Rund 470.000 Tonnen Atommüll muss Großbritannien in den kommenden Jahrzehnten entsorgen. Wie das geht, wird derzeit untersucht.
(04. 04. 2005) Es ist eine der in Großbritannien derzeit am heftigsten diskutierten Fragen: Wohin mit dem Atommüll? Nun stellte das zur ihrer Klärung zuständige Committee on Radiactive Waste Management (CoRWM) seinen ersten Optionenbericht vor. Und der stellt immerhin schon einmal fest, was sich nicht abspielen wird. Kein Thema mehr ist demnach, den Abfall in den Weltraum zu schießen, ihn ins Meer zu verklappen, ihn im Polareis zu lagern und ihn auf unbegrenzte Zeit in den derzeitigen Zwischenlagern zu belassen.
Als sinnvolle Optionen sieht das CoRWM dagegen die unzugängliche oder zugängliche Tiefenlagerung in 300 Meter bis zwei Kilometer dicken Felsformationen an, ebenso die Zwischenlagerung sowie das Deponieren nur leicht radioaktiven Mülls in oberflächennahen Lagestätten. Bis 27. Juni sollen diese Optionen nun öffentlich diskutiert werden. Eine weitere Diskussionsrunde ist für die zweite Jahreshälfte geplant. In dieser soll es dann bereits um die Auswahl der endgültigen Optionen gehen. Bis Sommer kommenden Jahres will das CoWRM der Regierung seinen Endbericht über die Möglichkeiten der Atommülllagerung in Großbritannien vorlegen. Allerdings enthält dieser lediglich Empfehlungen, die für die Regierung nicht bindend sind.
Steffl mal 2,5
Bis zum Ende ihrer Lebensdauer werden die derzeit in Betrieb befindlichen britischen Atomkraftwerke und Wiederaufbereitungsanlagen rund 470.000 Kubikmeter produzieren. Das würde reichen, um den Wiener Stephansdom zweieinhalb Mal aufzufüllen. Nur etwa 2.000 Kubikmeter davon sind hochradioaktive Abfälle. Der Großteil des Atommülls besteht aus mittelaktiven Stoffen (rund 349.000 Kubikmeter) sowie schwach radioaktiven Stoffen (33.000 Kubikmeter). Etwa 75.000 Kubikmeter davon macht Uran aus, weitere 4.260 Kubikmeter entfallen auf Plutonium. Derzeit wird in Großbritannien an 30 zivilen und militärischen Stätten Atommüll zwischengelagert.
Zu den Bildern: Wie nehmen wir'n denn, den Atommüll? Das ist derzeit die Frage in Großbritannien (Bild 1: BNFL). Einer der bekanntesten britischen Problemfälle in Sachen Atommüll ist die Wiederaufbereitungsanlage Sellafield/Windscale (Bild 2 und 3: BNFL).