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WIRTSCHAFT DETAILS
Bild: Umweltministerium
Umwelt-Gütesiegel: Mehr als nur Ökologie


Trotz mancher Erfolge ist das Österreichische Umweltzeichen nach 15 Jahren erst einer Minderheit der Konsumenten bekannt. Die Konsumenten finden sich in der Flut der "Öko-Labels" nicht mehr zurecht, kritisiert die Arbeiterkammer. Sie fordert mehr Transparenz und Einheitlichkeit. Doch es gibt auch noch weiter gehende Wünsche.

(Wien, 6. 10. 2005) Seit 15 Jahren gibt es das "Österreichische Umweltzeichen" (ÖUZ), eines Gütesiegels des Umweltministeriums für umweltverträgliche Produkte und Dienstleistungen. Vergeben wird dieses auf Antrag der Unternehmen und Institutionen, die solche anbieten. Derzeit nutzen es immerhin 288 Organisationen für insgesamt 297 Produkte sowie Dienstleistungen, von Speicherziegeln über Pflanzenpflegemittel bis zum Energiecontracting. Die Bekanntheit bei den Endverbrauchern hält sich dennoch in Grenzen, sagte heute der zuständige Experte des Umweltministeriums, Andreas Tschulik, bei der Enquete "Umweltzeichen - Nachhaltige Orientierung oder Verwirrung?" in Wien. Gerade einmal 40 Prozent der Konsumenten kennen laut der neuesten diesbezüglichen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK das ÖUZ - und die wurde auch schon vor mehr als zwei Jahren gemacht.
Dazu kommt, dass es neben dem im Auftrag des Ministeriums vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) vergebenen Zeichen viele private Gütesiegel sowie auf Umweltfreundlichkeit setzende Produktmarken gibt. Karl Kollmann, Spezialist für Verbraucherpolitik der Arbeiterkammer (AK): "Die Vielzahl der Gütezeichen ist zu groß. Die Konsumenten blicken schlicht und einfach nicht mehr durch." Was Kollmann bei der noch nicht veröffentlichten neuen Umfrage "Konsument und Umwelt 2005" erst kürzlich erneut feststellte. So wird als bekanntestes "Umweltzeichen" eines genannt, das in Wahrheit keines ist: der "Grüne Punkt". Der gibt lediglich an, dass die Entsorgungsgebühren für ein Produkt bereits entrichtet wurden. Mit Ökologie hat er dagegen nicht das Geringste zu tun. Und das Zeichen "Ja! natürlich", das immerhin 16 Prozent der Befragten für ein Umweltgütesiegel halten, ist nur eine Werbemarke von Billa und Merkur für Bioprodukte.
Außerdem achten die Konsumenten beim Einkauf kaum auf die Gütesiegel. Nur zehn Prozent der von ihm Befragten gaben an, dies regelmäßig zu tun, berichtet Kollmann. Zwar behaupteten 58 Prozent, wenigstens "gelegentlich" aufg solche Zeichen zu achten: "Aber das heißt in Wahrheit, sie schauen auch nicht drauf", so Kollmann.

Durchaus sinnvoll

Dennoch hätten die "echten" Gütesiegel ihren Sinn, auch wenn die ihnen unterliegenden Qualitätsstandards unterschiedlich seien, sagt Arno Dermutz vom Verein für Konsumenteninformation: "Die meisten Zeichen bringen durchaus etwas für die Umwelt." Durch den Kauf von ÖUZ-zertifiziertem Papier würden etwa 50 Prozent der CO2-Emissionen "normalen" Papiers eingespart. Private Zeichen seien keineswegs notwendig mit schlechteren Standards verbunden als staatliche wie das ÖUZ oder das EU-Umweltzeichen Ecolabel. Gemeinsam sei den meisten, dass sie neben Umwelt- auch gesundheits- sowie Qualitätskriterien berücksichtigen und alle drei bis fünf Jahre überarbeitet werden. Auch kontrolliere üblicherweise eine unabhängige Stelle, ob die Anbieter eines Produkts oder einer Dienstleistung die Kritieren für das jeweilige Zeichen auch einhalten.

Ökologie plus Ethik

Schön und gut, aber das ändere nichts daran, dass "Öko" und "Bio" in der Wahrnehmung der Konsumenten zu Schlagwörtern zweifelhaften Inhalts geworden seien, kontert Kollmann. Gut 71 Prozent der Konsumenten fühlten sich nicht ausreichend informiert. Auch sorge der steigende wirtschaftliche Druck auf die Arbeitnehmer dafür, dass Umweltorientierung an Bedeutung verliere und statt dessen soziale Fragen in den Vordergrund treten. Die "Öko-Orientierung" von Produkten reiche daher nicht mehr aus. Gefragt sei vielmehr eine "umfassende sozial-ökologische" Ausrichtung von Gütesiegeln und der mit diesen verbundenen Konsumangebote. Kollmann: "Wir müssen Umweltgütezeichen mit Ethikbewertungen integrieren. Und wir müssen auf nationalstaatlicher Ebene beginnen. Erst dann bewegt sich etwas in Europa." Ein solches umfassendes Gütezeichen müsse entsprechend massiv forciert werden. Nur dann sei das seitens der Konsumenten durchaus gewünschte "Shopping for a Better World" möglich. Die Menschen wollten sichere, gebrauchswerthafte Produkte, hergestellt von "anständigen" Unternehmenen, die sich auch in sozialer und ökoligischer Hinsicht engagierten und nicht einseitig ökonomisch ausgerichtet agierten.
Vorerst ist aber selbst mehr als zweifelhaft, ob es zum "integrierten Gütesiegel" kommt. Tschulik hält nichts von einer gesetzlichen Vereinheitlichung, die auch politisch kaum machbar sei: "Aber alle Gütesiegelhersteller sollten nach der Sinnhaftigkeit ihres Zeichens fragen."

Ökoligische Steuerreform

Manche können sich allerdings deutlich weitergehende Maßnahmen vorstellen. Einer davon ist Robert Glattau, Inhaber und Betreiber des mit dem Umweltzeichen zertifizierten Seminardom Wienerwald, der eine ökosoziale Steuerreform für sinnvoll und wünschenswert hält: "Ich habe kein Problem damit, mehr für Energie zu bezahlen, wenn dafür der Faktor Arbeit entlastet wird." Das dürfe allerdings nicht zu Lasten der Arbeitnehmer allerdings, betont Glattau, und stellt eine Forderung auf, die manchem Unternehmervertreter wenig Freude bereiten dürfte: "Ein Grundeinkommen als soziale Basisabsicherung halte ich für wichtig."
Von dem Standardargument, dass damit Bequemlichkeit und Passivität gefördert würden, hält Glattau nichts: "Wenn wir den Menschen die Existenzangst nehmen, sind sie entspannter und kreativer und damit potenziell leistungsfähiger. Das nützt letztendlich allen." (kf)

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