Umweltmediziner: Schwere Bedenken gegen mehr Holzheizungen
Weniger CO2, aber mehr Feinstaub und NOx - „beträchtliche Zunahmen“ von Krankheiten und vorzeitigen Sterbefällen zu befürchten
(Wien, 08.01.2007) Schwere Bedenken gegen den vermehrten Einsatz von Holzheizungen hat der Verein „Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt“ (ÄGU). ÄGU beruft sich auf die Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Industrielle Ökologie (Indoek) sowie des Instituts für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien über die Schadstoffbelastung durch Hausbrand im Tiroler Inntal. Basierend auf den Emissionswerten des Jahres 2003 sowie Statistiken über Krankenhausaufnahmen und Todesursachen rechneten die Umweltexperten vier Szenarien durch. In den Szenarien „Gas“ und „Holz“ wird jeweils die Hälfte der derzeit bestehenden Ölkessel durch Gas- bzw. Holzkessel ersetzt. Das entspricht einem Anstieg des Anteils der Gaskessel von derzeit elf auf 34 Prozent bzw. des Anteils der Holzkessel von 24 auf 47 Prozent. Im Szenario „Mix+“ wird der Ersatz sämtlicher Ölkessel durch jeweils 50 Prozent Gas- sowie Holzkessel angenommen. Die Auswirkungen hinsichtlicht der Anteile der Gas- und Holzheizungen sind dieselben wie in den ersten beiden Szenarien. Das Szenario „Holz+“ geht davon aus, dass sämtliche Ölkessel durch Holzkessel ersetzt werden. In diesem Szenario steigt der Anteil der Holzheizungen auf etwa 70 Prozent.
Das Ergebnis:
Im Szenario „Gas“ sinken gegenüber den Werten von 2003 sämtliche Emissionen. Bei CO2 beträgt die Reduktion elf Prozent, bei NOx fünf Prozent und bei Feinstaub 16 Prozent.
In den Szenarien „Holz“ und „Mix+“ sinken zwar die CO2-Emissionen um 40 bzw. 50 Prozent. Gleichzeitig steigen jedoch die NOx-Emissionen um 18 bzw. 14 Prozent sowie die Feinstaubemissionen um 43 respektive 45 Prozent.
Im Szenario „Holz+“ schließlich sinken war die CO2-Emissionen um 76 Prozent. Aber die NOx-Emissionen steigen um 34 Prozent, die Feinstaubemissionen gar um 88 Prozent. Noch verstärkt wird die Dramatik dieser Entwicklung durch die Tatsache, dass Holzheizungen bereits derzeit für 31 Prozent der NOx-Emissionen sowie 83 Prozent der Feinstaubemissionen verantwortlich zu machen sind.
Das Resümee der Experten: Umweltmedizinisch gesehen, sei das Szenario „Holz+“ am ungünstigsten zu beurteilen. Träfe es ein, wäre mit bis zu 53 zusätzlichen Todesopfern durch Feinstaub pro Jahr zu rechnen. Die Gesundheitsschädlichkeit von Holzrauch sei wissenschaftlich unumstritten, werde aber immer noch unterschätzt, so ÄGU-Vertreter Peter Wallner. Ihm zufolge ist die Subventionierung von Holzheizungen „beim derzeitigen Stand der Technik“ daher nicht zu befürworten. Statt dessen solle die Politik das Energiesparen stärker fördern und für die thermische Gebäudesanierung ankurbeln. In Ballungsräumen sei auf zentrale Fernheizwerke zu setzen, betont Wallner.