch sei das Umweltzeichen zwar kein Marketinginstrument, doch das ändere sich zusehends. Insgesamt steige mit der Einhaltung der Kriteren dieses Qualitätssiegels die Attraktivität einer Tourismusregion. Erforderlich sei, dies noch offensiver als bisher zu vermarkten. Dabei müsse auch die Österreich-Werbung erheblich aktiver werden. Peter Hohl von Eurotours International sagte, Österreich habe große Chancen, sich einschlägig zu positionieren und ein „unique standing“ als besonders umweltfreundliche Tourismunsdestination zu bekommen. Aufgabe der Politik sei es, in diese Richtung zu wirken.
Tschulik betonte, die Kriterien für das Umweltzeichen seien ständig in Überarbeitung begriffen. Die Entwicklung des Zeichens in die von Hohl gewünschte Richtung sei durchaus vorstellbar.

:: IMPRESSUM ::