
Länder-Reportage Türkei
Hoffnungsmarkt am Bosporus
Die Türkei investiert in den kommenden Jahren massiv in den Ausbau von Umwelttechnologie. Know-how aus dem Ausland ist gefragt.
Umwelttechnik boomt, und österreichische Unternehmen spielen in vielen Sparten vorne mit. Auch im Ausland ist heimisches Know-how gefragt, rund 400 Firmen exportieren in andere Länder. Erfolgreiche Umwelttechnik-Unternehmen werden mit dem heuer erstmals vergebenen Umwelttechnologiepreis DAPHNE 2011 ausgezeichnet. Besonderes Exportpotenzial wird speziell gewürdigt.
Asien bietet hervorragende Exportmöglichkeiten. Die Türkei als Brückenkopf zwischen Orient und Okzident gilt als Hoffnungsmarkt für Umwelttechnologie-Unternehmen. "Der Umwelttechnologiesektor in der Türkei wird in den kommenden Jahren große Wachstumszahlen aufweisen", prognostiziert Konstantin Bekos, österreichischer Wirtschaftsdelegierter in Ankara. Dies liege daran, dass die Strukturen im Umweltbereich noch schlecht ausgebaut seien. Zudem müssen in den nächsten Jahren aufgrund der Änderungen im Gesetzesbereich (Anpassung an EU-Richtlinien) viele Investitionen durchgeführt werden. Hier geht es nicht um kleine Fische: Ein Investitionsvolumen von 58 Milliarden Euro ist allein für die Umsetzung aller EU-Umweltrichtlinien in der Türkei nötig.
Davon entfällt mehr als die Hälfte (34 Milliarden Euro) auf den Trinkwasser- und Abwasserbereich. 15 Milliarden Euro sollen in die Luftreinhaltung fließen, 9,5 Milliarden müssen in den Abfallbereich gepumpt werden. Die türkische Abfallwirtschaft wird übergeordnet vom türkischen Umweltministerium geregelt. Im Rahmen der Auflagen für einen EU-Beitritt ist die Türkei verpflichtet, im Abfallsektor Maßnahmen zu ergreifen. Dazu wurde ein Abfallmanagementplan ausgearbeitet, im Rahmen dessen ein größerer Anteil des anfallenden Mülls wiederverwertet oder energetisch genutzt werden soll.
Erneuerbare Energien
Nicht nur der Abfall- und Abwasserbereich sind für Investoren höchst interessant. Auch bei den erneuerbaren Energien bieten sich auf dem türkischen Markt große Chancen für ausländische Unternehmen. Der Energiehunger der Türkei ist gewaltig, angeheizt durch ein 8-prozentiges BIP-Wachstum im Vorjahr. Erneuerbare sollen in Zukunft eine noch stärkere Rolle spielen.
Im Jänner wurde das lang erwartete Gesetz für erneuerbare Energien vom türkischen Parlament bewilligt. Bekos erläutert: "Dieses Gesetz regelt die Abnahmetarife für Stromerzeugung aus Wasser- und Windkraft, Geothermie, Biomasse sowie Sonnenenergie." Die Einspeisetarife für erneuerbare Energien wurden überarbeitet und weitere Fördermaßnahmen beschlossen. Aktuell wird eine Kilowattstunde (kWh) Strom aus Wind- und Wasserkraft mit 7,3 Dollar-Cent und geothermischer Strom mit 10,5 Dollar-Cent vergütet. Betreiber von Solar- und Biogasanlagen können mit 13,3 Dollar-Cent pro kWh rechnen.
Insgesamt sollen 2011 zirka 3,5 Milliarden Euro in den Energiemarkt investiert werden, rechnete der Präsident der türkischen Energiemarktregulierungsbehörde, Hasan Köktas, kürzlich vor. Eine halbe Milliarde Euro soll von der Regierung kommen, den Rest steuern private Investoren bei. Köktas betont, dass ausländisches Kapital in der Türkei höchst willkommen ist und lockt mit der Versprechung, dass Privatisierungen auf dem Energiemarkt vorangetrieben werden.
In einer Publikation aus dem Jahr 2009 weist die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) auf etliche Faktoren hin, deren Wissen den Umgang mit türkischen Geschäftspartnern erleichtern kann. Bei der Projektabwicklung gelte es zu beachten, dass Verhandlungen oft sehr langwierig sind, "die Vertragspartner sich aber nach Vertragsabschluss als weitgehend vertragstreu erweisen und dass gute Erfahrungen mit der Zahlungsmoral der Geschäftspartner gemacht wurden", heißt es.
Der Faktor Zeit wird in der ÖGUT-Analyse noch einmal erwähnt: "Da es für den Export unerlässlich ist, Kontakte im Zielland zu knüpfen und zu pflegen, kann es sein, dass eine lange Vorarbeit notwendig ist um zu einem bestimmten Auftrag zu kommen." Unternehmen, die eine Exporttätigkeit in die Türkei aufnehmen bzw. lokale Kooperationen eingehen wollen, müssen auch schon mal ein bis zwei Jahre Geduld aufbringen, ehe alles ins Laufen gerät.
Veranstaltungen in der Türkei
Heuer widmet man sich von offizieller Seite intensiv der österreichisch-türkischen Zusammenarbeit. Die "Exportinitiative Umwelttechnologien" macht von 5. bis 6. April 2011 Station in der Türkei. Informationen zur Marktsondierungsreise unter der Schirmherrschaft von Umweltminister Nikolaus Berlakovich gibt es unter www.exportinitiative.at.
Bei der Izmir International Fair von 8. bis 18. September (www.izfas.com.tr) wird Österreich mit dem Themenschwerpunkt Umwelttechnik als Partnerland auftreten.
