
Abfall
Mehrweg schlägt Einweg
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouse Coopers (PWC) hat zum ersten Mal einen umfassenden Nachhaltigkeitscheck für Getränkeverpackungssysteme erstellt. Das Ergebnis: Mehrweggebinde sind überlegen.
Die klassische Mehrwegflasche ist Einweg-Getränkeverpackungen nicht nur ökologisch, sondern unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch ökonomisch und sozial deutlich überlegen. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse der internationalen PWC-Studie, die für die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) erstellt und kürzlich in Wien präsentiert wurde.
„Die Studie liefert der Politik eine herausragende Basis und beste Argumente für die Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Getränke-Verpackungssysteme, „betonte der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Um hohe Mehrwegquoten zu erreichen, sei eine eindeutige Kennzeichnung von Mehrweg- und Einweggetränkeverpackungen ein wichtiger erster Schritt. Kommunikationskampagnen könnten die Transparenz des Systems für Konsumenten weiter erhöhen. Am wirksamsten wäre allerdings – so Resch – eine Lenkungsabgabe auf ökologisch nachhaltige Verpackungen und eine sorgfältige Mittelverwendung der Lenkungsabgabe. Voraussetzung für die Akzeptanz einer solchen Lenkungsabgabe sei, dass die Erlöse in die Optimierung des Mehrweg- und Recyclingsystems fließen.
„Wir sehen uns durch die Ergebnisse der PWC-Studie in unseren seit Jahren geforderten Einführung einer gesetzlichen Regelung zur Unterstützung von Mehrweggetränkeverpackungen in Österreich bestätigt“, erklärte DI Christian Pladerer, Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts. Die österreichische Politik habe allerdings im vergangenen Jahrzehnt ausschließlich auf freiwillige Maßnahmen der Getränkewirtschaft zur Sicherung des Mehrweganteils gesetzt. Dass diese freiwilligen Vereinbarungen im Hinblick auf Mehrweg gescheitert sind und keine Wirkung zeigen, sehe man besonders deutlich am Beispiel Mineralwasser. Bei dem der Mehrweganteil seit 2000 von 64,6 Prozent auf 16,3 Prozent abgestürzt ist. Und auch das aktuelle Sozialpartnerabkommen werde daran nichts ändern, befürchtet Pladerer. Es fehlten verbindliche und sanktionierbare Ziele, um die Wahlfreiheit der Konsumenten im heimischen Lebensmitteleinzelhandel wiederherzustellen.
Die Forderung des Ökologie-Instituts: „Eine Fortführung der bisherigen Mehrweg-Politik aus Basis zahlloser freiwilliger Selbstverpflichtungen wäre unverantwortlich. Wir fordern Minister Nikolaus Berlakovich daher dringend auf, das im Auftrag des Lebensministeriums erarbeitete ÖkoBonus-Modell (wurde bisher dreimal von der Tagesordnung im Parlament wieder gestrichen, Anm.d.Red.) oder vergleichbare rechtlich verbindliche Maßnahmen mit konkreten und sanktionierbaren Zielen zur Sicherung von Mehrweggebinden in Österreich endlich umzusetzen!“
Ziel des – im Entwurf bereits vorhandenen – ÖkoBonus-Modells ist es, unter Einsatz eines effektiven ökonomischen Instruments den Anteil der Mehrwegverpackungen von Getränken sofort wieder auf 30 Prozent zu erhöhen“, stellte Univ. Prof. Dr. Gerhard Vogel, (Institut für Technologie und nachhaltiges Produktmanagement der WU-Wien), fest. „Damit könnten die Konsumenten in Österreich endlich wieder zwischen Einweg und Mehrweg wählen.“ Unterstützung für das ÖkoBonus-Modell kommt auch von den österreichischen Abfallwirtschaftsverbänden und Kommunen. „Wir sind explizit für die Einführung dieser Regelung in Österreich“, erklärte Bürgermeister Ing. Josef Moser, Bundesobmann der ARGE Österreichischer Abfallwirtschaftsverbände. „Steht doch der stark angestiegene Anteil von Einweg-Getränkeverpackungen in Österreich im Widerspruch zur obersten Priorität der europäischen und österreichischen Abfallpolitik: nämlich die Vermeidung von Abfällen.“
