Mehr Natur: Der WWF will mit Einnahmen aus der Fondsverwaltung Flüsse renaturieren. Foto: Creative Collection
Gemeinsamer Umweltfonds von Erste-Sparinvest und WWF
„ESPA Stock Umwelt“ heißt jetzt „ESPA WWF Stock Umwelt“ – Fondsvolumen soll innerhalb eines Jahres von 37 auf 100 Millionen Euro wachsen – jährlich 40.000 Euro Basisfinanzierung für WWF – Umweltorganisation will Flüsse renaturieren
(Wien, 14.09.2006) Wie immer sich der heute präsentierte Umweltfonds der „Erste Sparinvest“ (ESPA) und des WWF („ESPA WWF Stock Umwelt“) künftig entwickelt, der WWF kassiert in jedem Fall, wenn auch im vergleichsweise bescheidenem Ausmaß. Immerhin 40.000 Euro stellt die Erste den Umweltschützern jährlich als „Basisfinanzierung“ zur Verfügung, unabhängig vom gemeinsamen Umweltfonds. Das sei gewissermaßen Ehrensache, sagt ESPA-Geschäftsführer Heinz Bednar. Schließlich verschaffe die Kooperation mit dem WWF dem bisherigen „ESPA Stock Umwelt“ mehr Glaubwürdigkeit und ein (noch) besseres Image. Über die Basisfinanzierung hinaus gibt es auch noch eine jährliche Gratifikation in der Höhe von 30 Basispunkten (0,3 Prozent) der Einnahmen der ESPA aus der Fondsverwaltung. Bednar: „Das werden pro Jahr bestenfalls ein paar tausend Euro sein.“
Seit einem Jahr wurde über die Details der Kooperation verhandelt. Penibel hätten die WWF-Experten den Fonds und die Kriterien, nach denen Unternehmen in diesen aufgenommen werden, durchleuchtet, so Leitner. Letztlich musste nur dessen Name geändert werden. Alles andere war „WWF-kompatibel“. Probleme mit den im Fonds vorfindlichen derzeit 56 Unternehmen gab es nicht. Um solche künftig auszuschließen, legt Leitner dem WWF eine Liste von Unternehmen vor, die für eine Aufnahme in Frage kommen. Diese werden vorab überprüft. Leitner: „Dann haben wir ein Universum, auf das wir zugreifen können.“ Auch stehe es dem WWF frei, die Aufnahme von Unternehmen in den Fonds anzuregen. Ein Wort mitzureden hat bei Entscheidungen über die Aufnahme von Unternehmen der „ESPA/WWF-Umweltbeirat“, bestehen aus WWF-Präsident Helmut Pechlaner, Umweltexpertin Christina Jasch, ÖGUT-Geschäftsführer Helmut Greisberger, dem CSR-Beauftragten der Erste Bank, Klaus Rosenkranz, sowie dem Fachjournalisten Max Deml.
Nicht in die Grauzone
Derzeit enthält der Fonds 56 Titel mit einem Gesamtvolumen von 37 Millionen Euro. Innerhalb eines Jahres soll dieses auf 100 Millionen Euro gesteigert werden. Investiert wird primär in kleine und mittelgroße Unternehmen im Bereich der Umwelttechnologien, von der Energieerzeugung bis zur Wasser- und Abfallwirtschaft. Finanztitel stehen absichtlich nicht auf der Liste, sagt Fondsmanager Hans Leitner. Bei allem Vertrauen in die eigene Branche sei doch nie ganz klar, was ein bestimmter Investor so alles finanziere: „Das ist eine Grauzone, in die wir nicht kommen wollen.“ Für Bednar liegt genau darin auch der Sinn der Zusammenarbeit mit dem WWF: „Der ist als glaubwürdig anerkannt“, was als Wettbewerbsvorteil für das eigene Produkt zu werten sei. Was nämlich so genannte „ethische Investments“ insgesamt anlangt, sei eine gehörige Dosis Pragmatismus gefragt: „Wer möchte, bekommt unter der Bezeichung Ethikfonds oder Umweltfonds alles, was er haben will. In Frankreich zum Beispiel sind in solchen Fonds ohne weiteres auch Kernenergieunternehmen drin, weil dort die Kernkraft als umweltfreundlich betrachtet wird.“ Nachsatz: Für den ESPA-WWF-Stock Umwelt sei das natürlich kein Thema. Was dort unter Energieerzeugung laufe, beziehe sich so gut wie ausschließlich auf erneuerbare Energieträger.
Flüsse renaturieren
Der WWF wird seine Einnahmen aus der Fondsverwaltung für Renaturierungsprogramme für Flüsse verwenden, sagt Geschäftsführerin Hildegard Aichberger. So sollten neue Wege in Sachen Hochwasserschutz beschritten werden. Am Lech im Tiroler Außerfern habe sich das schon bestens bewährt. Jetzt wolle sich der WWF den Inn vornehmen. Um dort zu renaturieren, was renaturierbar ist, seien rund 50 Millionen Euro nötig. Aichberger: „Das können wir natürlich nicht allein zahlen. Aber Unternehmen wie wir müssen dafür Anstöße bieten.“