
Energie
Aus dem "Klimakiller" CO2 wird Benzin!
Beim Verbrennen von Benzin wird Kohlendioxid freigesetzt. Schweizer Forscher haben nun eine Methode gefunden, diesen Prozess zu überlisten bzw. umzukehren.
Sie verwenden CO2, Wasser und das Sonnenlicht dazu, flüssigen Treibstoff herzustellen. Dem Team um Aldo Steinfeld, Professor für Erneuerbare Energieträger an der ETH Zürich und Leiter des Labors für Solartechnik am Paul Scherrer-Institut ist es gelungen, einen Reaktor zu konstruieren, der die Sonnenenergie auf eine Intensität von 1500 Sonnen bündelt. Diese konzentrierte Solarstrahlung wird auf einen zylindrischen Hohlraum gerichtet. Unter Verwendung des Katalysators Ceriumoxid setzte die Energie einen thermochemischen Prozess in Gang, bei dem aus Wasser und CO2 ein Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid entsteht.
Dieses Gemisch – "Syngas" genannt – stellt eine Vorstufe für Benzin, Kerosin und andere flüssige Treibstoffe dar. Der "Solarsprit" kann zum Klimaschutz beitragen, denn die Methode ist CO2-neutral. Prof. Steinfeld: "Unsere Technologie ist zu 100 Prozent nachhaltig, weil wir das CO2 und sogar das Wasser, das bei der Verbrennung des Treibstoffs entsteht, vorher direkt der atmosphärischen Luft entziehen. So haben wir einen perfekt geschlossenen Materialkreislauf".
Den Prototyp, den die Schweizer in Kooperation mit Wissenschaftern des California Institute of Technology entwickelt haben, erreicht derzeit einen Wirkungsgrad von 0,8 Prozent. Was soviel bedeutet, dass weniger als ein Hundertstel der Sonnenenergie zu Treibstoff wird. Die Forscher gehen aber davon aus, dass die Energieausbeute noch signifikant gesteigert werden kann. Sie rechnen damit, dass 2020 die erste industrielle Solartreibstoffanlage in Betrieb gehen könnte. An das Potenzial der Erfindung glaubt offenbar auch die Energiewirtschaft: Laut Prof. Steinfeld gibt es bereits Gespräche mit möglichen Partnern aus der Industrie.
