Nicht so bald ausgeräumt: Die Fischerdeponie gab den Anstoß für die Altlastensanierung in Österreich. Doch nach wie vor gibt es hunderte Verdachtsflächen im ganzen Bundesgebiet Foto: Archiv
Altlastensanierung: Ein Fall für Zorzi
Die Bundesaltlastensanierungsgesellschaft kümmert sich seit kurzem um die Sicherung und Sanierung von Altlasten, deren Verursacher nicht mehr greifbar sind
(Wien, 09.03.2006) Über Langeweile dürfte sich Michael Zorzi, Geschäftsführer der Bundesaltlastensanierungsgesellschaft (BALSA) auf absehbare Zeit wohl eher nicht zu beklagen haben. Laut dem aktuellen Umweltkontrollbericht des Umweltbundesamts (UBA) sind bis dato 41.410 so genannte „Altflächen“ bekannt - Flächen, auf denen bis 1989 Abfälle gelagert wurden oder auf denen mit umweltgefährlichen Stoffen umgegangen wurde, etwa alte Betriebsstandorte. An die 2.400 davon sind „Verdachtsflächen“, bei denen auf Grund einer Erstabschätzung der Verdacht auf eine erhebliche Gefährdung von Mensch und Umwelt besteht. Gut 222 dieser Flächen gelten als „Altlasten“, von denen nachgewiesener Maßen derartige Gefahren ausgehen.
Zorzis BALSA, die zu 100 Prozent im Eigentum des Bundes steht und dem Umweltministerium unterstellt ist, ist zwar „nur“ für die Sicherung oder Sanierung jener Altlasten zuständig, die durch Kriegseinwirkungen entstanden oder deren Verursacher nicht mehr zu ermitteln oder nicht greifbar zu machen ist. Aber auch die Zahl dieser nach der betreffenden Bestimmung im Altlastensanierungsgesetz (ALSAG) „Paragraph-18-Flächen“ genannten Fälle könnte angesichts der Menge der Alt- und Verdachtsflächen in die Hunderte gehen, vermuten Experten.
Seit langem bekannt
Bekannt ist dieses Problem seit Anfang der 1980er Jahre, als eine Reihe von Grundwasserverunreinigungen in der Umgebung von Deponien bekannt wurde und in der Öffentlichkeit für Aufregung sorgte. Der bekannteste Fall war der der Fischerdeponie in der Mitterndorfer Senke. Dort waren seit 1972 gut jahrelang 946.000 Tonnen Abfälle gelagert - ohne jede Bodenabdichtung, was die Gewinnung von Trinkwasser aus der Mitterndorfer Senke unmöglich machte. Rund 83 Millionen Euro musste der Bund für die im vergangenen Jahr weitestgehend abgeschlossene Sanierung aufwenden. In der Folge wurde das ALSAG beschlossen. Allerdings kam es bisher zu keiner einzigen Sanierung gemäß dessen Paragraphen 18. Dass der Bund, konkret das Umweltministerium, in Sachen Altlastensanierung gut anderthalb Jahrzehnte lang geschlafen habe, wie Kritiker ätzen, lässt Zorzi trotzdem nicht gelten: „Akute Gefährdungen waren jedenfalls beherrschbar. Bei „Gefahr im Verzug“ haben die zuständigen Behörden immer die Möglichkeit, einzugreifen.“ Und: „Das ALSAG war ein typisches Anlassgesetz, deren Konsequenzen erst langsam sichtbar wurden.“
Genug zu tun
Jetzt aber geht es auf: Neben den restlichen Arbeiten an der Fischerdeponie, an denen Zorzi als Bediensteter der Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt seit 2001 beteiligt war, stehen für seine BALSA in nächster Zeit folgende Projekte an:
die Projektsteuerung und örtliche Aufsicht über die Räumung des „Recycling Point Blumau“ nahe Baden
Planung der Sanierung der Kriegsaltlast „Tuttendorfer Breite“ bei Korneuburg, wo Mineralölrückstände aus einem ehemaligen Treibstofflager der Deutschen Wehrmacht das Grundwasser kontaminieren; derzeit verhandelt die BALSA mit dem Grundeigentümer, der Raiffeisen Ware, welche Maßnahmen getroffen werden und wer die Kosten - je nach Variante zwischen zehn und 50 Millionen Euro - trägt
Planung der Sicherung und Sanierung der Aluminiumschlackendeponie zwischen Wiener Neustadt und Weikersdorf
Planung der Sicherung und Sanierung der Altlast „Gärtnerei Thianich“ bei Graz; der Boden unter dem Heizhaus der ehemaligen Großgärtnerei ist massiv durch Kohlenwasserstoffe verunreinigt
Planung der Sicherung und Sanierung der Altlast „Teerfabrik Lederer“ in Wildon/Steiermark, die durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe massiv verunreinigt ist.
Partner statt
Mittbewerber
Befürchtungen, die BALSA könnte zu einem Mitbewerber für Zivilingenieursbüros werden, räumt Zorzi aus: Ihm gehe es ausschließlich darum, Projekte so weit aufzubereiten, dass Zivilingenieure sowie Baufirmen tätig werden könnten. Und: Mit gerade einmal sechs bis maximal sieben Mitarbeitern habe er schwerlich die Möglichkeit, allzu sehr ins operative Geschäft einzusteigen. „Wir sehen uns als Partner der Zivilingeneure, nicht als deren Konkurrent“, betont Zorzi. Er schätzt, im Durchschnitt Aufträge im Gesamtwert von rund 50 Millionen Euro vergeben zu können.
Zweites Standbein
Neben der unmittelbaren Sicherung und Sanierung von Altlasten will er übrigens ein zweites Standbein für seine Gesellschaft aufbauen: die Wiederverwertung der sanierten Flächen in Zusammenarbeit mit deren Eigentümern. Die vorgesehene Nachnutzung bestimme deshalb die Art und Weise der Sanierung. Damit könnte die BALSA, die gewinnorientiert arbeiten darf und soll, über die Bundesmittel für die Altlastensanierung hinaus Geld verdienen.