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ABFALL DETAILS
Foto: ARA
Lötsch beim Abfallberatertag: Wirtschaft muss dem menschlichen Leben dienen


Wiener Abfallberatertag: Direktor des Naturhistorsichen Museums fordert „öko-soziale“ Marktwirtschaft - Abfallrechtsxperte: Abfallbeauftragte als „wichtigster Beitrag“ zum Abfallmanagement - Unrternehmen: Abfall-, Umwelt- und Ressourcenmanagement langfristig rentabel

(Wien, 4. 11. 2005) Die Abfallberater seien „Fachärzte für die soziale Pathologie des Umgangs der Gesellschaft mit den natürlichen Ressourcen.“ Das sagte der Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien, Bernd Lötsch, gestern beim Tag der Abfallbeauftragten in Wien, die der TÜV gemeinsam mit der Umweltschutzabteilung der Stadt (MA 22) bereits zum dritten Mal veranstaltete. Lötsch betonte, technische Optimierungen bei der Abfallbehandlung sowie effizientere Ressourcennutzung seien zwar notwendig. Sie würden aber nicht ausreichen, um das Überleben der Gesellschaft längerfristig sicherzustellen. Es gelte statt dessen, sich an den Überlebensprinzipien der Biosphäre, der „Weltwirtschaft des Lebendigen“, zu orientieren. Als solche nannte Lötsch
  • Fortschritt in Gemächlichkeit. In der Natur werde Bewährtes bewahrt. Neue Mutationen setzten sich nur dann durch, wenn sie einen tatsächlichen Überlebensvorteil böten. Bei 99,99 Prozent der Mutationen sei das nicht der Fall.
  • Geschlossene Kreisläufe. In der Natur herrsche „perfektes Recycling", so gut wie alles werde wiederverwertet und diene als Grundlage von Lebensformen. Die bisher einzige bekannte Abweichung seien die Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorkommen als „natürliche Treibhausgasspeicher.“ Die „Technozivilsation“ verbrenne die in Millionen Jahren angesammelten Vorräte innerhalb von Jahrzehnten und nutze sie damit weit unter ihrem tatsächlichen Wert.
  • Sparsame Energienutzung. Laut Lötsch ist die Sonne die „einzige Energiequelle des Lebens auf der Erde“. Dem entsprechend müsse auch die Energieversorgung der Zukunft gestaltet werden. Eine Möglichkeit sieht Lötsch in riesigen Solarkraftwerken in den Wüstengebieten. Dort solle Wasserstoff erzeugt und mittels Pipelines in die Ballungszentren geschafft werden.
    Solche Möglichkeiten würden von der Energiewirtschaft bisher aber noch nicht beachtet. Deren Innovationsbereitschaft werde „nur noch von der der päpstlichen Kurie übertroffen“, kritisierte Lötsch.
  • Rechtzeitige Selbstbeschränkung. Übermäßiges Wachstum werde in der Natur durch eine Vielzahl von Mechanismen gebremst, von arteninterner Konkurrenz bis zu Fressfeinden. Dies lasse sich durchaus mit den marktwirtschaftlichen mechanismen vergleichen, sagte Löätsch. Allerdings sei der Markt „wertblind. Die Ökonomen kennen den Preis von allem und den Wert von nichts.“ Daher brauche der Markt Spielregeln, um ökologische und soziale Themen angemessen zu berücksichtigen. Erforderlich sei eben eine „öko-soziale“ Marktwirtschaft, betonte Lötsch.
  • Vielfalt statt Einfalt. Polykulturen hätten sich noch immer als effizienter und überlebensfäher erwiesen als Monokulturen.
  • Regionalisierung. Oft überlebten Organismen nur dadurch, dass sie sich an spezielle regionale Gegebenheiten optimal anpassten.
Grundsätzlich betonte Lötsch, alle Ökonomie verliere ihren Sinn, wenn sie nicht der Sicherung menschlichen Lebens und Wohlergehens diene. Das sei jedenfalls und mit allen erforderlichen Mitteln sicher zu stellen.


List lobt Abfallbeauftragte

Der Wiener Rechtanwalt und Abfallwirtschaftsexperte Wolfgang List lobte die Abfallberater als „wichtigsten Beitrag zu einem funktionierenden Abfallmanagement in Östereich.“ Als Abfallrechtsspezialisten der Unternehmen seien sie dafür zuständig, diese die teils höchst komplizierten rechtlichen Verpflichtungen erfüllten. Dies werde auch seitens der Behörden anerkannt. Immer wieder gebe es Anfragen von Bezirkshauptmannschaften bei Abfallbeauftragten, wie bestimmte Vorschriften in die Praxis umgesetzt werden könnten.
List sagte, wegen der großen Verantwortung sei es erforderlich und bewährte Praxis, dass der Abfallbeauftragte eine Stabsstelle bei der Geschäftsführung einnehme und anordnungsbefugt sei. Wichtig sei, dass der Abfallbeauftragte seine Aufgabe umfassend verstehe. Zweifelsfrei sei dieser auch für allfällige Verunreinigungen des Erdbodens innerhalb eines Betriebsgeländes mit verantwortlich. „Wenn seit 20 Jahren Öl ins Grundwasser sickert, können Sie der Behörde nicht sagen: Das geht mich nichts an, ich bin erst seit zwei Jahren Abfallbeauftragter“, warnte List.

„Wirtschaftliche Vorteile“

Was Abfall-, Umwelt- und Ressourcenmanagement bringen kann, erläuterte Paul Süssner vom Wiener Autohaus Wiesenthal. So wurde der Wasserverbrauch pro repariertem Kraftfahrzeug (KFZ) durch eine Recyclinganlage von 240 auf 110 Liter gesenkt. Durch die Umrüstung der Lackierbox sank der Stromverbrauch von 30 auf 23,5 Kilowattstunden pro KFZ. Das Aufkommen an gefährlichen Abfällen wurde von 3,62 auf 2,3 Kilogramm pro repariertem KFZ gesenkt.
Laut Süssner ist für den Erfolg von Abfallmanagementmaßnahmen das eindeutige diesbezügliche Bekenntnis der Geschäftsführung ebenso wichtig wie die Motivation der Mitarbeiter. In für die Autobranche schwierigen wirtschaftlichen Zeiten sei das nicht immer leicht durchzuhalten. Es bestehe jedoch die Überzeugung, dass daraus langfristig wirtschaftliche Vorteile zu ziehen seien.

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