
Länder-Reportage
China – Zukunftsmarkt für heimische Unternehmen
Chinas riesiger Absatzmarkt ist für österreichische Umwelttechnologie-Unternehmen äußerst attraktiv. Abwasserreinigung, Abfallrecycling und Windindustrie sind nur einige der wichtigen Bereiche.
Die Exporttätigkeit der heimischen Umwelttechnologie-Unternehmen ist beachtlich. Eines der Länder, in das österreichische Unternehmen erfolgreich Umwelttechnik exportieren, ist China. 1,3 Milliarden Menschen und ein Wirtschaftswachstum von rund neun Prozent pro Jahr machen das Land als Exportdestination für die unterschiedlichsten Umwelttechnologie-Firmen höchst interessant. Zudem investiert China pro Jahr zirka 140 Milliarden Euro in Umwelttechnik, weshalb ausländisches Know-how dringend gebraucht wird.
Österreichische Unternehmen sind in China gern gesehen. Sie gelten als zuverlässige Partner, deren Qualität beim Maschinen- und Anlagenbau geschätzt wird. Der technologische Vorsprung, den heimische Firmen zum Beispiel bei Schlüsselkomponenten vorweisen können, wirkt sich zudem positiv auf die Nachfrage aus.
Exporte: 110 Millionen Euro
Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) aus dem Jahr 2009 beziffert das Volumen der heimischen Umwelttechnik-Exporte nach China mit 110 Millionen Euro pro Jahr (Stand 2007). Umgerechnet auf die österreichischen Gesamtexporte nach China im Vergleichsjahr 2007 ergibt dies einen Wert von knapp über fünf Prozent für die Um- welttechnik. Das Umsatzvolumen des Umwelttechniksektors insgesamt wird vom WIFO mit sechs Milliarden Euro angegeben. Zwei Prozent davon werden in China erwirtschaftet.
Gefragte Technologien
„Es gibt ein paar Bereiche, in denen Österreich traditionell die meisten Projekte umgesetzt hat“, sagt Martin Woller, Leiter des Zweigbüros Guangzhou der Außenhandelsstelle Hongkong der Wirtschaftskammer Österreich. Dazu zählen Equipment für Kläranlagen und Abwasserreinigungsanlagen sowie die städtische Wasserversorgung (z.B. Pumpstationen), Ausstattung für Wasserkraftwerke, Luftreinhaltung (Rauchgasreinigung-, Entschwefelungs- und Entstaubungsanlagen), Monitoring- und Testgeräte, Zulieferung zur Windkraftindustrie, Gasmotoren für Deponie- und Biogasnutzung, Abfallrecycling (Plastik) und diverse maßgeschneiderte Lösungen für die Industrie.
15 Prozent erneuerbare Energien
Woller: „Vereinzelte Projekte gibt es auch in den Bereichen energieeffiziente Gebäude (z.B. Nutzung von Geoenergie) und erneuerbare Energie (Biodiesel, solarthermische Installationen).“ In den Ausbau der Erneuerbaren investiert China massiv. Schließlich gilt es, bis 2020 einen 15-Prozent-Anteil zu erreichen.
„Im Prinzip liefern österreichische Unternehmen all das, was lokale Firmen noch nicht anbieten können“, betont Woller. Bei sensiblen Projekten (z.B. Wasserversorgung) werde gerne auf ausländische bzw. österreichische Lösungen zurückgegriffen. Grund: „Ihnen wird eine höhere Verlässlichkeit bescheinigt.“
Hohe Flexibilität gefordert
Chinesische Geschäftspartner erwarten von ihren Lieferanten generell hohe Flexibilität und sehr rasche Projektdurchführung. Österreichische Firmen, die bereits Erfahrung mit Projekten im Reich der Mitte haben, können die hohen Anforderungen mitunter leichter erfüllen als Newcomer. Branchenübergreifend gibt es derzeit über 400 österreichische Firmen mit Niederlassungen in China. Um den riesigen Umwelttechnologie-Markt jedoch auch China-unerfahrenen Unternehmen schmackhaft zu machen, organisiert die Außenwirtschaft Österreich (AWO) Sondierungsreisen nach China.
Hilfe beim Markteintritt
Anlässlich der Expo in Shanghai besuchten – unter der Schirmherrschaft der AWO – zahlreiche heimische Firmen China, um sich vor Ort über Marktchancen und mögliche Aufträge zu informieren. Neben den Marktreisen bietet die AWO österreichischen Unternehmen auch die Möglichkeit, im Rahmen von Gruppenständen auf chinesischen Messen präsent zu sein – so zum Beispiel auf der IFAT CHINA+EPTEE+CWS 2011 vom 5. bis 7. Mai 2011 in Shanghai. Die IFAT CHINA ist eine Fachmesse für Wasserversorgung, Abwasser, Abfallentsorgung, Recycling, Luftreinhaltung, Umwelttechnik sowie erneuerbare Energie.
Hohes Potenzial
Im Bereich Wasser sieht Wollner unter anderem hohes Potenzial für ausländische Unternehmen: „In China hat noch immer Wasserversorgung erste Priorität. Zwar gibt es eine Sättigung in den Küstenstädten, aber Bedarf in kleineren Städten und Westchina.“ Der Bedarf an Klärschlamm- verwertung sei durch den Bau vieler neuer Abwasserreinigungsanlagen hoch. Bestehende Abwasserreinigungsanlagen und Kanalnetze werden zudem laufend verbessert.
„Der Bereich Abfall (Sortierung, Recycling, Verwertung) ist ebenfalls ein wichtiges Thema“, so Woller. „China selbst rühmt sich, der größte Investor in erneuerbare Energie zu sein. Das Land ist seit 2008 der größte Solarpanel-Produzent der Welt“, weiß Woller. Bei Windkraft oder Biomasse ortet der Experte jedenfalls Marktchancen für ausländische Firmen.
Autor: Lisbeth Klein
